„Schauen Sie nicht auf mich“Warsh übernimmt Fed und Trump gibt sich kurz milde
Trump ist am Ziel und hat seinen Wunschkandidaten an der Spitze der Notenbank bekommen. Bei der Amtseinführung ist er bemüht, sich neutral beim Thema Zinsen zu geben. Doch den neuen Währungshüter lässt er durchaus wissen, was er sich wünscht.
Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hat seinen Amtseid als Nachfolger von Jerome Powell geleistet. Der 56-Jährige wurde im Weißen Haus von US-Präsident Donald Trump für eine vierjährige Amtszeit als Zentralbankchef eingeschworen. Er sei für eine unabhängige Fed, sagte Trump. „Schauen Sie nicht auf mich, schauen Sie auf niemanden, machen Sie einfach Ihr eigenes Ding und leisten Sie hervorragende Arbeit“, sagte Trump über seinen früheren Wirtschaftsberater bei der Zeremonie, an der zahlreiche Politiker und Wirtschaftsvertreter teilnahmen, unter anderem die frühere Außenministerin Condoleezza Rice.
Warsh hat sich offen für die Option von Zinssenkungen gezeigt und will gleichzeitig die Bilanz der Federal Reserve massiv verkleinern. Er strebt zudem eine engere Abstimmung mit der Regierung an. Powell ist von Trump immer wieder heftig attackiert worden, weil er die Leitzinsen aus Sicht des Staatschefs zu zögerlich gesenkt hatte.
Einmal mehr machte Trump aber deutlich, dass er Weichenstellungen für einen niedrigeren Leitzins erwarte. „Wie keiner seiner Vorgänger versteht Kevin, dass es eine gute Sache ist, wenn die Wirtschaft boomt“, sagte Trump. Ein starkes Wachstum erleichtere zudem die Rückzahlung der US-Schulden. Die Staatsverschuldung hat unter Trump einen Rekordstand erreicht. Warsh nannte es eine „Ehre“, dass Trump ihn für den Posten an der Fed-Spitze nominiert hatte. „Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, werde ich eine reformorientierte Federal Reserve führen, die aus vergangenen Erfolgen und Fehlern lernt, starre Rahmen und Modelle hinter sich lässt und zugleich klare Standards für Integrität und Leistung wahrt“, kündigte er an.
Der Führungswechsel bei der Fed vollzieht sich in einer Zeit, in der die Währungshüter die Sorge vor steigender Inflation umtreibt. Bei der Sitzung Ende April sprach sich eine wachsende Zahl von Notenbankern dafür aus, die Basis für eine mögliche Zinserhöhung zu schaffen. Eine Mehrheit der Fed-Vertreter erklärte, dass eine Straffung der Geldpolitik erforderlich sein könnte, sollte die Inflation anhaltend über dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent bleiben. Die im Zuge des Iran-Krieges gestiegenen Energiepreise treiben die Teuerung: Die Verbraucherpreise stiegen im April um 3,8 Prozent zum Vorjahresmonat.
Damit ist Warsh gleich zu Beginn seiner Amtszeit an der Spitze der Notenbank mit einem Inflationsschub konfrontiert. Powell leitete Ende April seine letzte Sitzung als Notenbankchef, doch will er als einfacher Direktor weiter im Board bleiben. Er hatte sich als Zentralbankchef mit dem US-Präsidenten überworfen. Der Streit gipfelte in mittlerweile eingestellten Ermittlungen gegen Powell im Zusammenhang mit der Renovierung der US-Notenbankzentrale in Washington.
