Euphorie vor Ungarns Parlament: Zehntausende jubelten begeistert ihrem neuen Ministerpräsidenten Magyar zu. Viele von ihnen setzen große Hoffnung in Orbans proeuropäischen Nachfolger – doch auf ihn warten einige Baustellen.
Ungarn ist in Aufbruchstimmung: Zehntausende Menschen sind auf den Kossuth-Platz vor dem ungarischen Parlament gekommen, um die Vereidigung des neuen Ministerpräsidenten Peter Magyar mitzuerleben.
Darunter auch der Deutsche Matthias Helb. Er schwenkt die Ungarn-Fahne, darauf steht Frankfurt. Seine Frau und ihr Sohn seien aus Ungarn: „Nach diesem wahnsinnigen Wahlerfolg und diesem Regimewechsel ist es eine Pflicht, ähnlich wie damals beim Mauerfall, mal persönlich dabei zu sein und mitzufeiern.“ Und damit auch den neuen Ministerpräsidenten zu feiern.
Europafahne am Parlamentsgebäude gehisst
Als erste Amtshandlung setzt der proeuropäische Magyar ein klares Zeichen: Die Europafahne wird am ungarischen Parlamentsgebäude gehisst – wo sie Orban vor mehreren Jahren abgenommen hatte.
Doch der Höhepunkt ist am Nachmittag – die Wahl zum Ministerpräsidenten. 140 von 199 Abgeordneten stimmen für Magyar, der offiziell vereidigt wird. Nach dem Eid nutzt Magyar seine Rede, um mit Orbáns Regierung abzurechnen:
Was illegal gestohlen wurde, werden wir nun mit legalen Mitteln zurückholen. Was sie verborgen haben, werden wir ans Licht bringen. Diejenigen, die dafür verantwortlich sind, werden jetzt zur Rechenschaft gezogen.
Hoffnung auf Annäherung an die EU und NATO
Dann tritt der Ministerpräsident vor das Parlament, vor Zehntausende Ungarinnen und Ungarn. Sein zentrales Versprechen: „Herzlich willkommen im freien, demokratischen Ungarn.“
Die Menge ist begeistert, wie ein Stimmenfang zeigt. Eine Person sagt: „Ich hoffe, wieder stolz sagen zu können: Ich komme aus Ungarn. Und keine Nachfragen zu bekommen über die Situation, sondern sagen zu können: Ok, wir machen mit bei NATO, Europa – wir treten nicht aus den objektiv guten Sachen aus.“
Eine andere sagt: „Einer meiner schönsten Tage – diese neue Möglichkeit ist sehr gut für uns. Wir hoffen es so sehr.“ Und eine weitere hofft: „Ich persönlich erwarte, dass die Zersplitterung zwischen den Menschen endet, und ich hoffe, dass die Menschen miteinander friedlicher und geduldiger werden.“
Viele Baustellen für neuen Regierungschef
Die Hoffnung der Ungarn liegt jetzt auf Magyar und seiner konservativen, proeuropäischen Tisza-Regierung. Der neue Ministerpräsident will der europäischen Staatsanwaltschaft beitreten, den Euro einführen und mit der Korruption aufräumen.
16 Ministerinnen und Minister sollen den illiberalen Umbau des Staats unter Orban zurückdrehen. Viele Baustellen liegen vor Magyar – aber jetzt wird erst einmal gefeiert.

