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Politik

Chronologie: Islamistischer Terror in Deutschland

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 27, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Chronologie

Stand: 27.07.2026 • 16:09 Uhr

Islamistische Terrornetzwerke wie der IS exportieren ihr Gedankengut auch in den Westen – oft mit tödlichen Folgen. Eine Übersicht über die schwersten Taten in Deutschland.

Frank Bräutigam

Christoph Kehlbach

Juli 2006: Bombe im Regionalzug

Deutschland entgeht nur knapp einem Bombenanschlag auf zwei Regionalzüge. Einer der Täter, Youssef H., deponiert am Kölner Hauptbahnhof einen Sprengsatz in einem Regionalzug nach Koblenz, versteckt in einem Rollkoffer. Nur wegen eines technischen Fehlers kommt es nicht zu einer folgenschweren Explosion.

Wenige Wochen später wird Youssef H. festgenommen. 2008 verurteilt ihn das Oberlandesgericht Düsseldorf zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

September 2007: Sauerland-Gruppe

In einem Ferienhaus im sauerländischen Medebach nehmen Sicherheitskräfte die beiden Deutschen Fritz G. und Daniel S. sowie den türkischen Staatsbürger Adem Y. fest. Gemeinsam bildeten sie die sogenannte Sauerland-Gruppe. Mindestens 150 Menschen sollten bei Autobombenanschlägen sterben, so die Pläne.

Die drei Männer und ein Helfer werden im März 2010 zu Haftstrafen von fünf bis zwölf Jahren verurteilt.

März 2011: Schüsse auf US-Soldaten

Am Terminal 2 des Frankfurter Flughafens werden zwei US-Soldaten durch Schüsse getötet, zwei weitere werden verletzt. Verantwortlich: der junge Kosovo-Albaner Arid U.

Die Tat hatte einen islamistischen Hintergrund. Arid U. hatte sich allmählich über das Internet radikalisiert. Er war ein Einzeltäter, ohne Verbindung zu Terrornetzwerken wie Al Kaida. 2012 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Juli 2016: Selbstmordattentäter in Ansbach

Im fränkischen Ansbach sprengt sich ein 27-jähriger Syrer in die Luft. Er hatte zuvor versucht, Zugang zu einem Musikfestival zu bekommen, wurde aber nicht eingelassen. Er zündet den Sprengsatz darauf in der Nähe der Kasse und verletzt 15 Menschen. Er selbst stirbt.

Bis unmittelbar vor der Tat soll er per Handy Kontakt zum sogenannten IS gehabt haben. Später finden die Ermittler auf dem Gerät ein Video, in dem er sich zu der Terrororganisation bekennt.

Dezember 2016: Breitscheidplatz Berlin

Um kurz nach 20 Uhr rast ein Lkw über den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Dabei werden elf Menschen getötet, mehr als 50 teilweise schwer verletzt. Auf dem Beifahrersitz finden die Ermittler ein zwölftes Todesopfer, den eigentlichen Fahrer des polnischen Lkw. Der Attentäter, der Tunesier Anis Amri, entkommt zunächst unerkannt, später wird öffentlich nach ihm gefahndet.

Amris Flucht endet dreieinhalb Tage später in Norditalien, wo er bei einem Schusswechsel von einem italienischen Polizisten erschossen wird. Anschließend veröffentlicht das IS-Sprachrohr Amak ein Video, in dem Amri dem IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi die Treue schwört.

Oktober 2020: Angriff auf Homosexuelle in Dresden

In der Dresdner Innenstadt greift ein Mann zwei homosexuelle Touristen mit einem Messer an. Ein 55-Jähriger aus Krefeld verstirbt später im Krankenhaus. Sein 53-jähriger Begleiter aus Köln überlebt schwer verletzt. Bald darauf wird ein 20 Jahre alter Syrer festgenommen.

Der junge Mann ist vorbestraft. 2018 war er vom Oberlandesgericht Dresden unter anderem wegen Werbens für Mitglieder und Unterstützer einer terroristischen Vereinigung im Ausland zu einer Jugendstrafe verurteilt worden. Er galt als Gefährder und stand nach seiner Haftentlassung unter Führungsaufsicht. Für die Messerattacke wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.

