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Startseite»Nachrichten»Anschlag auf Berliner CSD : Wie groß ist der Queerhass unter Islamisten? 
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Anschlag auf Berliner CSD : Wie groß ist der Queerhass unter Islamisten? 

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 28, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Anschlag auf Berliner CSD Wie groß ist der Queerhass unter Islamisten? 

28.07.2026, 09:25 Uhr Von Solveig Bach
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Extremisten verachten und hassen die freie und pluralistische Gesellschaft, egal, wo sie sich äußert. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

Ein verurteilter Islamist, möglicher Hass auf queeres Leben – und viele offene Fragen: Was trieb den Berliner Attentäter Abdul B. an? Zahlen und Studien zeichnen ein verstörendes Bild wachsender Gewalt gegen queere Menschen.

Was ist bisher über die Motivation des Berliner Attentäters bekannt? 

Der Berliner Verdächtige Abdul B., ein deutscher Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln, war den Behörden als Angehöriger der islamistischen Szene bekannt. Im Mai war er wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verurteilt worden. Er hatte versucht, sich dem Islamischen Staat als Kämpfer anzuschließen. Ob B. gezielt den CSD in Berlin als Veranstaltung der queeren Community angegriffen hat oder ob er lediglich eine Großveranstaltung mit vielen Menschen attackieren wollte, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.  

Inwiefern passt B. in ein mögliches Muster von Tätern, die gezielt queere Menschen angreifen? 

Auffällig ist, dass die meisten Täter im Zusammenhang mit queerfeindlicher Gewalt jung und überwiegend männlich sind. Das trifft auch auf den 21-Jährigen zu. Studien zufolge sehen die Angreifer LSBTIQ* „oft als Bedrohung für traditionelle Geschlechterrollen und heteronormative Familienstrukturen“, schreibt das BKA in seinem „Lagebild zur kriminalbezogenen Sicherheit von LSBTIQ*“ zu Erklärungsansätzen. Sie rationalisieren die Gewalt gegen queere Menschen häufig als Akt der Verteidigung von Religion, Gemeinschaft oder Familie. 

Meist gibt es keine persönliche Beziehung zu den Opfern, deren Ablehnung teilweise mit einer Entmenschlichung einhergeht. Dadurch wird die Verantwortung für den Angriff den Opfern zugeschoben, die sich im Weltbild der Täter gesellschaftlichen Normen und Erwartungen widersetzen. „Häufig sind es Menschen, die in ihrem Leben an irgendetwas gescheitert sind und dann Zuflucht in extremen Ideologien suchen“, sagt Alexander Vogt vom Verband Queere Vielfalt (LSVD+) ntv.de. „Beeinflusst durch diese Ideologien lehnen sie eine freie Sexualität ab, was auch immer dazugehört. Und natürlich auch diesen unbändigen Lebenswillen, die Freiheit, die wir leben, dass es uns gut geht.“ Neid spiele dabei eine wichtige Rolle. Seiner Familie zufolge wuchs B. in einem „nicht extrem religiösen“ schiitisch-islamischen Umfeld auf. In Berlin lebte der spätere mutmaßliche Attentäter mit seiner Mutter und zwei der drei Schwestern zusammen. Möglicherweise radikalisierte er sich unbemerkt von seiner Familie.  

Was sagen die offiziellen Zahlen zur Motivation für queerfeindliche Gewalt? 

Das BKA hebt hervor, dass es bei diesen Straftaten nicht um die „Schädigung der oder des Einzelnen geht“. Vielmehr richten sich die Angriffe gegen eine Gruppe, die als vermeintlich ungleichwertig oder schwach angesehen wird. Die psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung stellt einen unmittelbaren Zusammenhang mit tief verankerter Homophobie oder Transphobie fest. „Ein zentraler Aspekt der Tatmotivation ist die Wahrnehmung einer Bedrohung der eigenen sozialen oder moralischen Normen.“ 

Wie häufig ist diese Gewalt islamistisch motiviert?

