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Politik

FAQ: Was über den Angriff auf den Berliner CSD bekannt ist

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 26, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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FAQ

Stand: 26.07.2026 • 10:56 Uhr

Eine Tote, mehrere Verletzte: Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf den CSD in Berlin herrschen Trauer und Entsetzen. Die Polizei sucht einen Tatverdächtigen, der der islamistischen Szene zugerechnet wird. Noch sind viele Fragen offen.

Was ist passiert?

In der Nähe des Potsdamer Platzes fährt am Samstag gegen 22 Uhr ein Fahrzeug am Tiergarten in eine Menschenmenge. Mindestens eine Frau kommt ums Leben, etliche weitere Menschen werden teils schwer verletzt. Noch sind die Hintergründe unklar, die Polizei findet das Fahrzeug nur verlassen vor und sucht nach möglichen Tatverdächtigen.

Nach Polizeiangaben war ein Fahrzeug in den Tiergarten und durch den Ahornsteig gefahren. Auf diesem Weg durch den Park soll der Fahrer Menschen an- oder umgefahren haben. Später stieß das Fahrzeug, ein weißer Kastenwagen, mit einem Baum zusammen. Laut Polizei floh der Fahrer in unbekannte Richtung.

Die Polizei prüft, ob auch eine Stichwaffe eingesetzt wurde. „Es ist Bestandteil der Ermittlungen, ob es eine zweite Tatphase nach der Fahrphase gab“, sagte ein Polizeisprecher.

Nach Angaben der Feuerwehr sind drei Menschen lebensbedrohlich und acht schwer verletzt. Zudem gebe es fünf leicht verletzte Menschen. Ferner wurden nach Angaben der Feuerwehr 30 Menschen psychologisch betreut. Sie stünden unter dem Eindruck des Geschehens.

Was ist über den Tatverdächtigen bekannt?

Die Ermittler fahnden öffentlich nach dem 21-jährigen Abdul B. Er sei noch nicht festgenommen worden. „Allerdings ist dieser Tatverdächtige polizeibekannt als Angehöriger des islamistischen Milieus hier in Berlin“, so die Polizei. Es gebe noch keine Hinweise auf ein Motiv oder seinen Tatbeitrag.

Die Polizei Berlin warnte in einer im Onlinedienst X veröffentlichten Erklärung davor, den mutmaßlich islamistischen Verdächtigen anzusprechen, da er „möglicherweise bewaffnet und gefährlich“ sei. Der Mann habe eine schlanke Statur, sei etwa 1,90 Meter groß und habe schwarze Haare.

Die Polizei hat dieses undatierte Foto von Abdul B. veröffentlicht.

Die Berliner Polizei hat ein Hinweisportal und eine Personen-Auskunftsstelle eingerichtet für Personen, die Menschen vermissen. Die Rufnummer lautet: 030 8485 4460.

Nach Informationen von SZ, NDR und WDR war der Tatverdächtige Abdul B. als islamistischer „Gefährder“ eingestuft. Sicherheitsbehörden schätzten ihn demnach als radikalisiert und gewaltbereit ein.

Er soll versucht haben, nach Syrien auszureisen, um sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen. Demnach wurde er Ende 2025 bei einer Rückreise aus dem Libanon am Berliner Flughafen BER festgenommen. Laut Ermittlerkreisen soll er wegen des Verdachts auf Vorbereitung einer terroristischen Straftat bis Mai 2026 in Untersuchungshaft gesessen haben.

Was ist noch unklar?

Bisher haben die Ermittler noch kein Motiv des mutmaßlichen Täters – es ist auch nicht sicher, ob Abdul B., nach dem öffentlich gefahndet wird, wirklich der Täter ist oder an der Tat beteiligt war. Sein Aufenthaltsort ist ebenfalls unbekannt.

Aufgrund des Verdachts eines Anschlags führen aktuell die Generalstaatsanwaltschaft Berlin und das Berliner Landeskriminalamt die weiteren Ermittlungen. Außerdem könnte sich die Generalbundesanwaltschaft einschalten – die oberste Anklagebehörde in Deutschland.

Sie kann unter anderem Fälle von islamistisch motiviertem Terrorismus übernehmen. Zudem kann sie solche mit besonderer Bedeutung an sich ziehen. Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen in diesem Fall aber bislang nicht übernommen.

Schock und Entsetzen – Reaktionen auf die Tat

Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Tat am Samstagabend verurteilt. „Das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft“, erklärte Merz online am Sonntagmorgen. „Hunderttausende Menschen aus aller Welt feierten friedlich beim Christopher Street Day. Sie wollten, dass wir gut und tolerant miteinander umgehen“, so der Bundeskanzler weiter. Die „abscheuliche Tat“ werde aufgeklärt und mit aller Härte verfolgt, kündigte Merz an.

Zuvor hatte sich auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt geäußert. „Diese feige, abscheuliche Attacke auf friedlich feiernde Menschen erschüttert mich zutiefst. Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen, die diese Tat miterleben mussten“, so Dobrindt laut einer Mitteilung des Ministeriums. „Wir werden alles daransetzen, diese schreckliche Tat und ihre Hintergründe schnell aufzuklären und zu ahnden.“

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte: „Es ist ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft. Nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert. Berlin ist die Stadt der Freiheit – und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden.“

Die Rapperin Ikkimel hat zu Zusammenhalt aufgerufen. „Liebe ist NIEMALS der Fehler, ANGST UND HASS niemals eine Antwort“, schrieb die 29-Jährige bei Instagram. Sie hoffe, dass viele Menschen jetzt realisierten, wie wichtig es sei, zusammenzuhalten – „jetzt noch mehr als sonst“. Die Künstlerin hatte am Samstag auf der CSD-Bühne am Brandenburger Tor einen kurzen Auftritt.

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Dr. Heinrich Krämer
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