Gegen Serbien und in Griechenland wird die deutsche Nationalmannschaft ohne ihren Kapitän Joshua Kimmich spielen. Bastian Schweinsteiger hält ihn aktuell für unersetzbar, doch das kann sich schneller ändern, als viele vermuten.
„Wenn der nicht da ist, dann wird es schwierig“, hat Bastian Schweinsteiger nach der Länderspiel-Niederlage gegen Griechenland in Augsburg über den Kapitän der DFB-Elf, Joshua Kimmich, gemeint und ergänzt: „Wenn wir von hinten herausspielen müssen, ist er der Einzige, der kreative Pässe spielen kann. Der Einzige!“ Kimmich selbst sagte nach der Partie gegen die Griechen: „Ich habe versucht, mich zu zeigen, nicht zu verstecken, viele Bälle abzuholen, auch um den Jungs um mich herum Vertrauen zu geben, sie auch zu entlasten.“
Tatsächlich war Kimmich auch am Sonntagabend wieder sehr präsent auf dem Platz, wie die nackten Zahlen – 152-mal am Ball, 128 Pässe gespielt, von denen 92 Prozent ankamen – ebenfalls zeigen. Und dennoch wirkte der Star des FC Bayern München nicht nur beim Treffer der Griechen an diesem Abend etwas unglücklich. Hier und da konnte man sogar den Eindruck gewinnen, dass die schwere Last, die aktuell auf den Schultern des Kapitäns lastet, Kimmich in einigen Situationen zu erdrücken schien. Locker und leicht wirkten nur wenige Aktionen, wie beispielsweise der herausragende Pass in der ersten Halbzeit auf Karim Adeyemi, der zu einer der wenigen Großchancen der DFB-Elf an diesem Abend führte.
DFB-Team verpasst gute Chancen – Kimmichs Pech entscheidet
Die ganze „Mittelmaß“-Diskussion („Wir sind keine Top-Mannschaft mehr“), die Bastian Schweinsteiger nach dem Spiel in Augsburg angestoßen hatte, sollte sich seiner Meinung nach zwar gerade nicht um Kimmich drehen, bei dem er als einzigem aktuell das potentiell zum „Unterschiedsspieler“ ausmacht – doch man wird sehen, ob das Fehlen des Bayernstars bei den beiden kommenden Länderspielen gegen Serbien und wieder gegen Griechenland nicht sogar eine echte Chance für die anderen Nationalspieler ist.
Kimmich wäre „gerne geblieben“
Schon im Sommer hatte Didi Hamann nach dem enttäuschenden Ausscheiden bei der WM einen Neustart ohne den Kapitän gefordert: „Ich bin der Meinung, dass Kimmich in der Nationalmannschaft keine Rolle mehr spielen sollte. Ich muss doch mal andere Spieler ranlassen. Von so einem Spieler erwarte ich, dass er Verantwortung übernimmt und sagt, ich habe alles probiert – und das kann man ihm nicht vorwerfen -, ich habe es nicht geschafft, ich bin jetzt mal weg.“ Eine kontroverse Position, die allerdings bei den allermeisten Experten und Fans damals keine Unterstützung erfahren hatte. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Kimmich unter Nagelsmann ohne zu murren als Außenverteidiger ausgeholfen hatte. Unter Klopp darf er jetzt wieder auf seiner angestammten Position agieren.
Nun musste Kimmich verabredungsgemäß von der Nationalmannschaft abreisen. Aber: „Ich wäre gerne geblieben“, hat er nach der Partie gemeint, denn eigentlich hatte er insgeheim darauf gehofft, doch noch länger beim DFB-Team bleiben zu dürfen. Jetzt muss er von außen mit ansehen, was die anderen Kräfte auf seiner Position ausrichten. Sicherlich keine ganz einfache Situation für den ehrgeizigen Kapitän – und auch keine Situation, die nicht ein gewisses Risiko für Kimmich birgt.
Denn anders als Schweinsteiger sehen nicht wenige Fußballfans durchaus die Chance, dass durch das Fehlen von Kimmich die Spielanlage und die Spielausrichtung ein völlig anderes Potential entfalten könnte. Denn Kimmichs große Stärke („Die Bayern haben mit ihm einen besonderen Spieler. Es macht einfach Spaß, ihm beim Fußballspielen zuzusehen. Das einzige Mal, dass er den Ball verloren hat? Das war, als er ihn seinem Sohn zu Hause zum Spielen gegeben hat“, Atletico Madrids Trainer Diego Simeone) ist auf eine gewisse Weise möglicherweise auch eine Schwäche.
Aber das ist aktuell noch alles graue Theorie. Am Donnerstag gegen Serbien und am Sonntag in Griechenland wird sich zeigen, was die Realität auf dem Platz tatsächlich ist. Nutzen die Ersatzkräfte in Abwesenheit von Joshua Kimmich ihre Chance und präsentiert sich die deutsche Elf ohne ihren Kapitän in einer anderen Art und Weise, dann wird ganz selbstverständlich eine Diskussion über den Stellenwert von Kimmich in der Nationalmannschaft eröffnet, die selbst der Bundestrainer nicht aufhalten könnte. Momentan scheint dieses Szenario noch fern und wenig realistisch – doch das kann sich schneller ändern, als viele das aktuell erahnen.
Verwendete Quelle: ntv.de
