Experten sehen SicherheitsrisikoBND-Vize nutzte geleakte Handynummer jahrelang
Dag Baehr ist einer der ranghöchsten Geheimdienstler in Deutschland. Seine privaten Daten waren dennoch jahrelang erstaunlich ungeschützt. Potenzielle Angreifer hätten ein leichtes Spiel gehabt, sagen Sicherheitsexperten.
Der militärische Vize-Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Dag Baehr, nutzte nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) und WDR bis vor Kurzem eine Handynummer, die durch ein Datenleak seit Jahren im Internet offen einsehbar war. Die Nummer tauchte im Netz auf, nachdem im Jahr 2020 ein US-Onlineauktionshaus von Hackern angegriffen worden war. Die Cyberkriminellen hatten anschließend die Daten von rund 3,4 Millionen Nutzern veröffentlicht. Das betroffene Auktionshaus hatte seine Nutzer kurz nach der Attacke über den Datendiebstahl informiert. Auch seine E-Mail-Adresse und seine private Wohnanschrift sind im Internet zu finden.
Experten sehen darin ein Sicherheitsrisiko, weil potenzielle Angreifer mithilfe privater Handynummern und E-Mail-Adressen Personen ausspähen könnten. „Mit solchen Daten kann ein Angreifer eine ganze Menge machen“, sagt der Geheimdienstexperte Christopher Nehring der SZ. Feindliche Geheimdienste könnten die Daten etwa dazu nutzen, ein Profil über eine Zielperson zu erstellen, mit Vorlieben, Aufenthaltsorten, Hobbys – oder sogar kompromittierendes Material.
Auch könnten Angreifer versuchen, beispielsweise über Phishing jemanden dazu zu bringen, eine Schadsoftware auf dem Handy zu installieren. Es sei ebenfalls möglich, die Kontaktdaten zu nutzen, um Personen aus dem privaten oder beruflichen Umfeld der Zielperson anzugehen.
In Russland sei das wohl eine gebräuchliche Methode. Russische Agenten würden vermehrt Konten bei Messengerdiensten wie Whatsapp und Signal nutzen, um Zielpersonen auszuspähen, so WDR und SZ. Innerhalb der Nato sei deshalb erst kürzlich vor derartigen Methoden gewarnt worden, so WDR und SZ.
Baehr nutzte die Handynummer bis vor wenigen Tagen nach eigenen Angaben nur zu privaten Zwecken. Allein für Gespräche mit ein paar Menschen aus seinem privaten Umfeld, die sich keine neue Nummer mehr merken könnten, so der BND-Vize. Den Recherchen zufolge gibt es allerdings auch mehrere Militärangehörige und Beamte, die die Handynummer als einzige mobile Erreichbarkeit von Baehr gespeichert haben und nach eigenen Angaben keine privaten Kontakte zu ihm haben. Baehr teilte mit, die Weiternutzung sei ein Fehler gewesen, den er inzwischen korrigiert habe. Der BND wollte sich auf SZ-Nachfrage nicht zu dem Sachverhalt äußern.
Dag Baehr ist seit 2023 einer von drei Vize-Präsidenten des BND. Er ist zuständig für die strategische Militäraufklärung im Ausland. Davor war er in unterschiedlichen Bereichen in der Bundeswehr tätig, unter anderem Kommandeur des Kommando Spezialkräfte (KSK) – ein relevantes Ziel für ausländische Agenten war er also bereits bei dem Datenleak 2020.
