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Startseite»Politik»PMOS – ein oft unerkanntes Gesundheitsrisiko bei Frauen
Politik

PMOS – ein oft unerkanntes Gesundheitsrisiko bei Frauen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 24, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 24.07.2026 • 10:34 Uhr

Etwa jede achte Frau ist davon betroffen, trotzdem ist sie bislang kaum bekannt: die Hormonstörung PMOS – ehemals PCOS. Der neue Name und eine Leitlinie für Patientinnen sollen jetzt eine bessere Versorgung ermöglichen.

Das Polyendokrine Metabolische Syndrom (PMOS, früher PCOS genannt) ist die häufigste Hormonstörung bei Frauen im gebärfähigen Alter. Die Diagnose kommt jedoch häufig erst, wenn Betroffene wegen Zyklusstörungen ungewollt kinderlos bleiben. Andere Symptome werden dagegen oft nicht ernst genug genommen – dabei bergen gerade sie ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herzinfarkt.

Ein internationales Fachgremium hat sich deshalb auf den neuen Namen PMOS verständigt. Er bezieht Warnsignale im Stoffwechsel und Hormonhaushalt mit ein. Zudem gibt es erstmals eine deutsche Leitlinie speziell für Patientinnen, die den neuen Namen bereits aufgreift.

Betroffene werden oft nicht ernst genommen

Wie lange es dauern kann, bis PMOS erkannt wird, hat die Karlsruher Studentin Anni am eigenen Leib erlebt. Jahrelang hatte sie mit einem unregelmäßigen Zyklus, Übergewicht und Akne zu kämpfen. Trotz vieler Arztbesuche fand die heute 22-Jährige keine Erklärung für ihre Symptome. Erst durch einen selbst gezahlten Hormontest fiel der Verdacht erstmals auf das Polyzystische Ovarialsyndrom, kurz PCOS.

Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen. In diesem Fall handelt es sich dabei um unreife Eibläschen im Eierstockgewebe. Im Ultraschall reihen sie sich oft wie eine Perlenkette aneinander. Allerdings haben nicht alle Betroffenen solche Zysten – auch Anni nicht. Der frühere Name PCOS galt deshalb schon lange als irreführend.

Beschwerden sind nicht immer eindeutig

Einen ähnlich langen Weg bis zur Diagnose hat auch die PMOS-Betroffene Maike hinter sich. Nachdem sie über soziale Medien auf die Erkrankung aufmerksam geworden war, wandte sich die heute 28-jährige Karlsruherin wegen ihrer unregelmäßigen Periode an ihren Frauenarzt. Der fand zwar Zysten im Ultraschall, schloss PCOS jedoch als Diagnose aus, wie Maike erzählt: „Er meinte dann, um PCOS zu haben, muss man übergewichtig sein. Und ich bin schlank beziehungsweise normalgewichtig, dann kann ich das nicht haben.“

Genau das ist das Tückische an der Erkrankung: Sie geht mit einer Vielzahl an Symptomen einher, die aber nicht bei allen Betroffenen auftreten. Ein unregelmäßiger Zyklus, Übergewicht, Akne, Haarausfall am Kopf und übermäßiger Haarwuchs an Kinn, Brust oder Bauch. Auch Müdigkeit und Depressionen zählen zu den möglichen Begleiterscheinungen. Fast jede Betroffene hat ihre eigene Kombination an Beschwerden.

Mehr als eine Zyklusstörung

Die zentrale Ursache für PMOS sei eine sogenannte Insulinresistenz, erklärt Cornelia Jaursch-Hancke von der DKD Helios Klinik in Wiesbaden. Die Internistin mit dem Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie hat die erste deutsche Leitlinie zur Diagnose von PMOS ins Leben gerufen.

Insulin gibt den Körperzellen nach dem Essen das Signal, Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Bei einer Insulinresistenz reagieren die Zellen jedoch nicht ausreichend auf dieses Signal. Um das auszugleichen, produziert der Körper immer mehr Insulin.

Das Insulin wiederum regt Nebenniere und Eierstöcke an, männliche Geschlechtshormone zu produzieren, zum Beispiel Testosteron. Diese kommen zwar auch natürlicherweise bei Frauen vor, allerdings in deutlich geringeren Mengen. Wenn zu viele dieser Hormone vorhanden sind, bringe das den Zyklus durcheinander, so Jaursch-Hancke. Neben der Insulinresistenz kämen auch genetische Veranlagung und Umweltfaktoren als Auslöser hinzu.

Gesundheitsrisiko bleibt ein Leben lang bestehen

Bislang weiß Schätzungen zufolge nur rund jede dritte Betroffene überhaupt von ihrer Diagnose. Fachleute sehen darin eine große Gefahr: Wenn PMOS unerkannt bleibt, kann das ernstzunehmende Folgen haben – etwa Diabetes, Störungen im Fettstoffwechsel und Bluthochdruck.

Selbst wenn Frauen die Pille nähmen oder kein Kinderwunsch bestehe, sei eine Therapie wichtig, wie die Hormon- und Stoffwechselexpertin Cornelia Jaursch-Hancke betont: „Es ist auch so, dass diese Frauen schon ehe sie die Menopause erreichen, ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse haben, also für Herzinfarkt, für Schlaganfall. (…) Deswegen ist uns das ganz wichtig, dass das eine Krankheit ist, die leider die Frauen ihr ganzes Leben lang begleitet.“

Therapie über Ernährung und Sport

Zusammen mit anderen Expertinnen und Experten hat Jaursch-Hancke nun erstmals eine Leitlinie verfasst, die sich direkt an Patientinnen richtet und den neuen Namen PMOS bereits aufgreift. Um den Insulinstoffwechsel wieder ins Gleichgewicht zu bringen, helfen regelmäßige Bewegung und eine Ernährungsweise, die den Blutzucker senkt. Auch das Diabetesmedikament Metformin wird häufig verschrieben.

PMOS ist also weit mehr als ein Problem mit Zysten an den Eierstöcken, wie der bisherige Name Polyzystisches Ovarialsyndrom vermuten ließ. Die Buchstaben P und M stehen jetzt für polyendokrin, also den Hormonhaushalt betreffend, und metabolisch, den Stoffwechsel betreffend. Das soll dazu beitragen, dass nicht nur der Zyklus im Vordergrund steht – und dass Betroffene in Zukunft schneller ihre Diagnose bekommen.

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Dr. Heinrich Krämer
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