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Politik

Warum der SpaceX-Börsengang für Anleger riskant ist

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 12, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Analyse

Stand: 12.06.2026 • 07:44 Uhr

Der Börsengang von SpaceX elektrisiert Anleger weltweit. Doch bei einer Bewertung von 1,8 Billionen Dollar muss Elon Musk mehrere Wetten gewinnen, damit die Rechnung aufgeht. Experten warnen vor zu viel Euphorie.

Angela Göpfert

Eine Bewertung von 1,8 Billionen Dollar – und trotzdem kein Mangel an Nachfrage: Der heutige Börsengang von SpaceX ist mehrfach überzeichnet. „Die Anleger fürchten, das nächste große Ding an der Börse zu verpassen“, sagt Stephan Kemper im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Der Chef-Anlagestratege von BNP Paribas Wealth Management hält die hohe Bewertung von SpaceX allerdings für „sehr ambitioniert“.

Wie Elon Musk die SpaceX-Euphorie antreibt

Tatsächlich ist SpaceX eine Wette auf gleich mehrere Zukunftsmärkte: wiederverwendbare Raketen, Satelliteninternet, Künstliche Intelligenz (KI), Rechenzentren im All – und am Ende sogar eine Mars-Mission. Bei einer Bewertung von 1,8 Billionen Dollar ist aber sehr viel davon bereits eingepreist.

„Elon Musk beflügelt die Fantasie der Anleger“, betont Vermögensverwalter Georg von Wallwitz von Eyb & Wallwitz im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Der SpaceX-Gründer sei ein „zweifellos genialer Unternehmer“. Doch an der Börse stellt sich die Frage, ob das jeden Preis rechtfertigt.

Warum SpaceX mehr ist als Raumfahrt

SpaceX, das ist „eine Handvoll Unternehmen, die nicht unbedingt viel miteinander zu tun haben“, betont von Wallwitz. Der Konzern besteht aus drei Geschäftsbereichen mit sehr unterschiedlichen Profilen: Raumfahrt, Satelliteninternet und KI.

Ein Blick in die IPO-Unterlagen zeigt, wie ungleich diese drei Bereiche dastehen. Das Satelliteninternetgeschäft rund um Starlink ist das wirtschaftliche Herzstück von SpaceX, erzielte 2025 rund 60 Prozent der konzernweiten Erlöse. Mit einem operativen Gewinn von rund 4,4 Milliarden Dollar ist sie zugleich die einzig profitable Einheit.

So steht der SpaceX-Konzern wirtschaftlich da
Sparte Umsatz 2025 Anteil am Konzernumsatz Operatives Ergebnis 2025
Space

4,1 Mrd. Dollar

ca. 22 %

-657 Mio. Dollar

Connectivity

11,4 Mrd. Dollar

ca. 60 %

+4,4 Mrd. Dollar

AI

3,2 Mrd. Dollar

ca. 17 %

-6,4 Mrd. Dollar

Starlink finanziert Musks Zukunftswetten

Das klassische Raumfahrtgeschäft steckt dagegen noch in der Verlustzone; die neue KI-Sparte rund um xAI, den Chatbot Grok, die Social-Media-Plattform X und Rechenzentrumsinfrastruktur riss mit einem operativen Verlust von rund 6,4 Milliarden Dollar das größte Loch in die Bilanz.

Starlink verdient also derzeit das Geld, mit dem SpaceX sein Raketengeschäft weiterentwickelt und vor allem Musks teure KI-Offensive finanziert. Unterm Strich schrieb der SpaceX-Konzern im vergangenen Jahr einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar – bei Umsätzen von 18,7 Milliarden Dollar.

SpaceX: extrem hohe Bewertung

Setzt man das ins Verhältnis zur angestrebten Marktkapitalisierung von rund 1,765 Billionen Dollar, würde die Börse SpaceX mit mehr als dem 94-Fachen des Jahresumsatzes bewerten – ein außergewöhnlich hoher Wert.

Zum Vergleich: Beim technologielastigen Nasdaq 100 liegt das durchschnittliche Kurs-Umsatz-Verhältnis bei knapp sieben. Nvidia als einer der größten KI-Profiteure wird mit dem gut 18-Fachen des Jahresumsatzes bewertet.

