Nach einer neuen russischen Angriffswelle brennt das historische Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Kiew. Es gibt Tote, Rettungskräfte suchen nach weiteren Opfern. Auch in anderen Landesteilen gab es Beschuss.
In der ukrainischen Hauptstadt Kiew steht das historische Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Flammen. Das teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Eine Rettungsaktion laufe, es werde nach Menschen gesucht, die sich möglicherweise in dem Haus befinden. Dazu veröffentlichte er ein Video, das Feuer und schwere Schäden in und um das Gebäude zeigt.
Rettungskräfte sind vor Ort im Einsatz, mindestens zwei Menschen sind getötet worden. Ukrainische Medien verbreiteten Videos, auf denen Feuer im Inneren der Akademie zu sehen sind. Zu sehen ist, wie Menschen in den oberen Stockwerken vor den Flammen auf die Fenstersimse flüchten und auf Rettung durch die Feuerwehr warten.
Neuer Kriegsalltag in der Ukraine
Der Drohnenangriff ist Teil eines neuen Kriegsalltags in der Ukraine. Seit mehr als einem Monat eskaliert Russland seine Luftangriffe. Im Fokus steht insbesondere Kiew. Schon in der Nacht hatte Moskau mehrere Regionen des Landes angegriffen und den Beschuss dann am Tag fortgesetzt. An mehreren Orten gab es Tote.
In Charkiw, im Osten des Landes, wurden nach Angaben von Bürgermeister Ihor Terechow bei russischen Angriffen mehr als 24 Menschen verletzt. Russland habe Gleitbomben eingesetzt. In der Region Odessa sei ein Schiff unter der Flagge von Palau getroffen worden. Regionale Behörden sprachen dort von zwei Verletzten.
Moskau bestätigt Angriff
Präsident Selenskyj schrieb auf der Plattform X, Russland müsse zur Verantwortung gezogen werden und echte Konsequenzen spüren. Er warf Moskau Terror vor.
Russland griff zuletzt immer wieder über mehrere Stunden hinweg an. Brände, Explosionen und Schüsse der Flugabwehr gehören für viele Menschen inzwischen zum Alltag. Immer wieder müssen Universitäten und Schulen, staatliche Einrichtungen und Behörden den Betrieb für Stunden unterbrechen. Ziel der Angriffe sind inzwischen vor allem Tankstellen, Lagerhallen von Supermärkten und Rechenzentren. Mobilfunkanbieter hatten zuletzt vermehrt Ausfälle des Internets gemeldet.
Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte auch bei der jüngsten Angriffswelle den Beschuss von Datenzentren in Kiew. Sie hätten die ukrainischen Streitkräfte mit Mobilfunk und Internet versorgt, hieß es zur Begründung. Im Gebiet Odessa seien unter anderem ein Logistikzentrum und ein Schiff attackiert worden. Das Schiff habe Güter für das ukrainische Militär transportiert, hieß es. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig prüfen.
Ukraine greift Ziele in Russland an
Die Ukraine ihrerseits griff nach Angaben von Selenskyj Ziele im russischen Hinterland an, darunter zwei Rüstungsbetriebe in den Regionen Tula und Woronesch, Anlagen der Ölindustrie im Gebiet Krasnodar und Ziele im Schwarzen Meer und der Region Brjansk. Unabhängig überprüfen lassen sich auch diese Angaben derzeit nicht.
Gouverneur Dmitri Miljajew meldete im Gebiet Tula bislang keinen Drohnenalarm oder Schäden. In der Region Woronesch sprach Gouverneur Alexander Gussew von 20 abgewehrten Drohnen. Vier Menschen seien verletzt worden, darunter drei Kinder.
In der an die Ukraine grenzenden Region Brjansk stürzte laut dem kommissarischen Gouverneur Jegor Kowaltschuk ein Teil einer Brücke infolge eines Angriffs ein. Zehn Waggons eines Zugs seien daraufhin entgleist. Andernorts seien 18 offene Güterwaggons durch einen Angriff entgleist. Der Zivilschutzstab im Gebiet Krasnodar berichtete von herabstürzenden Drohnentrümmern, die Brände bei drei zivilen Unternehmen ausgelöst hätten.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der Konfliktparteien können nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
Mit Informationen von Rebecca Barth, ARD-Studio Kiew.