April 2022: Messerattacke in Duisburg

Der Syrer Maan D. tötet in der Duisburger Altstadt einen Passanten mit zahlreichen Messerstichen und entkommt zunächst. Neun Tage später sticht er in einem Fitnessstudio wahllos auf mehrere Männer ein, verletzt sie zum Teil lebensgefährlich.

Die Bundesanwaltschaft klagt ihn wegen Mordes und versuchten Mordes an. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilt ihn schließlich zu lebenslanger Haft und ordnet die anschließende Sicherungsverwahrung an. Im Prozess hatte sich D. zum „Islamischen Staat“ bekannt.

Mai 2024: Mord am Polizisten Rouven Laur

Auf dem Mannheimer Marktplatz greift ein Mann mit einem Jagdmesser die Veranstalter einer islamkritischen Kundgebung an. Der aus Afghanistan stammende Sulaiman A. verletzt dabei mehrere Menschen. Nach einem Handgemenge sticht er auch auf den herbeigeeilten Polizisten Rouven Laur ein. Zwei Tage später erliegt der Polizeibeamte im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Der Generalbundesanwalt wertet die Tat als religiös motiviert, zieht das Ermittlungsverfahren wegen der besonderen Bedeutung an sich und klagt A. an. Das OLG Stuttgart verurteilt ihn unter anderem wegen Mordes zu lebenslanger Haft und stellt die besondere Schwere der Schuld fest. Damit hat er keine Chance, schon nach 15 Jahren vorzeitig entlassen zu werden.

August 2024: Messeranschlag in Solingen

In Karlsruhe wird Issa Al H. dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt. Zwei Tage zuvor soll er in Solingen mit einem Messer auf Besucher eines Stadtfestes eingestochen haben, motiviert durch eine radikal-islamistische Einstellung. Drei Menschen starben bei der Attacke, acht Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Der „Islamische Staat“ reklamiert die Tat für sich.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilt Issa Al H. im September 2025 zu lebenslanger Haft, stellt die besondere Schwere der Schuld fest und ordnet die anschließende Unterbringung in der Sicherungsverwahrung an.

September 2025: Israelisches Generalkonsulat München

In München schießt ein junger Mann auf Polizisten. Die Tat geschieht ganz in der Nähe des israelischen Generalkonsulats und des NS-Dokumentationszentrums. Die Beamten erwidern das Feuer. Der Mann wird getroffen und stirbt.

Es handelt sich um den in Österreich geborenen bosnisch-stämmigen Emra I. Er soll den Behörden in Österreich schon wegen möglicher islamistischer Radikalisierung aufgefallen sein.

Februar 2025: Terroranschlag auf ver.di-Demo in München

Wieder München. Mit einem Pkw rast ein Mann in der Innenstadt von hinten in eine Demo der Gewerkschaft ver.di. 56 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden bei dem Angriff zum Teil schwer verletzt. Zwei von ihnen – eine Mutter und ihr zweijähriges Kind – erliegen zwei Tage später ihren Verletzungen.

Der Generalbundesanwalt betrachtet die Tat als religiös motiviert und übernimmt wegen der besonderen Bedeutung des Falles die Ermittlungen gegen Farhad N., den damals 24-jährigen afghanisch-stämmigen Fahrer. Im Januar 2026 beginnt das Hauptverfahren vor dem OLG München.

Mai 2025: Attacke vor Bar in Bielefeld

Vor der Bar „Cutie“ in der Innenstadt von Bielefeld geht ein Mann in den frühen Morgenstunden auf eine Gruppe Fußballfans los. Seine Waffe: ein Spazierstock, an dem er ein Messer mit einer 18 Zentimeter langen Klinge befestigt hatte. Zwei der Verletzten schweben vorübergehend in Lebensgefahr. Am Tatort finden die Ermittler Personaldokumente, knapp zwei Tage später wird der Tatverdächtige festgenommen: Mahmoud M., ein Syrer mit deutschem Aufenthaltstitel. Er hatte 2015/2016 für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Syrien gekämpft.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilt ihn im Juni 2026 zu lebenslanger Haft wegen versuchten Mordes. Zudem stellt das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest und ordnet die anschließende Sicherungsverwahrung an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger hat Revision eingelegt.

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