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Politik

Erste deutsche Störsatelliten sollen 2027 starten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Exklusiv

Stand: 08.07.2026 • 18:00 Uhr

Künftig will die Bundeswehr im Weltall „kriegstüchtig“ sein. Dazu sollen nach Recherchen von WDR, NDR und SZ bereits 2027 vier deutsche Testsatelliten ins All gebracht werden – auch, um so andere Satelliten stören zu können.

Von Martin Kaul, Florian Flade, WDR, und Manuel Bewarder NDR/WDR

Deutschland soll Weltraum-Macht werden, so hat es Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigt. „Der Weltraum ist nicht nur entscheidend für unsere Sicherheit, der Weltraum wird auch immer mehr Teil unseres Wirtschaftsraumes“, sagte Merz kürzlich anlässlich der weltgrößten Luftfahrtmesse in Berlin.

Aber wer Weltraum-Macht sein will, muss schnell Satelliten ins All bringen. Genau das möchte das Verteidigungsministerium nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung nun testen: Demnach plant das Ministerium, bereits im kommenden Jahr 2027 erste eigene Satelliten mit militärischen Offensivfähigkeiten ins All zu bringen. Das geht aus vertraulichen Dokumenten hervor. Über das Projekt hat der Verteidigungsausschuss des Bundestages bereits hinter verschlossenen Türen beraten..

Testprogramm soll Auftakt sein

Mit dem Testprogramm namens „Responsive Launch Demonstration“ schlägt Deutschland ein neues Kapitel in Sachen Space auf: Erstmals sollen deutsche Satelliten in der Lage sein, andere Satelliten auszuspionieren und sogar zu stören: Etwa durch elektromagnetische Angriffe – genannt „Jamming“ oder „Spoofing“ – sollen fremde Satelliten künftig zum Beispiel daran gehindert werden können, Aufklärung der Erdoberfläche oder anderer Objekte im Weltraum zu betreiben.

Nach Wunsch des Verteidigungsministeriums sollen bei dem neuen Projekt nicht nur ausschließlich in Deutschland konstruierte Satelliten genutzt werden, sondern auch Raketentechnik deutscher Hersteller. Damit soll der Nachweis erbracht werden, „dass entsprechende Weltraumvorhaben unter ausschließlicher Abstützung auf die deutsche Industrie umsetzbar sind“, heißt es in einem Papier zu dem Vorhaben.

„Kriegstüchtigkeit im Weltraum“

Mit dem Testlauf soll das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beauftragt werden. Dort sollen nun in hoher Geschwindigkeit jeweils zwei deutsche „Inspektorsatelliten“, die andere Satelliten ausspionieren können, und zwei „Effektorsatelliten“, die für Störaktionen eingesetzt werden können, beschafft, ins Weltall gebracht und erprobt werden. Nach den Plänen sollen dabei die Störfähigkeiten zunächst an eigenen Satelliten getestet werden.

Der Zeitplan ist anspruchsvoll, denn laut dem vertraulichen Papier sollen damit „die Grundlagen für reaktionsschnelle Satellitenstarts“ geschaffen und damit der „Einstieg in den Satellitenbetrieb für die angestrebte Kriegstüchtigkeit in der Dimension Weltraum im Jahr 2029“ vollzogen werden. Man wolle „aufzeigen, ob und wie es möglich ist, Satelliten in einem vordefinierten kurzen Zeitfenster zu beschaffen, sicher in den Orbit zu verbringen und deren Betrieb zu gewährleisten“.

Das Verteidigungsministerium bestätigte das Vorhaben und betonte gegenüber WDR, NDR und SZ, dass bewusst keine langwierigen Forschungsvorhaben beauftragt worden seien. Es gehe darum, „bestehende Technologien in ein funktionierendes Gesamtsystem zu integrieren und dies innerhalb von weniger als zwölf Monaten für eine Verbringung ins All“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Die Test-Satelliten würden im All miteinander interagieren. „Eine Beeinflussung Dritter ist somit ausgeschlossen“, so der Sprecher.

Kritik aus der Opposition

Kritik am Projekt kommt aus der Opposition: „Das Verteidigungsministerium stellt jetzt still und heimlich die Weichen für offensive deutsche Wirksysteme im Weltraum, die andere Satelliten stören können – die also genau das tun, was man Russland vorwirft“, sagt die Bundestagsabgeordnete der Linken, Desiree Becker. Becker ist Mitglied im Verteidigungsausschuss.

Koalitionspolitiker aus Union und SPD verteidigen dagegen das 100-Millionen-Euro-Vorhaben. So sagt etwa der für Verteidigung zuständige SPD-Haushaltspolitiker Andreas Schwarz: „Die Kriegsführung verlagert sich immer mehr in den Weltraum. Wir haben in Europa erhebliche Defizite, was unsere Aufklärungsmöglichkeiten im Weltraum angeht und sind da im Prinzip abhängig von den USA.“

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Thomas Erndl (CSU), will eine „konsequente Entwicklung offensiver Kapazitäten“, um die europäische Souveränität dauerhaft zu garantieren.

Scheitern erlaubt

Bislang ist noch kein einziger Raketenstart mit eigener Trägerrakete aus deutscher Produktion erfolgreich verlaufen – auch nicht im Testbetrieb. Vertraglich ist daher auch vorgesehen, dass das Projekt scheitern darf, heißt es in dem Papier. Demnach müsse der Startdienstleister „keine Gewähr oder Garantie für den Erfolg des Starts und der Verbringung in den Orbit“ übernehmen, wie es in einer Übereinkunft heißt – sondern schulde dem Staat „das ernsthafte Bemühen“.

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