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Historische Feuer-Saison: Was befeuert die Brände in Frankreich und Spanien?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 28, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Historische Feuer-SaisonWas befeuert die Brände in Frankreich und Spanien?

Die Schweizer Klimawissenschaftlerin Julia Miller geht davon aus, dass in den kommenden Wochen noch weitere schlimme Waldbrände folgen. (Foto: picture alliance / SIPA)

In Spanien wütet der größte Waldbrand in der jüngeren Geschichte des Landes. In Frankreich erreichen die Feuer mit etwa 100.000 Hektar verbrannter Fläche seit Jahresbeginn einen historischen Rekordwert. Dabei ist die Waldbrand-Saison noch lange nicht vorbei – im Gegenteil, eigentlich geht sie im August erst so richtig los. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum sind die Waldbrände in Frankreich und Spanien so gewaltig?

Ein wichtiger Faktor waren die starken Niederschläge im Januar und Februar. Damals brach ein Wintersturm nach dem nächsten über die beiden Länder herein: Felder wurden überschwemmt, Autos in braunen Fluten davongerissen, unzählige Strommasten gekippt.

„Nach feuchten Wintern gibt es in Südwesteuropa beste Wachstumsbedingungen für die Pflanzen“, sagt die Klimawissenschaftlerin Julia Miller vom Schweizerischen WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Gräser, Sträucher und Unterholz schossen in die Höhe. „Durch die dann folgenden zwei Hitzewellen ist die Vegetation ausgetrocknet, weshalb sich Brände schnell und stark ausbreiten können, sobald eine Zündquelle auftritt.“

Was steht Südwesteuropa noch bevor?

„Jede weitere Hitzewelle macht die Situation nicht besser“, sagt Miller, die gerade eine Studie zu sich gegenseitig verstärkenden Waldbrandrisiken veröffentlicht hat. Sie habe eine Skizze gemalt, welche die Lage illustriert: „Eine Sonne mit einem Strohhalm, mit dem sie die Feuchtigkeit aus Boden und Pflanzen zieht.“ Je wärmer es sei, desto mehr Feuchtigkeit könne die Atmosphäre aufnehmen und desto schneller ziehe sie die Feuchtigkeit aus Seen, Flüssen, Pflanzen und Boden. Nach Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) ist in Spanien schon jetzt mehr als doppelt so viel Fläche abgebrannt wie sonst im Durchschnitt in einem ganzen Jahr, in Frankreich sogar mehr als die fünffache Fläche.

Miller geht davon aus, dass in den kommenden Wochen noch weitere schlimme Waldbrände folgen. „Wir bräuchten Feuchtigkeit in der Vegetation und im Boden, damit Waldbrände sich weniger schnell ausbreiten können.“ Aber unter den derzeitigen Bedingungen wachse nichts nach. Selbst wenn es jetzt mal kurz regne, würden Boden und Pflanzen nur oberflächlich angefeuchtet. „Wenn es weiter so heiß und trocken bleibt, kann man da vorerst nicht mit Entspannung rechnen.“

Wie stark trägt der Klimawandel zu der Eskalation bei?

Eine so extreme Bodendürre wie in diesem Jahr in Westeuropa sei etwa fünfmal wahrscheinlicher als ohne die menschengemachte Klimaerwärmung, heißt es in einer jüngst vorgestellten Analyse der World Weather Attribution (WWA). Niederschlagsdefizite, die früher keine Dürre ausgelöst hätten, würden heute zu Dürrebedingungen führen. Denn ausschlaggebend sei nicht allein der Mangel an Regen, sondern vor allem die durch Hitze dramatisch gestiegene Verdunstung.

Derzeit liegt die Erde bei einer Klimaerwärmung von etwa 1,4 Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung. „Sollten die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad Celsius ansteigen lassen, könnten diese intensiven Verdunstungsbedingungen doppelt so wahrscheinlich werden und Dürren wie diese zu einem regelmäßigen Ereignis machen“, sagte Mariam Zachariah vom Imperial College London und der WWA vergangene Woche.

Ihr Kollege Theo Keeping gibt aktuell zu bedenken, dass die wahren Kosten der Brände unterschätzt würden. „Aus wissenschaftlicher Sicht ist mit Zehntausenden zusätzlichen Todesfällen aufgrund von Rauchbelastung zu rechnen.“ Laut Umweltbundesamt entsteht die wesentliche Gesundheitsgefährdung bei Bränden durch die hohe Feinstaubbelastung.

Was kann man gegen diese Entwicklung tun?

Langfristig sei natürlich eine Begrenzung des Klimawandels zentral, meint Forscherin Miller. Doch klar sei: In den kommenden Jahren verschlimmere sich die Feuerwetterlage weiter. „Deswegen müssen wir auf jeden Fall auch stärker auf Waldbrandmanagement und Landmanagement setzen.“

Das Wissenschaftsnetzwerk EASAC, ein Verbund der Nationalakademien der EU, mahnte im vergangenen Jahr ebenfalls eine veränderte Brandbekämpfung an. Wichtig sei es nicht nur, gegen die Feuer vorzugehen, sondern die Bedingungen zu vermeiden, die ein unkontrolliertes Ausbreiten von Bränden begünstigen – etwa durch verbesserte Landschaftsplanung.

In Spanien beklagen Fachleute auch, dass Wälder vielerorts nicht mehr ausreichend gepflegt würden und sich dadurch große Mengen brennbaren Materials ansammelten. „Das Hauptproblem ist, dass wir den Wald nicht mehr pflegen“, betont Forstexperte Paco Castañares in der Zeitung „El Español“. Auch ist die Landflucht ein Problem: Weil viele Menschen in die Städte ziehen und Dörfer leerstehen, werden landwirtschaftliche Flächen aufgegeben und Weiden nicht mehr abgegrast – die Verbuschung nimmt dadurch zu.

Müssen solche Brände auch in Deutschland befürchtet werden?

„Im Zuge des Klimawandels werden sich wärmere und trockenere Klimazonen voraussichtlich in Richtung der nördlichen europäischen Breiten ausdehnen“, heißt es in einer im Dezember erschienenen Studie im Fachjournal „Communications Earth and Environment“. Das verstärke die Brandbedingungen und erhöhe die Menge an trockenem Brennmaterial, wodurch das Risiko großer Waldbrände auch dort steige.

Das Ergebnis einer weiteren Studie, die sich gezielt mit den Einzugsgebieten von Donau, Main und Elbe beschäftigt: Die Waldbrandgefahr nimmt im Laufe des Jahrhunderts überall deutlich zunimmt – vor allem aber im Einzugsgebiet des Mains und in den östlichen bayerischen Mittelgebirgen. „Dort wird eine hohe Waldbrandgefahr bis zum Ende des Jahrhunderts zum Normalzustand.“

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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