Nach dem Klick · Teil 5 von 5
Irgendwann erfährt es jemand. Vielleicht erzählt die Mutter am Telefon von einer seltsamen Überweisung. Vielleicht fällt dem Sohn eine Abbuchung auf. Oder man muss selbst den Mut finden, es dem Partner zu sagen.
Im letzten Teil der Serie geht es um dieses Gespräch. In diesem Moment kann ein einziger Satz darüber entscheiden, ob jemand weiter erzählt oder sich zurückzieht. Der erste Satz sollte deshalb nicht „Wie konntest du nur?“ lauten.
Warum reagieren Angehörige oft falsch?
Aus Schreck, aus Sorge, manchmal aus Wut über das verlorene Geld. Das ist menschlich. Für Betroffene fühlt es sich aber an wie eine Bestätigung ihrer Scham, über die es in Teil 1 ging.
Die Kriminologin Cassandra Cross beschreibt, dass Familie, Freunde und auch Behörden die Schuldgefühle von Betrugsopfern häufig noch verstärken. Ältere Betroffene berichteten ihr sogar, dass Angehörige sich von ihnen abgewandt oder ihnen nicht mehr zugetraut hätten, ihr Leben selbst zu regeln. Wer aus Angst vor so einer Reaktion schweigt, bleibt mit dem Problem allein.
Sätze, die schaden – und Sätze, die helfen
Für das erste Gespräch nach einem Betrug.
Schadet
„Wie kann man nur so dumm sein?“
„Das hab ich dir doch gleich gesagt.“
„Ab jetzt mache ich deine Bankgeschäfte.“
Hilft
„Gut, dass du es mir erzählst.“
„Die Täter machen das beruflich. Das hätte vielen passieren können.“
„Sollen wir die nächsten Schritte gemeinsam machen?“
Was können Angehörige konkret tun?
Zuerst zuhören, dann handeln. Nach einem Betrug sind viele so aufgewühlt, dass sie Sperrnummern nicht finden oder Formulare nicht verstehen. Dann hilft es, die Schritte aus Teil 2 gemeinsam durchzugehen: die Bank anrufen, Zugänge sichern, Unterlagen sammeln.
Auch zur Anzeige kann man mitgehen. Das Informationsportal des deutschen Justizministeriums rät ausdrücklich, dass aufgewühlte Betroffene eine nahestehende Person um Unterstützung bitten können. Angehörige können sich auch selbst beraten lassen: Das Opfer-Telefon des Weissen Rings in Deutschland ist ausdrücklich auch für Menschen da, die für jemand anderen anrufen.
Wie schützt man vor dem nächsten Mal, ohne zu bevormunden?
Nach einem Betrug ist die Gefahr nicht vorbei. Teil 4 hat gezeigt, dass Kriminelle frühere Opfer gezielt wieder ansprechen. Eine einfache Absprache kann hier viel bringen: Bei jedem Angebot, verlorenes Geld zurückzuholen, wird zuerst gemeinsam darüber gesprochen.
Die Versuchung ist groß, jemandem nach einem Betrug alles abzunehmen: Konto, Handy, Online-Banking. Das kann gut gemeint sein und trotzdem verletzen. Besser ist es, gemeinsam zu vereinbaren, was sich ändert – etwa niedrigere Limits, die man mit der Bank abspricht, oder eine kurze Rücksprache vor größeren Zahlungen. Gemeinsame Regeln schützen besser als Kontrolle, die sich wie eine Strafe anfühlt.
Und wenn man es selbst erzählen muss?
Einen perfekten Moment gibt es nicht. Es kann helfen, gleich zu sagen, was man braucht: „Ich brauche jetzt keine Vorwürfe, sondern Hilfe bei der Bank.“ Das gibt dem Gegenüber eine Aufgabe statt Raum für Vorwürfe. Wer das nicht in der Familie besprechen möchte, kann auch bei einer Beratungsstelle anfangen – die Nummern stehen in Teil 1.
Zum Mitnehmen
Drei Fragen, die man sich vorher stellen kann
Wüsste in meiner Familie jemand, dass er mit mir darüber reden kann?
Wer das vorher sagt, macht es im Ernstfall leichter.
Finde ich die Sperrnummer meiner Bank in einer Minute?
Im Ernstfall sucht niemand gern lange.
Mit wem würde ich ein Angebot besprechen, das mir verlorenes Geld verspricht?
Eine zweite Meinung ist der beste Schutz vor dem zweiten Betrug.
Die Serie „Nach dem Klick“
Teil 5Betrug in der Familie: So gelingt das Gespräch (Sie lesen gerade)
Nächste Serie: „Selbst nachsehen“ – wie Sie mit öffentlichen Werkzeugen prüfen, wer hinter einer Seite, einer Anzeige oder einem Bild steckt. Sie startet mit „Wer steckt hinter dieser Facebook-Seite?“.
