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Startseite»Politik»Problemfall Generalsanierungen: Haben Bahn und Politik einen Plan?
Politik

Problemfall Generalsanierungen: Haben Bahn und Politik einen Plan?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 19, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 19.07.2026 • 08:12 Uhr

Das kaputtgesparte Schienennetz soll Stück für Stück repariert werden. Doch bei Sanierungen gab es häufig Probleme. Verkehrsminister Schnieder verweist auf die Bahn – aber das lässt ihm nicht jeder durchgehen.

Jim-Bob Nickschas

„Wir haben heute gute Nachrichten für unsere Fahrgäste“, verkündete Bahnchefin Evelyn Palla gerade erst in Berlin – gemeint war aber nur die angekündigte Kommunikationsoffensive des Konzerns. Wenn es um die Erneuerung wichtiger Bahnstrecken geht, häufen sich die Negativschlagzeilen: So wie diese Woche in Nordrhein-Westfalen, als die Strecke Köln-Wuppertal trotz längerer Sanierung mit großen Problemen wieder in Betrieb ging.

Dabei klang die Idee hinter den sogenannten Generalsanierungen beim Start vor zwei Jahren mal ganz vielversprechend: Statt ewig im laufenden Betrieb an Gleisen oder Stellwerken herumzuschrauben lieber einmal für ein paar Monate alles dichtmachen – und dann lange Ruhe haben, hoffte auch die Politik.

„Wir wollen mehrere Jahre Baufreiheit auf diesen Strecken, wir wollen sie richtig auf Vordermann bringen und möglichst alles machen, was dort ansteht“, erklärt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) bei Politico. Und muss zugeben: „Wir haben nicht alle Ziele erreicht, die wir vorher vereinbart haben.“

Minister zeigt mit dem Finger auf die Bahn

Bestes Beispiel ist Hamburg-Berlin: Selbst neun Monate Vollsperrung haben am Ende nicht gereicht, um die Strecke nach den Bauarbeiten im vergangenen Frühjahr pünktlich wieder freizugeben. Auf die versprochene Digitalisierung hat die Bahn zunächst ebenfalls verzichtet, obwohl das in der EU künftig Pflicht wird. Weitere Streckensperrungen sind also schon in den kommenden Jahren absehbar – ein weiteres gebrochenes Versprechen. Insgesamt sollen sich die 40 geplanten Großbaustellen im Bahnnetz nun bis in die Mitte der 2030er-Jahre ziehen.

„Da muss uns die Bahn jetzt klar Auskunft geben: Warum ist das so? Wie machen wir das beim nächsten Mal besser? Oder müssen wir insgesamt beim Konzept noch mal etwas ändern?“, mahnt Schnieder. Der Minister zeigt bei Problemen schon länger vor allem mit dem Finger auf die Bahn.

Das lässt Dirk Flege ihm aber nicht durchgehen. Der Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz pro Schiene sieht den Bund als Eigentümer in der Pflicht: „Das ist keine Aufgabe, mit der man die DB alleine lassen kann. Das ist Steuergeld, das hier verbaut wird und der Minister hat eine Überprüfung angekündigt. Jetzt muss er auch im Steuersitz bleiben und diese Überprüfung steuern.“

Ministerium will an Vollsperrungen festhalten

Gespannt auf diese Prüfung sind auch Fahrgastverbände und der Güterverkehr, der unter den monatelangen Baustellen im Schienennetz besonders leidet. Wenig Hoffnung macht hier Christian Böttger, Bahn-Experte an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin: „Ich sehe nicht, dass das Ministerium oder die Bahn einen ernsthaften neuen Plan haben. Ich glaube aber, dass man über die Regelwerke nachdenken muss. Es ist bei uns zum Beispiel schwerer als in anderen Ländern, eingleisigen Betrieb zu machen. Dass also auf der einen Seite gebaut wird und auf der anderen Züge fahren können.“

Das soll nun bei der anstehenden Sanierung zwischen Berlin und Hannover ab Oktober teilweise möglich sein. Die nächste Mega-Baustelle, die Ende 2027 abgeschlossen werden soll – Stand heute.

Grundsätzlich will der Bundesverkehrsminister am Konzept der Vollsperrungen festhalten. Schnieder stellt dagegen andere Fragen ins Zentrum der Diskussion: „Passt das mit vier Korridorsanierungen im Jahr? Müssen wir die nicht besser regional verteilen? Müssen wir genauer hinschauen, welche Auswirkungen das hat?“

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