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Startseite»Nachrichten»„In eine düstere Richtung“: Fünf Jahre Taliban: Afghanistan leidet unter vielen Krisen
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„In eine düstere Richtung“: Fünf Jahre Taliban: Afghanistan leidet unter vielen Krisen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 14, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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„In eine düstere Richtung“Fünf Jahre Taliban: Afghanistan leidet unter vielen Krisen

Seit fünf Jahren regieren die Taliban wieder in Afghanistan. Vor allem die Frauenrechte haben sie stark beschnitten (Bild von 2023). (Foto: dpa)

Vor fünf Jahren eroberten die islamistischen Taliban in einer Blitzoffensive Afghanistan. Am 15. August 2021 nahmen sie die Hauptstadt Kabul ein. Seither beschneiden sie systematisch Frauenrechte, die humanitäre Lage im Land hat sich massiv verschlechtert. Ein Überblick über die Lage am Hindukusch.

Wie geht es den Menschen?

Zwar hat sich die Sicherheitslage in dem Land deutlich verbessert, in anderen Bereichen wie Ernährung und der gesellschaftlichen Teilhabe von Frauen allerdings gibt es Rückschritte. „Obwohl Afghanistan jetzt recht sicher vor Explosionen und Krieg ist, bewegt es sich – auf die menschliche Entwicklung bezogen – in eine düstere Richtung“, sagt die Unternehmerin Fosan aus Kabul.

Afghanistan mit seinen mehr als 48 Millionen Einwohnern steckt derzeit in einer schweren humanitären Krise. Die Unterernährung habe ein bislang nicht dagewesenes Ausmaß erreicht, warnte zuletzt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. 47 Prozent der Minderjährigen seien im ersten Quartal dieses Jahres unterernährt gewesen.

„Meistens gibt es in einem Land Konflikte, eine Hungersnot oder eine Naturkatastrophe. In Afghanistan gibt es all das gleichzeitig“, sagt Thamindri de Silva. Sie leitet das Büro der Hilfsorganisation World Vision International in der westafghanischen Stadt Herat und ist seit über zwei Jahrzehnten in Krisengebieten unterwegs. „Die Not hier ist so chronisch und groß, dass sie sich kaum mit Situationen vergleichen lässt, die ich bisher erlebt habe.“ Dennoch gelten die internationalen Hilfsprogramme für das Land als massiv unterfinanziert.

Was sind die größten Herausforderungen für Afghanistan?

Afghanistan leidet stark unter den Folgen des Klimawandels: Bei Überflutungen kamen in diesem Jahr bereits zweimal Dutzende Menschen ums Leben, gleichzeitig führen jahrelange Dürren zu schlechten Ernten. Effektive Schutz- und Vorsorgemaßnahmen scheitern an fehlenden Mitteln und mangelnder politischer Planung.

Verschärft wird die Lage durch massive Migration: Seit September 2023 sind nach UN-Angaben fast 5,9 Millionen Menschen nach Afghanistan zurückgekehrt – ein Bevölkerungsanstieg von zehn bis zwölf Prozent. Insbesondere die Nachbarländer Pakistan und Iran verschärfen ihre Regelungen für Afghanen. Viele Flüchtlinge reisen zurück in ihr Heimatland, um der Abschiebung zuvorzukommen. Mehr als 90 Prozent der Rückkehrer leben nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks von weniger als fünf US-Dollar am Tag.

Die Taliban haben auch die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt, Medien können kaum noch frei berichten. Nach drei Jahren schwerster körperlicher Arbeit hatte der Journalist Nadschib aus Kabul wieder einen Job in einem Medienunternehmen gefunden. „Aber aufgrund der schwierigen Bedingungen und der Atmosphäre der Angst und Unsicherheit habe ich es nur ein paar Tage ausgehalten“, sagt er.

Wie hat sich die Lage der Frauenrechte verändert?

Die Situation der Frauen verschlechtert sich seit der Machtübernahme der Taliban zusehends. Frauen müssen in der Öffentlichkeit oder bei Arztbesuchen von einem Mann begleitet werden und es gelten strenge Kleidervorschriften. Erst im Juni kam es zu Protesten in Herat, nachdem Sittenwächter der Taliban etwa 30 Frauen wegen angeblicher Verstöße gegen die Kleiderordnung verhaftet hatten.

