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Startseite»Politik»Berliner CSD-Attentäter soll Bekennervideo an IS-Kontakt geschickt haben
Politik

Berliner CSD-Attentäter soll Bekennervideo an IS-Kontakt geschickt haben

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 14, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Exklusiv

Stand: 14.09.2026 • 17:00 Uhr

Der Berliner CSD-Attentäter hatte vor seiner Tat ein Bekennervideo aufgenommen. Nach Recherchen von WDR und SZ soll Abdul B. das Video an eine britische Islamistin in Syrien verschickt haben – veröffentlicht wurde es aber nie.

Florian Flade, WDR

Nachdem Abdul B. am Abend des 25. Juli mit dem Auto in die Menschenmenge am Christopher Street Day (CSD) im Berliner Tiergarten gefahren war, stieg er aus und floh vom Tatort. Im Wagen ließ der Attentäter sein Handy zurück. Darauf entdeckte die Polizei ein offenbar selbst gedrehtes Video, das die Ermittler als Bekennervideo bewerten. Darin zu sehen ist B., vermummt, wie er auf Arabisch den sogenannten Treueschwur auf die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) leistet.

Das Video soll am Tattag aufgenommen worden sein, jedoch keinerlei Informationen über den bevorstehenden Anschlag enthalten. Veröffentlicht wurde das Video, anders als bei anderen Attentaten, nicht. Es war bislang unklar, ob der Attentäter Abdul B. es überhaupt verschickt hatte.

Wohl keine konkreten Tatpläne ausgetauscht

Nun werden neue Details zu dem Handyvideo des CSD-Attentäters bekannt: Wie WDR und die Süddeutsche Zeitung aus Sicherheitskreisen erfuhren, soll Abdul B. sein Bekennervideo tatsächlich an eine Kontaktperson mit IS-Bezug in Syrien verschickt haben, mit der er offenbar schon in den Tagen vor dem Attentat kommuniziert hatte. Bei dieser Person soll es sich nach Erkenntnissen der Ermittler um eine bekannte, aus Großbritannien stammende Islamistin handeln, die sich bereits als Jugendliche der IS-Terrormiliz angeschlossen hat.

Der Attentäter vom Berliner CSD soll mit der Islamistin in den Tagen vor seiner Tat per Handychat in Kontakt gestanden haben. Bisherigen Ermittlungen zufolge soll diese allerdings wohl nicht in seine konkreten Tatpläne eingeweiht gewesen sein. Sie soll nach Auswertung der Chats auch nicht als eine Anleiterin oder Instrukteurin des Attentäters agiert haben. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Bekennervideo und dem Kontakt zur Islamistin in Syrien äußern. Sie verwies auf laufende Ermittlungen.

Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass das Video von der britischen Islamistin an einen Vertreter der IS-Propagandastelle weitergeleitet werden sollte. Diese Kontaktperson allerdings, die offenbar eine Veröffentlichung des Videos über die üblichen IS-Propagandakanäle in die Wege leiten sollte, lebt inzwischen wohl nicht mehr: Deutschen Sicherheitsbehörden liegen demnach Informationen vor, wonach der Islamist bei Kriegshandlungen im Gazastreifen ums Leben gekommen sein soll.

Britin reiste mit 15 Jahren nach Syrien aus

Die Islamistin wurde in London geboren, ihre Eltern sind Einwanderer aus Bangladesch. Als Jugendliche radikalisierte sie sich zunehmend. Im Dezember 2014, im Alter von 15 Jahren, verließ sie Großbritannien in Richtung Syrien, wo sie sich der Terrormiliz IS anschloss. Nur zwei Monate später folgten ihr drei weitere Mädchen, die in London dieselbe Schule besucht hatten. Heute soll sich die Frau weiterhin in Syrien aufhalten, über das Internet islamistische Propaganda verbreiten und zu Spenden für die Dschihadisten aufrufen.

Da die Islamistin offenbar nicht als Anleiterin agiert haben soll, unterscheidet sich der Fall des CSD-Attentäters nach bisher bekanntem Ermittlungsstand etwa von dem Anis Amris. Dieser hatte im Dezember 2016 einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz verübt. Er stand bis unmittelbar vor seiner Tat mit einer Person in Kontakt, bei der es sich um einen IS-Kämpfer gehandelt haben soll, der sich zum damaligen Zeitpunkt mutmaßlich in Libyen aufhielt.

Bislang keine Stichwaffe gefunden

Der CSD-Attentäter Abdul B. wurde einen Tag nach seinem Anschlag, bei dem eine Frau getötet und 30 Menschen verletzt wurden, einige von ihnen schwer, bei einem Polizeieinsatz erschossen. Er hatte sich in einer Gartenlaube eines Angehörigen in Berlin-Spandau versteckt.

Vor seinem Anschlag hatte B. mehrere Monate in Untersuchungshaft gesessen, er soll zudem zwei Mal erfolglos versucht haben, sich IS-Terroristen im Ausland anzuschließen, zuerst in Mauretanien und kurz darauf in Syrien.

Nach aktuellem Ermittlungsstand soll der Islamist, der als „Gefährder“ eingestuft war und sogar als „Hochrisiko-Person“ galt, zuletzt mindestens drei Mobiltelefone besessen haben. Gefunden hat die Polizei bislang allerdings nur jenes Gerät, das der Attentäter in seinem Tatfahrzeug zurückgelassen hatte. Auch ein Messer oder eine Machete, mit der Abdul B. mehrere Personen im Tiergarten angegriffen haben soll, wurde bislang nicht gefunden.

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Dr. Heinrich Krämer
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