„Ein bisschen mehr Leichtigkeit“Sarah Engels setzt zum ESC-Sprung an

Am Samstag könnte sie es allen Zweiflern beweisen: Dann will Sarah Engels im Finale des Eurovision Song Contests auf jeden Fall ihr Bestes geben. Kurz zuvor spricht sie mit ntv.de über ihren Auftritt, ihre Favoriten und darüber, was sie sich von Deutschland wünscht.
ntv.de: Jetzt hast du bereits eine Woche ESC-Wahnsinn hinter dir. Wie war es bisher?
Sarah Engels: Es fühlt sich an, als würden die Tage im Flug vergehen. Man hat irgendwie nie wirklich viel Zeit. Die Tage sind sehr lang und vergehen unglaublich schnell. Aber es macht auf jeden Fall Spaß. Und ich freue mich jetzt riesig aufs Finale!
Ist es so, wie du es dir vorgestellt hast?
Nein, das konnte ich mir so gar nicht vorstellen. Alle haben mir zwar immer gesagt, dass es eine einmalige Erfahrung wird und etwas ganz Besonderes ist. Aber wenn man dann hier ist, übertrifft es wirklich noch einmal alle Erwartungen, die man haben konnte.
Es ist ja immer von der ESC-Familie die Rede, in der alle eher Freunde als Konkurrenten und Konkurrentinnen sind. Empfindest du das auch so?
Auf jeden Fall. Das ist absolut so. Mich freut das total, weil es schließlich genau das ist, was der ESC nach außen trägt, und es enttäuschend wäre, wenn es nicht so wäre. Alle sind wirklich superlieb. Niemand fährt die Ellenbogen aus. Alle sind hier miteinander und füreinander und haben einfach nur Spaß.
Inzwischen wissen wir, wie dein Auftritt in Wien aussieht. Am Song „Fire“ wurde im Vergleich zur Ursprungsversion noch ein bisschen geschraubt. Zum Beispiel wurde das Intro verändert. Was war der Gedanke dahinter?
Es gab ja sehr viele Kommentare zu dem Song. Die habe ich mir zu Herzen genommen. Einige haben sich die Akustikversion gewünscht. Daraus wurde die Idee zu einem anderen Intro, in dem noch einmal meine Stimme etwas hervorgehoben und die emotionale Seite stärker gezeigt wird. Denn auch das ist Sarah! Auch den Dance-Break haben wir noch einmal verändert und alles ein bisschen feuriger und knackiger gemacht.
Auf der Bühne geht es in der Tat ziemlich feurig zu. Zudem lässt du dich aus rund zwei Metern Höhe in die Tiefe fallen. Geht dir da nicht die Düse?
Es ist schon jedes Mal ein Risiko. Aber mir gefällt, dass damit die Message noch einmal unterstrichen wird: Meine vier Mädels fangen mich auf und zeigen so die Power, die in ihnen steckt. Ich glaube, wir Frauen werden oftmals unterschätzt. Wir setzen dagegen ein Zeichen: Wir Frauen fangen uns auf, lasst uns zusammenhalten.
Inzwischen kennst du ja sicher auch die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim diesjährigen ESC. Was sind deine Lieblingsbeiträge?
Ich habe tatsächlich ein paar Favoriten. Rein musikalisch und von der Inszenierung her finde ich Griechenland ganz stark. Finnland ist mega. Zypern, Bulgarien und Polen finde ich auch richtig toll – auch da sind es insbesondere die Mädels.
Die Prognosen für deinen Beitrag waren anfangs ja ziemlich schlecht. Nach deinen ersten Auftritten hat sich das ein wenig gedreht. Ist das eine Genugtuung für dich?
Für mich ist klar: Auch wenn man im Leben mal unterschätzt wird, darf man sich nicht von den Zweifeln auffressen lassen, sondern muss weiter sein Ziel verfolgen. Eine Genugtuung und ein großer Erfolg wäre es für mich, wenn ich es schaffen sollte, dass Deutschland ein bisschen mehr Leichtigkeit und Freude an dem Ganzen bekommt. Und wenn zugleich die Ernsthaftigkeit dahinter gesehen würde: Die Künstler und Künstlerinnen, die zum ESC gehen, um dort ihr Land zu vertreten, arbeiten wirklich hart an sich und dem Projekt.
Welches Ziel setzt du dir selbst für Samstag?
Das kann ich so nicht sagen. Ich kann nur sagen, dass ich mein Bestes geben werde. Und je höher es hinausgehen sollte, umso besser und schöner wäre es natürlich. Aber der größte Erfolg wäre für mich wirklich, wenn das auch in Deutschland Anerkennung finden und man sagen würde: Wir stehen hinter unseren Künstlerinnen und Künstlern. Dann ist die Platzierung am Ende auch zweitrangig.
Mit Sarah Engels sprach Volker Probst
