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Politik

Wie Rechte zunehmend in die Kurven deutscher Fußballstadien drängen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 21, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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exklusiv

Stand: 21.05.2026 • 11:16 Uhr

Rechte und rechtsextreme Akteure drängen zunehmend in Fankurven deutscher Fußballstadien. Das zeigen Monitor-Recherchen. Online und auf Veranstaltungen wird wird daran gearbeitet, sich stärker zu vernetzen. Im Fokus: die 3. Liga.

Von Julius Baumeister, Luc Oeppert und Max Ortmann, WDR

Die 3. Fußball-Bundesliga soll laut DFB die „Heimat von Fußballromantikern“ sein – eine Liga, die „perfekt für wahre Fans“ sei. Tatsächlich ist sie zuletzt aber offenbar auch zu einem Ort geworden, an dem rechte und rechtsextreme Akteure um Einfluss ringen. Zudem häufen sich dort offenbar rechtsextreme Vorfälle.

Patrick Arnold koordiniert die Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte in Nordrhein-Westfalen und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fußballfankultur in Deutschland. In den vergangenen Jahren sei ein deutlicher Trend zu beobachten: „In den Kurven gibt es eindeutig einen Rechtsruck“, sagt Arnold, der gemeinsam mit der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball Vorfälle in deutschen Stadien dokumentiert.

„Das können rassistische Gesänge sein, antisemitische oder Schoah-relativierende Graffiti und Schmierereien. Das sind Aufkleber, aber auch versteckte Codes und Symboliken.“, sagt Arnold im Interview mit dem ARD-Magazin Monitor.

Solche und ähnliche Vorfälle gebe es bundesweit, sagt Arnold. Eine Entwicklung, die inzwischen auch Sicherheitsbehörden beschäftigt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz spricht in seinem Bericht 2025 von einer „rechtsextremen Erlebniskultur“, zu der auch der Fußball gehöre. Zudem registriere man „intensivierte Vernetzungsbestrebungen“ mit anderen rechtsextremen Milieus.

Fußball als „rechtsextreme Erlebniskultur“

Stephan Kramer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, äußert sich im Gespräch mit Monitor besorgt. Er warnt davor, „dass mit dem Fußball der Rechtsextremismus noch weiter in die Mitte der Gesellschaft vordringt“.

Dass man den Fußball für politische Zwecke nutzen kann, hat offenbar auch die AfD erkannt. In Cottbus veranstaltete die Partei zuletzt Vorträge in Jugendtreffs, bei denen der neue Vorsitzende der AfD-Jugendorganisation, Jean-Pascal Hohm, über Fußballfankultur sprach.

Wie gezielt die Partei dabei offenbar auch junge Menschen ansprechen möchte, zeigen Aussagen aus dem Umfeld der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“, die Monitor bei einer verdeckt besuchten Veranstaltung dokumentiert hat. Dort rief Hohm im Herbst 2025 junge Rechte dazu auf, Fußballstadien zu besuchen.

„Wenn ihr aus Essen seid, geht zu Rot-Weiss Essen“, sagte Hohm vor dem Parteinachwuchs. In den Kurven gebe es Menschen, „die tendenziell eher so denken wie wir“.

Intensive Vernetzung bei Rot-Weiss Essen

Dass Hohm ausgerechnet Rot-Weiss Essen erwähnt, scheint kein Zufall. Hinweise auf die politische Ausrichtung von Teilen der Fanszene liefern Vorfälle aus den vergangenen Monaten. Nach einem Heimspiel in dieser Saison sangen Teile der Essener Fankurve den in rechtsextremen Kreisen verbreiteten Abschiebesong: „Hey, was geht ab, wir schieben euch alle ab!“

Außerdem zeigen die Recherchen: Zu Auswärtsspielen des Vereins werden Busreisen von Mitgliedern der „Jungen Nationalisten“ organisiert, der Jugendorganisation der rechtsextremen Partei Die Heimat. Auf Anfrage von Monitor bestätigt die Polizei Essen personelle Überschneidungen zwischen der rechtsextremen Partei und Teilen der aktiven Fanszene von Rot-Weiss Essen. Der Verein selbst äußert sich dazu nicht.

Aber der Vorsitzende der Jugendorganisation der AfD, Hohm, stand in der Vergangenheit mehrfach in Verbindung mit der Fanszene und dem Umfeld von Energie Cottbus. Auf Instagram gratulierte er dem Verein zum 60. Geburtstag und sprach von „Liebe zur Heimat, Treue zum Verein“. Das letzte Saisonspiel besuchte er gemeinsam mit AfD-Bundeschef Tino Chrupalla. Auch Energie Cottbus wollte sich dazu auf Monitor-Anfrage nicht äußern.

Zu wenig Geld und Know-how in der 3. Liga

Doch warum gerät ausgerechnet die 3. Liga immer wieder in den Fokus? Laut Patrick Arnold hat das vor allem strukturelle Gründe: Vereine in unteren Ligen verfügten häufig über deutlich weniger finanzielle und personelle Ressourcen als in der 1. und 2. Bundesliga. Zudem fehle es oft an Erfahrung und Strukturen im Umgang mit politischer Einflussnahme. Die Fankurven in der 3. Liga seien „auf jeden Fall anfälliger“, so Arnold. Es sei weniger Know-how vorhanden, wenn es um Prävention, Fanarbeit und den Einfluss politischer Akteure gehe.

Während die 1. und 2. Bundesliga von der Deutschen Fußball Liga (DFL) organisiert werden, ist für die 3. Liga der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zuständig. Auf Anfrage von Monitor teilt der Verband mit, Rechtsextremismus, Rassismus und Diskriminierung hätten keinen Platz im Sport. Konkrete Vorfälle würden durch das Sportgericht untersucht und gegebenenfalls sanktioniert.

Weiter heißt es: „Die operative Ausgestaltung der einzelnen Spiele – einschließlich der Abläufe vor Ort und der Verantwortung gegenüber den Fans – liegt in der Zuständigkeit der jeweiligen Vereine.

Mehr zum Thema heute bei Monitor um 21:45 Uhr im Ersten – und in der Langfassung jetzt schon auf YouTube.

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Dr. Heinrich Krämer
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