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Startseite»Politik»250 Jahre Unabhängigkeit der USA: Meine Freiheit, deine Freiheit
Politik

250 Jahre Unabhängigkeit der USA: Meine Freiheit, deine Freiheit

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 28, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Weltspiegel

Stand: 28.06.2026 • 11:17 Uhr

Freiheit steht im Zentrum der Feiern zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA. Doch verstehen die Menschen auf dem Land darunter dasselbe wie Bürger in den Städten? Und was bedeutet das für indigene US-Amerikaner?

Sarah Schmidt

Die Sporen sind verstaubt, mit Lederbändern zurrt der Reiter seine Cowboystiefel oberhalb der Knöchel fest. Rancher Beni Paulson treibt währenddessen die Bullen in Richtung der kleinen Arena auf seiner Ranch im US-Bundesstaat North Dakota.

Der ehemalige professionelle Bull Rider trainiert Jungbullen und Rodeo-Reiter wie den 17-jährigen Liam Jackson. Der landet nach etwa vier Sekunden im Staub, nur knapp verfehlen die Hufe seinen Rücken.

Knochenbrüche und Kopfverletzungen bis hin zu Hirnschäden zählen zu den häufigsten Verletzungen der Bullenreiter. Trotzdem: Es sei ein großartiges Leben, sagt Rancher Paulson. Die Gefahr schweiße zusammen. Ohne die Wettbewerbe, die Kameradschaft gebe es für manche der Bullenreiter nichts, wofür es sich zu leben lohne.

Reiten zählt zu den weniger gefährlichen Tätigkeiten von Rancher Beni Paulson. Beim Bullen-Rodeo kann es dagegen schon mal schmerzhaft zugehen.

„Wilder Westen“ – mehr als ein Klischee

Der große, sportliche Mann ist gerade Vater geworden. Die Traditionen, mit denen er aufgewachsen ist, will er an seinen Sohn weitergeben. Bullen reitet er nicht mehr. Jetzt konzentriert er sich ganz auf Ranch und Country-Band.

Hunderte Rinder grasen auf seinem Land. Um einen Teil der Herde zu erreichen, geht es mit dem Geländewagen querfeldein. Es dauert, bis die Tiere am Horizont auftauchen. Der Bundesstaat North Dakota ist berühmt für seine weite Prärie und ein wichtiger Teil in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Auf ihrem Weg zur Eroberung des Westens überwinterte hier im 19. Jahrhundert die erste Überlandexpedition. Auch Beni Paulsons Vorfahren kamen aus Europa in die USA – in seinem Fall aus Deutschland und Norwegen, erzählt er. Dass sie Ereignisse wie die Weltwirtschaftskrise vor knapp einem Jahrhundert oder große Dürren überstanden haben und er jetzt ihr Erbe weiterträgt, mache ihn stolz.

Als Rancher fühlt Beni Paulson sich mit dem Erbe seiner Vorfahren verbunden und dem Wissen, große Krisen überstanden zu haben.

Weit weg vom Leben der Metropolen

Noch heute kann das Leben hier hart sein, besonders im Winter. Wer die Ranch erreichen will, fährt kilometerweit über Schotterstraßen. Dieses Leben ist mit dem in den Metropolen an den Küsten der Vereinigten Staaten nicht zu vergleichen.

Beni Paulson unterstützt die Republikaner und Donald Trump. Die Demokratische Partei könne er nicht wählen. Er ist mit ihrer Agrarpolitik nicht einverstanden. Diskussionen über Rodeo-Verbote in Kalifornien empfindet er als Angriff auf seine Traditionen, seinen „way of life“. Freiheit, das Motto zu 250 Jahre USA, ist für ihn das, was die Vereinigten Staaten bis heute ausmacht.

Sollen Rodeos verboten werden? Unter anderem in Los Angeles wird darüber derzeit erhitzt debattiert.

Ein Trauma, das anhält

Wenn Cory Spotted Bear an Freiheit denkt, dann ist das für ihn ein Blick in die Vergangenheit. Er denkt an das Leben seiner Ahnen, die hier lebten, lange bevor die weißen Siedler kamen. Daran, wie es war, bevor sie gezwungen wurden, sich zu assimilieren, ihre Kultur aufzugeben.

Ohne Corys Vorfahren vom Tribe der Mandan hätten die Teilnehmer der ersten Überlandexpedition den harten Winter North Dakotas möglicherweise nicht überlebt. US-Präsident Thomas Jefferson, einer der Gründerväter, hatte die so genannte Lewis-und-Clark-Expedition losgeschickt, um einen Weg zum Pazifik zu erkunden.

Mit den Siedlern kamen die Pocken. Eine Pandemie löschte die Mandan fast vollständig aus. Von tausenden Menschen überlebten weniger als 150.

Die Vorfahren von Cory Spotted Bear lebten lange vor den ersten weißen Siedlern auf dem Gebiet der USA. Für ihn sind 250 Jahre nur ein kleiner Ausschnitt.

Ein Trauma, das anhält

Lebensgrundlage für Native Americans wie Corys Vorfahren war auch die Bisonjagd. Krankheiten und intensive Jagd reduzierten die Bisonherden. Um den Stämmen die Lebensgrundlage zu entziehen, jagten sogar Truppen der US-Armee die Tiere. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden sie nahezu ausgerottet.

Heute lebt Cory Spotted Bear mit seiner Familie auf (in?) einem Reservat. Frei fühlt er sich nicht. Zäune, Landbesitz – das habe mit den Traditionen der Native Americans nichts zu tun. Sie wurden gezwungen, sich anzupassen, indem ihnen zum Beispiel Zeremonien und Tänze verboten wurden.

Ein „historisches Trauma“, nennt Cory Spotted Bear das. Er wuchs bei seiner Großmutter auf. Seine Eltern seien beide Alkoholiker gewesen – keine Einzelfälle, erzählt er, während er einen Bisonbullen betrachtet, der gemächlich an ihm vorbeistapft.

Er will die Kultur seiner Vorfahren erhalten. Aber das mache das Leben schwerer. „Wir müssen 200 Prozent geben. Wir haben unsere Lebensweise und die moderne Welt und wollen in beiden das Beste geben.“

Die eigenen Traditionen bewahren, sie mit neuem Sinn erfüllen, diesem Ziel dienen auch die Tänze beim traditionellen Powwow in der Fort Berthold Indian Reservation in North Dakota.

250 Jahre – nur ein Ausschnitt

Er wird die 250-jährige Unabhängigkeit der USA nicht feiern, freue sich aber mit allen, die das tun. Als Native American fühlt er sich nicht einbezogen, hat nicht das Gefühl, dazuzugehören. „Das ist nicht schlimm. So sind die Verhältnisse einfach. So war es schon immer“, sagt er. Zumal seine Geschichte viel weiter zurückreiche als nur 250 Jahre.

Eins macht ihn glücklich: Als Mitglied verschiedener Gremien hat er mit dafür gesorgt, dass auf dem Reservat wieder wilde Bisons angesiedelt werden konnten. „Es bedeutet uns alles, die Bisons zurückzuhaben. Es fühlt sich an, als sei etwas wiederhergestellt, das gefehlt hat.“

Diese und weitere Reportagen sehen Sie im Weltspiegel – am Sonntag um 18.30 Uhr im Ersten.

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Dr. Heinrich Krämer
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