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Startseite»Nachrichten»Nach Abberufung von Syrskyj: Mariupol-Held Mychajlo Drapatyj führt künftig die ukrainische Armee
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Nach Abberufung von Syrskyj: Mariupol-Held Mychajlo Drapatyj führt künftig die ukrainische Armee

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 22, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Nach Abberufung von SyrskyjMariupol-Held Mychajlo Drapatyj führt künftig die ukrainische Armee

Mychajlo Drapatyj während seines Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj. (Foto: picture alliance/dpa/Ukrainian Presidential Press Office/AP)

Kehrt wieder Ruhe ins ukrainische Militär ein? Nach der Entlassung von Verteidigungsminister Fedorow und vielen Protesten dagegen folgt die Demission von Armeechef Syrskyj. Für ihn übernimmt der deutlich jüngere Mychajlo Drapatyj. Der erlangte 2014 Berühmtheit mit einer Aktion in Mariupol.

Der 43 Jahre alte Generalmajor Mychajlo Drapatyj führt künftig die ukrainischen Streitkräfte im Kampf gegen die russische Invasion. Präsident Wolodymyr Selenskyj entließ nach tagelangem Druck von Demonstranten den bisherigen Oberkommandierenden Olexander Syrskyj und berief den 17 Jahre jüngeren General auf diesen Posten.

In einer Videobotschaft aus Kiew kündigte der Staatschef eine Neuordnung des Generalstabs in Abstimmung mit Verteidigungsministerium und Präsidialamt an. Drapatyj, seit 25 Jahren Soldat, schrieb auf Facebook: „Ich werde verantwortungsbewusst, konzentriert und mit Respekt gegenüber den Menschen arbeiten, die heute unser Land verteidigen.“

Der Umbesetzung in der Armeeführung waren tagelange Proteste in vielen Städten der Ukraine vorgegangen, die sich an der Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow entzündet hatten. Fedorow hatte in einem halben Jahr im Amt die Technisierung der ukrainischen Armee vorangetrieben. Dies zeigte sich vor allem bei den zunehmend erfolgreichen Drohnenangriffen auf das russische Hinterland.

Drapatyj verschleißt lieber Technik als Menschen

Der Minister lag aber, wie sich zeigte, im Dauerkonflikt mit Oberbefehlshaber Syrskyj, einem noch zu Sowjetzeiten ausgebildeten Kommandeur alter Schule. Die Demonstranten sahen den entlassenen Minister als Vertreter einer anderen Kriegsführung, die auf Technik statt auf den Verschleiß von Soldaten setzt, an denen es in der Ukraine fehlt.

Nach tagelangen Beratungen mit vielen Kommandeuren traf Selenskyj sich am Dienstagabend noch einmal mit Fedorow. Dieser solle eine „würdige Position“ bekommen, in der er sich weiter um die technische Entwicklung der Ukraine kümmern könne, kündigte der Präsident an. Details nannte er nicht.

Der in der Bevölkerung beliebte Drapatyj wird nach Walerij Saluschnyj und Olexander Syrskyj der dritte Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee in fast viereinhalb Jahren des russischen Angriffskriegs. Er erlangte schon 2014 als Major Berühmtheit, als er mit einem gepanzerten Mannschaftstransporter eine Straßensperre prorussischer Kräfte in Mariupol durchbrechen ließ. Damals konnte die Hafenstadt von der Ukraine verteidigt werden.

2024 half Drapatyj als Kommandeur, den russischen Einmarsch in das Gebiet Charkiw zu begrenzen. Später wurde er Befehlshaber der ukrainischen Bodentruppen. Von diesem Posten trat er 2025 zurück, weil beim Einschlag einer russischen Iskander-Rakete in einer Ausbildungseinheit zwölf Soldaten getötet worden waren. Er übernehme die Verantwortung dafür, dass im Heer Soldaten nicht genügend geschützt worden seien, erklärte er. Zuletzt befehligte Drapatyj eine Armeegruppe, die für die Verteidigung des Gebiets Charkiw zuständig ist.

Auch Drapatyj drängt auf Armeereform

„Kyiv Independent“ schrieb, der General habe ein Image als „der oberste moderne, auf Menschen fokussierte Militärführer der Ukraine“. In einem Facebook-Eintrag erklärte Drapatyj seine Unterstützung für Fedorow und forderte eine Armeereform: „Die Armee braucht Veränderungen, aber ohne Gerechtigkeit sind Veränderungen für die Menschen sinnlos, die diesen Krieg jeden Tag auf ihren Schultern tragen.“

Selenskyj würdigte ausdrücklich die militärischen Verdienste des scheidenden Armeechefs Syrskyj bei der Verteidigung von Kiew 2022 und Charkiw 2024 sowie beim ukrainischen Vorstoß ins russische Gebiet Kursk 2024. Er betonte, dass auch Nachfolger Drapatyj dies so sehe. Zum neuen Verteidigungsminister hat der Präsident kommissarisch Jewhenij Chmara ernannt. Drapatyj, Chmara und der Präsidialamts-Vize Pawlo Palissa sollen sich um eine Neuordnung des Verhältnisses zwischen Verteidigungsministerium und Generalstab kümmern.

In der Nacht herrschte wieder Luftalarm über der Ost- und Zentralukraine wegen angreifender russischer Drohnen. Auch die Hauptstadt Kiew war betroffen. Gleichzeitig meldeten russische Gebiete wie Orjol, Kaluga oder Woronesch zeitweise Drohnen- oder Raketengefahr.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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