Laut Lagebild waren lediglich 3,33 Prozent der Angriffe demnach von ausländischer Ideologie, weitere 3,71 Prozent von religiöser Ideologie motiviert. Unter letzterem Punkt können aber auch andere Religionen als der Islam fallen. Der Verfassungsschutz und einzelne Landesämter thematisieren in eigenen Papieren ausdrücklich „Queerfeindlichkeit im Islamismus“ und beschreiben queere Menschen als fest verankertes Feindbild im islamistischen Milieu. Sie speise sich aus einer Mischung aus religiös-traditionalistischen Sexual- und Geschlechternormen, einem heteronormativen, patriarchalen Weltbild und dem ideologischen Kampf gegen als „westlich“ definierte Liberalität und Pluralität. Vogt verweist darauf, dass unter dieser fundamentalistischen Queerfeindlichkeit zuallererst Schwule, Lesben und Transpersonen aus muslimischen Familien leiden. „Wenn man über diesen Hass schweigt, dann lässt man genau die im Stich.“ 

Wie sehen diese Zahlen im Verhältnis zu anderen Motiven aus? 

35,56 Prozent der Übergriffe waren dem Lagebild zufolge 2023 rechtsextrem motiviert. Bundesweit berichten die Organisierenden von CSDs in den vergangenen Jahren zumeist von Bedrohungslagen, die von rechtsextremen Gruppen ausgehen. Häufig handelt es sich um Gegendemonstrationen, es werden aber auch immer wieder queere Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Vorfeld oder Nachgang von Veranstaltungen auch tätlich angegriffen. Außerdem gibt es einen sehr großen Anteil von 54,28 Prozent, in dem sonstige Motive zusammengefasst werden. Das liegt unter anderem an der unterschiedlichen Erfassung von Daten in den verschiedenen Bundesländern. Alexander Vogt verweist an dieser Stelle auf Taten, bei denen nicht ermittelt wird, ob es sich um homophobe Gewalt handelt. „Wir hatten diese Fälle, in denen schwule Männer über Apps in Fallen gelockt wurden. Dann wurden sie überfallen, ausgeraubt und zusammengeschlagen. In Frankfurt/Oder standen jetzt fünf junge Leute vor Gericht, da haben sich Menschen aus dem rechten und aus dem islamistischen Milieu für diese Taten zusammengetan. Das macht mir dann schon Angst.“  

Warum gibt es keine eindeutigen Zahlen? 

Zusätzlich zu den Unschärfen bei der Erfassung spricht das BKA von einem großen Dunkelfeld, weil viele Taten gar nicht angezeigt werden. Die Studie „A long way to go for LGBTI equality“ kam 2020 zu dem Ergebnis, dass 96 Prozent der LGBTQI* Hate Speech und 87 Prozent körperliche oder sexuelle Übergriffe nicht anzeigen. Oft fürchten die Betroffenen, bei der Polizei nicht ernst genommen oder sogar erneut diskriminiert zu werden. 

Wie hat sich die Zahl von Straftaten gegen queere Menschen in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt? 

Im Lagebild vom Dezember 2024 gab das Bundeskriminalamt rund 1785 Straftaten an, die sich gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche sowie queere Menschen (LSBTIQ*) richteten. Bei der Vorstellung der Zahlen sprach die damalige SPD-Innenministerin Nancy Faeser von einem besorgniserregenden Anstieg queerfeindlicher Straftaten über die vergangenen Jahre. 

Um welche Straftaten handelt es sich? 

Zu den häufigsten gegen LSBTIQ* gerichteten Straftaten gehörten im Jahr 2023 Beleidigungen, Gewalttaten, Volksverhetzungen sowie Nötigungen und Bedrohungen. 212 Menschen wurden allein Opfer von Gewalttaten, im Jahr zuvor waren es 197. 

Quelle: ntv.de

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