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Startseite»Politik»25 Jahre nach den Anschlägen – 9/11 ist nicht vorbei
Politik

25 Jahre nach den Anschlägen – 9/11 ist nicht vorbei

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Kommentar

Stand: 11.09.2026 • 16:46 Uhr

Die Anschläge am 11. September 2001 wirken bis heute nach – politisch und gesellschaftlich, meint Christoph Heinzle. So sei unser Gefühl von Sicherheit nachhaltig erschüttert worden.

Ein Kommentar von Christoph Heinzle

9/11 ist nicht vorbei. Die Terroranschläge hatten weitreichende Folgen für Politik und Gesellschaft – auch in Deutschland. Politisch erinnern wir uns heute wieder an die „uneingeschränkte Solidarität“ Deutschlands, die Bundeskanzler Gerhard Schröder vor genau 25 Jahren den USA versprochen hat.

Das war mehr als eine Worthülse. Die Bundeswehr machte sich bald an der Seite der Amerikaner auf nach Afghanistan. Deutschlands Sicherheit sollte auch am Hindukusch verteidigt werden. Vor allem aber wollte man der US-Regierung zeigen, dass die Deutschen sich nicht verstecken, wenn Solidarität eingefordert wird. Dass Beistand keine Einbahnstraße ist.

Zwei Jahrzehnte Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr

Schließlich konnte sich die Bundesrepublik vor allem im Kalten Krieg auf den Schutz der USA verlassen. Doch diese „uneingeschränkte Solidarität“ hatte ihren Preis. Von den 93.000 Bundeswehr-Soldatinnen und Soldaten in zwei Jahrzehnten Afghanistan-Einsatz kamen 60 nicht lebend zurück. Mehrere Tausend wurden verwundet und traumatisiert.

Und am Ende beschlossen die Amerikaner den Abzug. Und alle anderen mussten mit. Chaos war die Folge und die erneute Machtübernahme der Taliban. Militärisch ist Deutschland von den USA weiterhin abhängig, auch wenn es sich seit der Amtsübernahme Trumps und erst recht seit dem Angriffskrieg Russlands in der Ukraine um mehr Eigenständigkeit bemüht. Der Weg ist aber lang.

Sicherheitsgefühl erschüttert

Folgen hatte 9/11 auch für die deutsche Gesellschaft. Die Wucht der Explosionen und die Live-Bilder aus New York lösten auch hier Schockwellen aus. Unser Gefühl von Sicherheit war nachhaltig erschüttert. Und es sollte sich angesichts weiterer Anschläge auch nicht wieder einstellen: Madrid, London, Paris, Magdeburg, Breitscheidplatz und CSD in Berlin.

Und mit dieser Verunsicherung wuchs das Misstrauen gegenüber Menschen mit Einwanderungsgeschichte, vor allem gegenüber Muslimen. Vom schrägen Blick auf den jungen Mann mit Rucksack, der in der U-Bahn auf Arabisch ins Handy brüllt über den Mitschüler aus Afghanistan, der sich nach jedem neuen Anschlag dumme Sprüche anhören muss bis zum Syrer, der regelmäßig ohne jeden Anlass bei Kontrollen rausgezogen wird.

Skepsis darf nicht in Generalverdacht münden

Die Betroffenen erinnern sich daran, dass diese Blicke, dieser Generalverdacht seit dem 11. September 2001 intensiver geworden sind. Viel ist seitdem passiert, klar: Anschläge von Islamisten, Ausschreitungen von Gewalttätigen, Bedrohungen durch Banden. Skepsis scheint da berechtigt. Sie darf aber nicht in Generalverdacht münden: Sie darf nicht Menschen bedrohen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen.

Viele denken jetzt auch nach den Erfolgen der AfD darüber nach, ob Deutschland für sie noch der richtige Ort zum Leben ist, selbst wenn sie längst Deutsche sind, hier Karriere gemacht und Familien gegründet haben.

9/11 ist nicht vorbei. Das spüren all jene unter uns, die vor 25 Jahren voller Erschütterung verfolgt haben, was passiert ist. Bestürzung, Fassungslosigkeit und Trauer von damals kommen heute wieder hoch, wenn wir uns erinnern. „Nichts wird mehr sein, wie es bisher war“, hieß es damals. Das stimmt sicher nicht. Zuviel ist seitdem passiert. Aber 9/11 hat Spuren hinterlassen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder und nicht die der Redaktion.

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Dr. Heinrich Krämer
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