Wie teuer SpaceX im Vergleich ist (Stand: 11.6.26)
Unternehmen/Index Kurs-Umsatz-Verhältnis (gerundet)
SpaceX (IPO-Zielbewertung)

94

S&P 500

4

Nasdaq 100

7

Apple

10

Alphabet

10

Amazon

3

Meta

7

Microsoft

9

Nvidia

18

Rechenzentren im All – Musks KI-Wette

Um die hohe Bewertung zu rechtfertigen, müsste SpaceX gleich mehrere ambitionierte Zukunftswetten einlösen – darunter auch die Vision von Elon Musk, Rechenzentren ins All zu verlegen.

Digitalexperte Robert Fiege sieht hier durchaus Potenzial: „Dort ließe sich sehr günstig Strom produzieren, Kühlung hat man im All auch umsonst.“ SpaceX würde damit eine Lösung für eines der größten Probleme des KI-Booms anbieten: den enormen Energiehunger der Künstlichen Intelligenz.

Warnzeichen wie zur Dotcom-Zeit

Andere Experten sehen jedoch eher die Risiken. So warnt etwa Ludovic Phalippou von der britischen Universität Oxford, dass SpaceX den größten Wachstumsschub bereits hinter sich habe. Tatsächlich ist der Konzern in den vergangenen Jahren um mehr als 2.000 Prozent gewachsen – davon können Anleger nun nicht mehr profitieren.

Gleichzeitig gibt BNP-Paribas-Experte Kemper zu bedenken: „Eine unprofitable Firma mit der Hoffnung auf zukünftige stark steigende Gewinne stemmt einen Rekordbörsengang – das weckt natürlich Erinnerungen an die Technologieblase Ende der 1990er.“

Experten warnen vor „Goldgräberstimmung“

Auch Vermögensverwalter von Wallwitz sieht hier Parallelen: „Diese Goldgräberstimmung, diese Euphorie, die ist doch sehr ähnlich – und gibt erfahrenen Investoren Anlass, etwas vorsichtiger zu sein.“ Große Börsengänge kurz bevor die Kurse nach unten rauschen – das habe man häufiger beobachten können.

So etwa 1999, als Goldman Sachs kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase an die Börse ging – oder vor dem Platzen der Immobilienblase in den USA, als viele große Private-Equity-Firmen ihr Börsendebüt gaben. „Also das kann einen schon misstrauisch machen“, so von Wallwitz.

Niedriger Streubesitz als Risiko

Anleger sollten zudem nicht vergessen, dass nur ein kleiner Teil von SpaceX überhaupt an die Börse kommt. SpaceX will zwar das Rekordvolumen von rund 75 Milliarden Dollar einsammeln – damit sind gemessen an der Gesamtbewertung aber weniger als fünf Prozent des Unternehmens frei handelbar.

Das kann den Kurs anfangs nach oben treiben: Wenn viele Anleger kaufen wollen, aber nur wenige Aktien verfügbar sind. Später könnte sich der Effekt aber drehen, denn SpaceX räumt seinen Altaktionären die Möglichkeit ein, ihre Aktien viel schneller zu verkaufen als nach der üblichen Ein-Jahres-Frist.

„Die aktuellen Eigentümer dürften bereits in den nächsten sechs Monaten einen Großteil ihrer Anteile verkaufen“, warnt Anlagestratege Kemper. „Das könnte zu einem anhaltenden Druck auf der Aktie führen – und es ihr schwer machen, zur Kursrakete zu werden.“

Nur ein kurzer SpaceX-Hype?

Auch Vermögensverwalter von Wallwitz ist skeptisch, was die weiteren Aktien-Perspektiven betrifft: „Wahrscheinlich kann man bei dem IPO einen schnellen Dollar machen, der Hype ist schon groß. Aber langfristig dürften die Renditen überschaubar bleiben.“

Unterm Strich kaufen Anleger bei SpaceX eines der faszinierendsten Unternehmen der Welt – aber zu einem Preis, der schon sehr viel Erfolg vorwegnimmt. Und genau darin liegt das Risiko: SpaceX muss noch nicht einmal scheitern, damit Anleger enttäuscht werden. Es reicht, wenn die Zukunft weniger perfekt ausfällt, als die Bewertung von 1,8 Billionen Dollar unterstellt.

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