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Startseite»Nachrichten»WM am Limit: Trump und Infantino stürzen die Fußball-Welt in kollektive Fassungslosigkeit
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WM am Limit: Trump und Infantino stürzen die Fußball-Welt in kollektive Fassungslosigkeit

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 6, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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06.07.2026 | 14:12 Uhr

Lange ist es ruhig um Donald Trump und die Fußball-WM: Jetzt drückt der US-Präsident der WM doch seinen Stempel auf und bringt den Fußball nahe an den Abgrund.

Trump aus der Kiste: Wochenlang ist von Donald Trump rund um die Fußball-WM eigentlich kaum bis nichts zu sehen und hören. Nicht einmal am Unabhängigkeitstag, dem großen US-Feiertag, gönnt er sich einen Stadion-Auftritt. Bislang schickte er Minister aus der zweiten Reihe vor. Er hatte bislang anderes zu tun, schien es. Es war aber eine Frage der Zeit, bis der Trump-Moment dieser Weltmeisterschaft kommt. Spätestens im Finale. Jetzt kracht er schon früher mit richtig Getöse in die WM-Welt und löst mal wieder einen wilden FIFA-Fiebertraum aus.

Trump und Fußball, Trump und die FIFA, das hat immer Potenzial für große Bilder und Schlagzeilen. Bei der Klub-WM im vergangenen Sommer drängte sich der US-Präsident bei der Siegesparty ins Bild mit dem jubelnden FC Chelsea. Das Scheinwerferlicht wollte er so schnell nicht räumen. Trump blieb im Konfettiregen einfach stehen. Die Bilder gingen um die Welt.

Bei der großen FIFA-Show und Auslosung im vergangenen Winter geriet alles zur großen Infantino- und Trump-Show. Es war eine bizarre Anbiederung. Unvergessen, die Verleihung des extra ausgerufenen FIFA-Friedenspreises, um die wohl vermeintliche Schmach des entgangenen Friedensnobelpreises auszugleichen. Auch das ging munter kommentiert um die Welt. Vielerorts verbunden mit Kopfschütteln.

Einmischung von ganz oben?

Jetzt also das nächste Kapitel. Am Sonntagabend deutscher Zeit, am frühen Mittag in den USA platzte die Nachricht: Die FIFA wandelt die Rot-Sperre des US-Mittelstürmers Folarin Balogun in eine Bewährung um. Im Achtelfinale gegen Belgien ist er plötzlich doch spielberechtigt. Es ist keine Kleinigkeit: Er ist einer der wichtigsten Spieler im US-Team.

Trump jubelte kurz darauf via Truth Social und bedankte sich persönlich bei der FIFA „dafür, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rückgängig gemacht hat!“ Zuvor hatte schon US-Außenminister Marco Rubio gegen die Rot-Entscheidung ausgeteilt. „Sie sind beschissen behandelt worden“, sagte er im Presseraum des Weißen Hauses in Washington.

Balogun war im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina vom Platz gestellt worden (64.), nachdem er Tarik Muharemovic unbeabsichtigt und unglücklich auf das Sprunggelenk gestiegen war. All das nach Eingreifen des Video Assistant Referee (VAR). Danach erhielt er eine Sperre von einem Spiel. Gemäß Artikel 27 des Disziplinarkatalogs der FIFA kann eine Strafe allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden.

Klopp wütet: „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel“

Davon profitierte auch schon Cristiano Ronaldo. Nach einer Roten Karte in der Qualifikation setzte der Weltverband zwei Spiele zur Bewährung aus. Allerdings: Eine Partie in der Quali musste Ronaldo trotzdem pausieren. Balogun nun gar keine. Ein Eingriff in ein laufendes Turnier hat nochmal deutlich mehr Wucht. Einmischung auf oberster Ebene gab es bei Ronaldo auch nicht.

