Im Prozess um die brutale Misshandlung einer Frau in Soest hat der Hauptangeklagte heute sein Schweigen gebrochen. Bisher hatte er bestritten, daran beteiligt gewesen zu sein. Jetzt räumte der 29-jährige Soester ein, bei einem Teil der angeklagten Taten mitgemacht zu haben. Er beschuldigte aber auch seine damalige Lebensgefährtin, eine aktive Rolle gespielt zu haben.
Der Anwalt des Hauptangeklagten schilderte im Auftrag des Soesters, dass dieser an einigen der Taten beteiligt war. Bei manchen allerdings sei er gar nicht im Haus gewesen, wo alles passierte.
Grundsätzlich aber habe es die brutalen Misshandlungen gegeben, bei der die Frau gequält, geschlagen, sexuell missbraucht und menschenverachtend behandelt worden sei, sagte der 29-jährige Soester. Er habe die menschenverachtenden Aktionen, zu der die Frau gezwungen worden war, belustigt beobachtet.
Angeklagter beschuldigt damalige Lebensgefährtin
Allerdings relativierte der Hauptangeklagte mehrfach seine Aktivitäten. Er bezichtigte hingegen seine damalige Lebensgefährtin, der aktive Teil bei den Misshandlungen gewesen zu sein. Die Frau war erst nachträglich verhaftet worden, nachdem neue Videos bekannt wurden.
Die waren erst vor Kurzem den Ermittlern zugespielt worden. Darauf sind 18 weitere Taten gefilmt, an denen auch weitere Personen beteiligt waren, die bisher noch nicht angeklagt sind.
Staatsanwaltschaft will neue Anklage erheben
Die Staatsanwaltschaft plant, dazu eine weitere Anklage zu erheben. Der Hauptangeklagte kündigte am Montag im Gericht an, dass er auch einen Teil dieser Taten, soweit er daran beteiligt war, gestehen wolle.
Die neuen Videos zeigen offenbar auch, dass nur der eine der beiden minderjährigen angeklagten Brüder an den Taten beteiligt war, der andere offenbar nicht. Die Staatsanwaltschaft hält deshalb auch ihre Anklage gegen den 17-Jährigen für nicht mehr gerechtfertigt.
Minderjährige sagten nicht öffentlich aus
Beide minderjährigen Angeklagten nahmen zu den Vorwürfen Stellung – wie ist allerdings unklar. Denn aus Jugendschutzgründen wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.
Das Opfer soll nächste Woche per Videoschalte vernommen werden. Das sei aufgrund ihrer Erkrankung notwendig, erklärte die Nebenklageanwältin. Anwälte und Richter stimmten dem zu.
Frau wurde schlimm gequält – auch Waterboarding?
Bei dem Prozess am Landgericht Arnsberg geht es um das Martyrium einer 33-jährigen Frau in Soest. Immer wieder soll sie über Monate hinweg von den vier angeklagten Männern schlimm geschlagen, sexuell erniedrigt und gedemütigt worden sein.
Im Prozess am Montag war auch von sogenanntem Waterboarding die Rede, eine Foltermethode. Dazu aber äußerte der Angeklagte sich nicht, diese mutmaßliche Tat könnte später noch eine Rolle spielen.
Frau hing halbnackt an einem Holzbalken
Die Männer sollen die Frau in einem Reihenhaus in Soest immer wieder misshandelt haben, zweimal sei sie vergewaltigt worden, zeitweise war sie mit Handschellen an ein Heizungsrohr gekettet.
Aufgeflogen war der Fall im vergangenen November. Ein Anwohner sah, wie auf dem Balkon eines benachbarten Reihenhauses eine Frau hing. Halbnackt, mit Handschellen gefesselt an einem Holzbalken. Der Mann rief die Polizei, die die Frau befreite.
Unsere Quellen:
- Öffentliche Verhandlung am Landgericht Arnsberg
- Recherchen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Hauptangeklagter gibt einige Taten zu, 02.11.2026, 12:44 Uhr