Die Vereinten Nationen dokumentieren auch Fälle, bei denen Geschäftsinhaber von Sittenwächtern bestraft werden, weil sie Frauen ohne Begleiter und vorschriftsmäßige Verschleierung bedient haben sollen. Tatsächlich werden die Regeln jedoch unterschiedlich ausgelegt – so sind Frauen etwa in der Hauptstadt Kabul sehr wohl auch allein unterwegs.

Dass die Taliban Frauen den Zugang zu höherer Bildung verwehren, sorgt für viel Unmut. „Als Vater schäme ich mich vor meinen Töchtern, dass ich ihnen nicht die Grundlagen für ihre weitere Ausbildung bieten kann. Das ist eine Hilflosigkeit, die ich noch nie in meinem Leben verspürt habe“, sagt der Journalist Nadschib. Frauen erhalten auch kaum noch Arbeitsberechtigungen für Anstellungsverhältnisse, wie Experten berichten. Selbstständig Unternehmen zu führen, ist ihnen jedoch weitgehend erlaubt.

Nach Angaben der UN-Hilfsmission für Afghanistan (Unama) ermöglicht ein Dekret von Mai implizit die Verheiratung von Kindern. Die Taliban haben die UN-Darstellung aber als übertrieben zurückgewiesen. Ein Gesetzestext vom Beginn des Jahres erlaube etwa auch die Inhaftierung von Frauen oder ihrer Angehörigen, wenn sie ohne die Erlaubnis ihres Ehemanns häufig das Haus eines Verwandten aufsuchen, schrieb die Organisation UN Women im Februar.

Allerdings hat die Machtübernahme der Taliban unterschiedliche Konsequenzen für die Frauen im Land, wie Beobachter sagen. Während die urbane, gebildete Mittelschicht unter der Beschneidung ihrer Rechte leidet, sind Frauen in ländlichen Gebieten nun sicherer vor Anschlägen. Für sie bestand in den patriarchalen Strukturen auch vor der Taliban-Übernahme keine mit dem Westen vergleichbare Gleichstellung.

Kontrollieren die Taliban ganz Afghanistan?

Ja, weitgehend. Nach der Übernahme der Regierung in Kabul konnten die Taliban ihre Kontrolle auf das gesamte Staatsgebiet ausweiten. Die Sicherheitslage ist seither eher stabil.

Seit Oktober 2025 steht Kabul jedoch im Konflikt mit dem Nachbarland Pakistan. Islamabad wirft den Taliban vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul bestreitet das. Immer wieder kommt es zu gegenseitigen Angriffen, die sich meist auf das bergige Grenzgebiet beschränken. Pakistan flog jedoch auch mehrfach Luftangriffe auf die Städte Kabul und Kandahar im Inneren des Landes. Die Vereinten Nationen dokumentierten seit Oktober letzten Jahres 499 getötete afghanische Zivilisten nach pakistanischen Angriffen.

Wie stabil ist die Regierung der Taliban?

Es scheint interne Konflikte bei den Taliban zu geben. So wird die Fraktion in Kabul als eher pragmatisch angesehen. Diese strebe etwa nach ökonomischer Stabilität, einer Öffnung des Landes nach außen und einem verbesserten Zugang zu Bildung für Mädchen und Frauen, schreibt die britische BBC. Demgegenüber stehen die Loyalisten um den Taliban-Führer Haibatullah Achundsada im spirituellen Zentrum der Bewegung, der südafghanischen Stadt Kandahar. Diese Hardliner-Fraktion soll laut BBC auch hinter einer kurzzeitigen Abschaltung des Internets im vergangenen Jahr stecken.

Ferner häuften sich zuletzt Berichte über Kämpfe der Taliban mit Oppositionsgruppen im Norden des Landes. Diese sind schwer zu überprüfen, da aus der Region nicht frei berichtet werden kann. Somit lässt sich bislang auch nicht abschätzen, ob sich nach fünf Jahren ernst zu nehmender Widerstand gegen die Taliban-Herrschaft regt.

Quelle: ntv.de, Mathis Richtmann, dpa

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