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Startseite»Bildung»Wer kann auf’s Gymnasium gehen? | Bildung
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Wer kann auf’s Gymnasium gehen? | Bildung

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerApril 29, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Das Bildungswesen in Deutschland ist föderal organisiert. Daher gibt es heute in vielen Bundesländern auch andere Schulformen, die zum Abitur führen. Dennoch hat das Gymnasium nach wie vor eine herausgehobene Stellung in der deutschen Bildungslandschaft. Wer es auf ein Gymnasium schafft, hat oft bessere Voraussetzungen für einen akademischen Bildungsweg – etwa durch stärker studienorientierte Lehrpläne und ein höheres fachliches Anspruchsniveau oder auch die soziale Zusammensetzung der Schülerinnen- und Schülerschaft, die den Bildungserfolg zusätzlich begünstigen kann. In der Bildungsforschung gilt die Frage, wie sehr der Gymnasialbesuch vom Elternhaus abhängt, daher nach wie vor als ein zentraler Maßstab zur Bewertung von Chancen(un)gleichheit im Schulsystem.

Auf Grundlage von Daten des Mikrozensus – einer für die deutsche Wohnbevölkerung repräsentativen Haushaltsbefragung – aus den Jahren 2018/2019, die vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung ausgewertet wurden, weist die Grafik aus, wie stark sich der soziale Hintergrund von Schülerinnen und Schülern in den einzelnen Bundesländern auf die Chance eines Gymnasialbesuchs auswirkt. Konkret wird hier die Gymnasialbeteiligung zweier sozialer Gruppen miteinander verglichen: jene von Kindern aus Familien mit Abitur oder hohem Einkommen im Vergleich zu jener von Kindern aus Familien ohne Abitur oder mit niedrigem Einkommen. Je größer der Unterschied zwischen beiden Gruppen ausfällt, desto sozial ungleicher ist der Zugang zum Gymnasium.

Festzuhalten ist zunächst, dass die Ungleichheit der Bildungschancen ausnahmslos in allen Bundesländern stark ausgeprägt ist: Während im deutschlandweiten Durchschnitt rund 60 Prozent der Kinder aus Familien mit Abitur oder hohem Einkommen ein Gymnasium besuchen, liegt der Anteil unter den Kindern aus Familien ohne Abitur oder mit niedrigem Einkommen mit etwa 30 Prozent nur halb so hoch. In einigen Bundesländern fällt der Unterschied aber noch deutlich größer aus. Am stärksten ist das Gefälle zwischen den Vergleichsgruppen mit 40,1 Prozentpunkten in Sachsen (66,9 gegenüber 26,8 Prozent), gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 38,1 (67,1 gegenüber 29,1 Prozent) und Hessen mit einem Unterschied von 36,8 Prozentpunkten. Demgegenüber zeigen sich die bundesweit geringsten sozialen Unterschiede der Gymnasialbeteiligung in Mecklenburg-Vorpommern mit 26,4 Prozentpunkten Differenz, wo 52,9 Prozent der Kinder aus Familien mit Abitur oder hohem Einkommen und 26,5 Prozent der Kinder aus Familien ohne Abitur oder mit niedrigem Einkommen ein Gymnasium besuchen. Es folgen Rheinland-Pfalz und das Saarland mit 28,4 (59,4 gegenüber 31 Prozent) beziehungsweise 29,3 Prozentpunkten (59,5 versus 30,2 Prozent) Differenz zwischen den beiden Gruppen.

Jenseits dieser Differenzen ist aber auch das absolute Niveau der Gymnasialbeteiligung interessant: So hat die Gruppe der Schülerinnen und Schüler aus Familien ohne Abitur und mit niedrigerem Einkommen in Berlin im Bundesländervergleich die höchste Chance ein Gymnasium zu besuchen (37,1 Prozent), während sie in Bayern am niedrigsten ausfällt (20,1 Prozent). Mit Ausnahme von Bremen fällt hier allerdings auch die Gymnasialchance der Kinder von Eltern mit Abitur oder hohem Einkommen im Bundesvergleich am niedrigsten aus (52,7 Prozent).

Selbst wenn das Abitur heute in den meisten Bundesländern auch an anderen, etwa integrierten oder auch berufsbildenden Schulformen außerhalb des Gymnasiums erworben werden kann und auch der Zugang zum Gymnasium über die Jahrzehnte sozial durchlässiger geworden ist, zeigen die präsentierten Daten klar: Die soziale Herkunft hat weiterhin einen ganz erheblichen Einfluss auf die Bildungs- und Studienchancen von Schülerinnen und Schülern.

Insofern ist es nach wie vor Aufgabe der Bildungspolitik, die Bemühungen um mehr Chancengleichheit fortzusetzen (siehe auch:Interner Link: „Strategien für mehr Chancengleichheit – ein Blick in die Geschichte“), etwa durch eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung von (Grund-)Schulen in sozial benachteiligten Lagen. Auch die Förderung von Durchlässigkeit zwischen den Schulformen bleibt ein zentrales Anliegen, damit auch im weiteren Bildungsverlauf ein Wechsel auf das Gymnasium möglich ist.

Zum Weiterlesen siehe auch Interner Link: „Ansätze zur Verminderung von Bildungsungleichheiten“.

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Dr. Heinrich Krämer
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