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Startseite»Politik»Warnungen der Ukraine: „Gefahr eines Angriffs aus Belarus wächst“
Politik

Warnungen der Ukraine: „Gefahr eines Angriffs aus Belarus wächst“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 3, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 03.06.2026 • 16:46 Uhr

Belarus hat bislang Russlands Krieg gegen die Ukraine vor allem passiv unterstützt. Doch die Ukraine befürchtet, dass Belarus aktiver werden könnte. Der Ton zwischen Kiew und Minsk wird schärfer.

Florian Kellermann

Seit einigen Wochen warnt die ukrainische Staats- und Militärführung immer eindringlicher vor der Gefahr einer neuen Front im Norden, darunter auch Präsident Wolodymyr Selenskyj. Armeechef Oleksander Syrskyj sagte in einem Fernsehinterview: „Unsere Geheimdienste haben festgestellt, dass die Gefahr eines russischen Angriffs aus Belarus wächst.“

Schon beim russischen Großangriff im Februar 2022 spielten das belarusische Staatsgebiet und die mehr als 1.000 Kilometer lange Grenze zur Ukraine eine wichtige Rolle. Auch von dort stießen russische Truppen damals Richtung Kiew vor.

Syrskyj ließ offen, ob er wieder vor einem russischen Angriff warnte – oder ob seiner Einschätzung nach diesmal auch belarusische Soldaten beteiligt sein könnten.

Angriff auf die Militärhilfe?

Analysten sehen ein weiteres Bedrohungsszenario. Russland könnte von belarusischem Staatsgebiet aus die Wege ins Visier nehmen, auf denen die Ukraine Militärhilfe aus dem Westen bekommt.

Es könnte mit Drohnen mittlerer Reichweite von Norden aus etwa die Autobahn M-06 beschießen, die Kiew mit Lwiw und dem ukrainisch-ungarischen Grenzübergang bei Tschop verbindet. Dieses Szenario schildert etwa die US-Denkfabrik Institute for the Studies of War (ISW) in einem Bericht von Ende Mai.

Die belarusische Oppositionsgruppe „Gesellschaft der Eisenbahner von Belarus“ erklärte vor kurzem, sie habe Erkenntnisse über die Stationierung einer „Oreschnik“-Rakete in Belarus. Russland habe sie zu einem ehemaligen Militärflugplatz in Belarus transportiert.

„Oreschnik“ ist eine Mittelstreckenrakete, die Atomsprengköpfe tragen und jeden beliebigen Punkt auf dem europäischen Kontinent treffen könnte.

Einladung mit Symbolwert

Die Ukraine reagiert auf die Gefahr, die sie sieht, mit einer Reihe von Signalen an den belarusischen Machthaber Alexander Lukaschenko. Eines von ihnen: Die belarusische Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja kam vergangene Woche zu einem ersten offiziellen Besuch nach Kiew.

Gegenüber der ARD wies sie dabei auf die anhaltende militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und Belarus hin, etwa die gemeinsamen Atomübungen. „Selenskyj hat gesagt, eine Eskalation kann es jederzeit geben, und ich gebe ihm völlig recht“, sagte Tichanowskaja.

Die Politikerin war 2020 bei der Präsidentschaftswahl gegen den Langzeitherrschaft Alexander Lukaschenko angetreten und hatte mutmaßlich die meisten Stimmen bekommen – entgegen den offiziellen Verlautbarungen. Der mutmaßlichen Wahlfälschung waren Massenproteste für Tichanowskaja gefolgt. Aus Angst vor Repressalien verließ sie dann das Land.

Auch die belarusische Exilpolitikerin Swetlana Tichanowskaja warnte bei ihrem Besuch in Kiew vor einer Mobilmachung ihres Landes.

Ein Regiment mit Belarusen

Selenskyj hatte bis vor kurzem darauf verzichtet, Tichanowskaja offiziell einzuladen, um das Verhältnis zu Lukaschenko nicht noch weiter zu belasten, wie ukrainische Beobachterinnen und Beobachter meinen.

Das Signal, das mit seiner jetzigen Einladung verbunden ist: Die Ukraine hält Tichanowskaja für die eigentlich legitime Präsidentin von Belarus. Sie könnte einen Umsturz im nördlichen Nachbarland unterstützen.

Das wäre auch deshalb möglich, weil in den Reihen der Ukraine bereits oppositionelle Belarusen kämpfen – im „Kalinowskij-Regiment“. Einige Beobachter in Kiew plädieren sogar dafür, die Ukraine sollte aus Vertretern des Regiments eine neue politische Opposition zu Lukaschenko formen.

„Sie könnten mehr Einfluss in Belarus gewinnen als Frau Tichanowskaja“, erklärte die Politologin Ljudmila Pokrowschtschuk im Fernsehsender Kyjiw24. Denn die Soldaten könnten sich den Belarusinnen und Belarusen glaubwürdiger als Gegner von Lukaschenko präsentieren.

Lukaschenko mit Andeutungen

Ein noch deutlicheres Warnsignal an Lukaschenko formulierte der Kommandeur der ukrainischen Drohneneinheiten, Robert Browdi. Die Ukraine habe bereits 500 Ziele in Belarus ausgemacht, die sie im Fall des Falls angreifen würde, schrieb Browdi auf seinem Kanal in einem sozialen Netzwerk.

Lukaschenko reagierte darauf seinerseits mit einer Drohung. „Wir kennen auch ein Ziel in der Ukraine, ein sehr ernsthaftes, mit genauen Koordinaten, gar nicht weit weg von Belarus“, sagte er einem Reporter des russischen Staatsfernsehens. Was er damit meinte, blieb unklar.

Einige Beobachter gehen davon aus, er könnte ein Atomkraftwerk meinen, etwa das in Riwne, das weniger als 80 Kilometer von der belarusisch-ukrainischen Grenze entfernt liegt. Andere Beobachter bezogen die Aussage auf einen möglichen Schlag gegen Präsident Selenskyj persönlich.

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