Chaos-Wochen in MadridReal-Boss verstört mit nächstem bizarren Auftritt
Real Madrid mag in dieser Saison keinen Titel gewonnen haben, doch die Bewerbung für den chaotischsten Superklub der Welt ist beeindruckend. Präsident Pérez präsentiert diese auf einer bizarren Pressekonferenz, seither prasselt es auf die Königlichen ein. Auch Liga-Boss Tebas meldet sich.
Für die einen war es Donald Trump auf Spanisch, andere fühlten sich an die legendäre „Menschenrechte“-PK von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge beim FC Bayern erinnert. In 64 bizarren Minuten voller Attacken und Tiraden gegen die „Feinde von Real Madrid“ hat der 79-jährige Präsident Florentino Pérez das ganze Chaos bei den Königlichen offengelegt – und den größten Fußballklub der Welt in seinen Grundfesten erschüttert.
„Sie werden mich schon erschießen müssen, um mich hier rauszukriegen“, polterte der Real-Boss am Dienstagabend, als er inmitten der größten sportlichen Krise seit Jahren überraschend Neuwahlen ausrief. Die Zeitung „El País“ schrieb, Pérez habe „einen Striptease seiner Arroganz, seines Größenwahns und seines Machismo“ aufgeführt. „El Mundo“ kommentierte nach einem Auftritt für die „Liebhaber der Komik“, der Patron habe „seine Maske fallenlassen“.
Pérez sprach von einer „Schmutzkampagne“ gegen seine Person und Real, von einer „Verschwörung“ der Medien. Er knöpfte sich einzelne Reporter im Saal vor, sprach einer Journalistin aufgrund ihres Geschlechts die Fachkompetenz ab, vergriff sich gegenüber einer anderen („das Mädchen“) im Ton, spielte die Schlägerei der Profis Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni herunter und, klar, attackierte seinen Lieblingsfeind, den Erzrivalen FC Barcelona.
Nächster spektakulärer Auftritt von Pérez
Der spanische Meister gab eiligst eine Mitteilung heraus, wonach er sich rechtliche Schritte vorbehalte. Pérez hatte mit Bezug auf den „Fall Negreira“ um die mögliche Beeinflussung von Schiedsrichtern durch Barcelona („Der größte Korruptionsskandal in der Geschichte des Fußballs“) behauptet, Real seien sieben Meisterschaften gestohlen worden.
In einem kaum weniger spektakulären Auftritt in der viel gesehenen Sendung El Chiringuito des spanischen TV-Kanals La Sexta wiederholte er am Mittwochabend seine Vorwürfe. Auf den offenen, versöhnlichen Brief seines möglichen Gegenkandidaten, des milliardenschweren Unternehmers Enrique Riquelme, reagierte der 79-Jährige herablassend: „Ich kenne diesen Herrn nicht.“ Liga-Boss Javier Tebas kommentierte am heutigen Donnerstagmorgen bei X, Pérez habe „seinen wahren Charakter, sein wahres Wesen offenbart“. Pérez‘ Vorwurf der Tatenlosigkeit im „Fall Negreira“ gegenüber der Liga sei eine Lüge.
Kommt jetzt wirklich Mourinho?
All diese Auseinandersetzungen spielen sich vor dem Hintergrund einer Saison ohne Titel ab, in der nach Xabi Alonso mit Álvaro Arbeloa der nächste Real-Trainer vor dem Aus steht. Pérez, heißt es, wolle Starcoach José Mourinho von Benfica Lissabon zurückholen. Am Dienstag wich er Fragen dazu aus, am Mittwoch meinte er, eine Rückkehr stehe aktuell „nicht zur Debatte“. Dieses nur vermeintliche Dementi würzte er mit der Aussage, er möge nicht nur „Mou“, sondern „alle Trainer“, aber er stelle den Coach bei Real ja nicht ein.
Zeitgleich wies Tennisidol Rafael Nadal Berichte zurück, die ihn mit der möglichen Riquelme-Kandidatur in Verbindung bringen. Der 37 Jahre alte Geschäftsmann, Mitgliedsnummer 43.858, stellte derweil klar, dass er „sämtliche“ Voraussetzungen für den Wahlkampf erfülle. Dazu zählt eine Garantie über 15 Prozent des Klubumsatzes – 187 Millionen Euro. Ein Klacks für den „Sonnenkönig“, wie Riquelme in Anspielung auf sein Unternehmen genannt wird, das im Bereich erneuerbare Energien weltweit führend ist. Aber was heißt das schon? Schließlich ist „Papa Pérez“ der „beste Präsident in der Geschichte von Real Madrid“ – sagte: Pérez.