Die soll es im aktuellen Fall nämlich gegeben haben, wie dann die nächste Entwicklung der Geschichte enthüllte. Der US-Präsident soll persönlich bei FIFA-Chef Infantino interveniert und angerufen haben, um die Sperre umzuwandeln. So berichten es die Nachrichtenagentur „AP“ und „New York Times“ übereinstimmend. Weitere Details tauchen aus dem Telefonat auf. Sollte sich all das bewahrheiten, wäre es ein neuer Tiefpunkt. Schon jetzt ist es ein WM-Skandal. Vielleicht einer der größten der Geschichte. Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben die Information bislang kommentiert.

Jürgen Klopp kann es gar nicht fassen

In der Fußball-Welt lösen diese Berichte schnell Fassungslosigkeit aus. Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp fand klare Worte. „Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt, das stellt alles infrage“, sagte der 59-Jährige. Klopp wütete weiter: „Diese beiden Menschen, die beide von Fußball keine Ahnung haben, sollten gar nichts damit zu tun haben. Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel.“

Bei dieser roten Karte soll Trump interveniert haben

Video poster

Der belgische Nationaltrainer witterte sogar einen Aprilscherz. Auch hier herrscht fast schon Entsetzen: „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli der 1. April ist“, sagte Belgiens Nationalcoach Rudi Garcia. Der belgische Fußballverband erklärte „alle Optionen“ in Bezug auf die Entscheidung zu prüfen. Die belgische Politik schäumte vor Wut. „Schämt euch!“, wütete die sozialdemokratische Oppositionspartei PS: „Wenn Geld die Fäden zieht, verliert die WM jede Glaubwürdigkeit.“ Diplomatischer drückte es die wallonische Sportministerin Jacqueline Galant aus. „Wahre Stärke liegt darin, mit Fairplay zu gewinnen. Genau das wird Belgien tun“, schrieb sie bei X.

Norwegens Nationaltrainer Stale Solbakken sprach von einem „großen Fehler“ der FIFA. Es sei „eine schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung, die der WM schaden wird“, sagte er nach dem Viertelfinaleinzug der Norweger gegen Brasilien. Selbst im Weltverband sei die Aufregung groß, berichtet die „Bild“-Zeitung. Nicht namentlich genannte FIFA-Funktionäre seien wegen der Entscheidung in der Causa Balogun wütend.

Vor allem die Tatsache, dass die FIFA ihre Rolle rückwärts nicht weiter begründete, sorgt für Kritik. „Das Interessante ist in der Tat, dass wir keine Begründung haben. Es wird irgendwann eine nachgeliefert und am Ende wissen wir nicht, worum es geht“, sagte Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich.

Der Fußball leidet

Man darf gespannt sein, wie die weiteren Reaktionen ausfallen, ob die FIFA doch weitere Erklärungen liefert, was die Belgier und auch der europäische Verband UEFA machen werden. Lässt US-Coach Mauricio Pochettino den nicht mehr gesperrten Spieler gar freiwillig auf der Bank? Dass Trump verbal nachlegt, darf man wohl erwarten.

Bislang hatte der US-Präsident die Fußball-Fans verschont. Kritik und Aufregung um die WM gab es freilich trotzdem. Trinkpausen, Bierpreise, zuletzt die auffällig oft schwachen Schiedsrichterleistungen. Aber vor allem standen auch sportliche Geschichten im Vordergrund. So wie es sein soll. Die Kap-Verde-Sensation, das deutsche Aus, Frankreichs wilder Ritt gegen Paraguay. Tor-Maschine Haaland. Und so weiter.

Es war bislang also in weiten Teilen ein Turiner des Fußballs. Das ändert sich nun auf einen Schlag. Die Posse um Trump und die FIFA legt sich jetzt gnadenlos über die K.-o.-Phase und wird die weiteren Tage bestimmen. Die höchste Ebene der Politik, die mutmaßliche Einmischung, erdrückt die WM. Der Fall wirft ein schlechtes Bild auf alle – vor allem auch den Fußball selbst.

Dass dieser aber nicht totzukriegen ist, bewies nur wenige Stunden nach dem Balogun-Eklat das Jahrhundertspiel zwischen Mexiko und England (3:2) im Tollhaus Aztekenstadion. Da war das Chaos um die Rot-Sperre für einige Minuten fast vergessen.

Verwendete Quelle: ntv.de

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