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Startseite»Politik»35-Milliarden-Kredit für Anthropic weckt Fantasie der Anleger
Politik

35-Milliarden-Kredit für Anthropic weckt Fantasie der Anleger

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 9, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 09.06.2026 • 13:55 Uhr

Der Kapitalhunger der KI-Branche scheint grenzenlos. Während nun auch OpenAI an die Börse will, soll Anthropic einen historischen Kredit bekommen. Wofür wird das ganze Geld gebraucht?

Detlev Landmesser

Gerade wurde bekannt, dass neben Anthropic auch der ChatGPT-Entwickler OpenAI an die Börse strebt. Außerdem wurde ein neuer Megakredit für Anthropic gemeldet: Wie die Financial Times berichtet, stemmen die US-Finanzinvestoren Apollo und Blackstone einen Kredit über 35 Milliarden Dollar für den KI-Entwickler, der damit Chips von der Alphabet-Tochter Google kaufen will.

Die intern als „Big Sky“ benannte Transaktion ist eine der größten privaten Kreditgewährungen aller Zeiten. Kredite dieser Größenordnung brauchen eine komplexe Architektur, um die Ausfallrisiken zu verteilen. In diesem Fall sieht das Konstrukt drei Tranchen vor, die unterschiedlich besichert sind. Eine Zweckgesellschaft von Apollo kauft die Chips und verleast sie an Anthropic weiter, was eine weitere Sicherung darstellt.

Der Kapitalhunger der KI-Branche ist also gewaltig. Wie viel Eigenkapital Anthropic und OpenAI an der Börse aufnehmen wollen, ist noch nicht bekannt, aber Beobachter schätzen den Gesamtbetrag auf über 100 Milliarden Dollar.

Warum brauchen Anthropic & Co so viel Geld?

Wofür brauchen die KI-Unternehmen so viel Kapital? Der „Big Sky“-Deal zeigt, dass die hochspezialisierten KI-Chips, die aus Grafikchips hervorgingen und massenhafte Rechenoperationen gleichzeitig ausführen können, sehr teuer sind. Die Entwickler brauchen diese Rechenleistung um ihre KI-Modelle zu betreiben.

Die KI-Entwicklung verschlingt zudem Milliarden für Serverfarmen und Rechenzentren. Diese wiederum verbrauchen enorm viel Energie, dazu kommen die Kosten für die Kühlung dieser Hardware. Zudem müssen die KI-Entwickler ungeheure Datenmengen beschaffen, um ihre Modelle damit zu füttern und zu trainieren. Und schließlich brauchen sie für diese Aufgaben hochspezialisiertes Personal, das entsprechend hohe Gehälter verlangen kann.

Und womit verdienen sie Geld?

Es ist also ziemlich teuer, Künstliche Intelligenz zu betreiben und zu trainieren. Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen die Anbieter ihre Modelle aber stetig weiterentwickeln.

Die KI und ihre Leistungen können dann vermietet werden, etwa über Abo-Modelle für Endverbraucher (wie etwa ChatGPT Plus von OpenAI) oder Unternehmen (wie etwa Claude Enterprise von Anthropic). Das zweite wichtige Geschäftsfeld sind Entwickler-Schnittstellen. Diese erlauben es externen Software-Entwicklern, die KI-Modelle in eigene Apps, Websites oder Produkte einzubauen – gegen entsprechend üppige Entgelte.

Fantasie für Ausrüster hält an

An der Börse sorgt der hohe Kapitalbedarf der Branche für Fantasie besonders bei den Ausrüstern. Dabei gelten Speicher-Infrastrukturen als der größte Engpass in der Wertschöpfungskette. Neben Chipherstellern profitieren davon schon länger Speicherhersteller, neuerdings aber auch Netzwerkanbieter.

Unter Druck bleiben dagegen Software-Werte wegen der Sorge, dass KI ihre Geschäftsmodelle gefährden könnte. SAP zum Beispiel büßen heute mehr als 1,5 Prozent ein.

„Aktuell spricht vieles dafür, dass die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung weiterhin unterschätzt wird“, kommentierte Hagen Ernst vom Vermögensverwalter DJE Kapital. Dabei sei vor allem die Nachfrage nach KI-Rechenkapazitäten und die Monetarisierung von KI-Anwendungen entscheidend. Solange die verfügbaren Kapazitäten nicht ausreichten, geht er von einem anhaltenden Trend aus – mit den größten Engpässen bei Speicherchips und Stromkapazitäten.

DAX erholt

Insgesamt hilft die neu entfachte Fantasie auch dem DAX wieder nach oben, der zuletzt unter den Gewinnmitnahmen an der Nasdaq gelitten hatte. Bis zum frühen Nachmittag erholt sich der deutsche Leitindex um 0,6 Prozent.

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