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Startseite»Politik»Nach Gerichtsurteil: Marine Le Pen stürzt sich in den Wahlkampf
Politik

Nach Gerichtsurteil: Marine Le Pen stürzt sich in den Wahlkampf

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 8, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 08.07.2026 • 18:57 Uhr

Direkt nach dem Urteil gegen sie hat die französische Rechtsnationalistin Marine Le Pen mit dem Wahlkampf begonnen. Ihre Anhänger haben mit ihrer strafrechtlichen Verurteilung offenbar kein Problem.

Cai Rienäcker

Die auf dem Marktplatz des Städtchens La Flèche versammelten Anhänger von Marine Le Pen bereiten ihr den gewünschten Empfang. Der Ort gut 200 Kilometer südwestlich von Paris war bei den letzten Kommunalwahlen vom Rassemblement National erobert worden.

Hier startet Le Pen nun ihren Wahlkampf, nachdem sie sich am Vorabend in den Fernsehnachrichten zur neuen und alten Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei erklärt hat: „Das Berufungsgericht hat mir mein passives Wahlrecht wiedergegeben. Ich bin also heute wieder wählbar“, so eine triumphierende Le Pen, während ihr in der Menge Dutzende Mikrofone entgegengestreckt werden.

Le Pen genießt Bad in der Menge

Am Vortag im Berufungsgericht und später bei ihrem TV-Auftritt hatte die 57-jährige Vollblutpolitikerin noch sehr angespannt gewirkt. Jetzt bekommen ihre Anhänger wieder die lächelnde Marine zu sehen, die das Bad in der Menge sichtlich genießt. An ihrer Seite Jordan Bardella, ihr Plan B für das Präsidentenamt, der nun nur noch als Premierminister vorgesehen ist.

Brav sagt er, dass er sich freut, dass Marine Le Pen nun für die Partei ins Rennen geht. Und damit ja kein Zweifel aufkommt, betont er: Natürlich werde er jetzt mit Le Pen weiter Hand in Hand zusammenarbeiten, wie sie es bisher getan hätten.

Dann übernimmt Le Pen wieder das Wort und schiebt ihren 30-jährigen politischen Ziehsohn zurück in die zweite politische Reihe. Sie hat die Zügel wieder selbst in die Hand genommen und lässt keinen Zweifel daran, wer Chef im Ring ist.

Kein Schuldbewusstsein bei Le Pen

Obwohl sie nun zweimal von einem Gericht dafür schuldig gesprochen wurde, europäische Steuergelder veruntreut zu haben, hält sie sich weiter für unschuldig: „Am Ende müssen die Wähler entscheiden. Das ist der Kern dessen, was das Berufungsgericht gesagt hat. Den Wählern wird die Freiheit der Wahl zurückgegeben. Nichts weniger habe ich erwartet.“

Und stört ihre Anhänger nun, dass Le Pen als eine Kandidatin in den Präsidentschaftswahlkampf geht, die gerade in zweiter Instanz zu einer Haftstrafe per Fußfessel verurteilt worden ist, auch wenn diese nicht sofort vollstreckt wird?

„Ich denke, andere Politiker haben auch nicht unbedingt eine weiße Weste“, sagt Anhängerin Magalie. Charlotte ist auch auf den Markt von La Flèche gekommen, um Marine Le Pen zu sehen: „Sie hat den Kopf oben behalten, ihr Lächeln behalten, alles prima.“

Nur wenig Gegenprotest

Am Rande des inszenierten Wahlkampfauftaktes in La Flèche haben sich auch ein paar Dutzend Le-Pen-Gegner am Marktplatz eingefunden. Ganz kurz kommt es sogar zu einem Handgemenge zwischen zwei älteren Herren. Ein anderer Le-Pen-Gegner sagt: „Sie ist eine Straftäterin. Wir sind dagegen, dass die Rechtsextremen an die Macht kommen.“

Obwohl die Proteste nur am Rande eines Rolle spielen, bleiben Marine Le Pen und Jordan Bardella kürzer als erwartet auf dem Markt von La Flèche. Die angestrebten Bilder von der strahlenden Marine und dem treuen Jordan an ihrer Seite sind ja bereits längst im Kasten.

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