US-Verteidigungsminister Hegseth hatte es im Juni angekündigt, nun starten die USA mit der Überprüfung ihrer Truppenpräsenz in Europa. Das erklärte Ziel: Europa soll selbst die Hauptverantwortung für seine Sicherheit übernehmen.
Die USA haben mit der angekündigten Überprüfung ihrer Truppenpräsenz in Europa begonnen. Es handele sich um eine „echte Überprüfung“, schrieb Staatssekretär Elbridge Colby, die Nummer Drei in der Hierarchie des Pentagon, auf der Plattform X. Diese solle sicherstellen, dass die NATO zügig darauf hinarbeite, dass Europa die Hauptverantwortung für seine konventionelle Verteidigung übernehme.
US-Präsident Donald Trump kritisiert seit Langem immer wieder, dass die Verteidigungsausgaben europäischer NATO-Staaten zu gering seien. Viele Staaten – darunter Deutschland – haben ihren Etat dafür zuletzt aber deutlich erhöht.
Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte die Überprüfung der US-Präsenz beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister im Juni in Brüssel angekündigt und gesagt, sie solle etwa sechs Monate dauern.
Keine Details zu den Überprüfungen
„Die NATO war zu lange ein Papiertiger und eine Einbahnstraße, aber damit ist jetzt Schluss“, so Hegseth damals. Zwar stellte er Fortschritte bei der Aufrüstung der europäischen Verbündeten fest, sprach aber auch von Rückschritten. So habe US-Präsident Trump die Mitgliedsstaaten getestet, aber „zu viele“ hätten versagt.
Damit spielte Hegseth offenbar darauf an, dass andere NATO-Staaten den USA Unterstützung im Iran-Krieg verweigert hatten. Die USA und Israel hatten den Krieg gegen Iran im Februar begonnen. Die NATO-Partner waren dabei allerdings nicht eingebunden. Viele Experten bewerten das Vorgehen der USA in Iran als völkerrechtswidrig.
Staatssekretär Colby nannte in seinen Posts keine Einzelheiten, was genau an militärischer Präsenz nun überprüft werde. Im Juni berichteten Medien allerdings davon, dass neben der Truppenstärke unter anderem auch die Anzahl der in Europa stationierten Kampfjets, Drohnen, Tankflugzeuge und Seeeinheiten analysiert und reduziert werden solle. Die USA haben derzeit etwa 80.000 Soldatinnen und Soldaten in Europa stationiert.
US-Verteidigung setzt andere Prioritäten
Die Überprüfung solle sicherstellen, dass die Militärpräsenz der USA in Europa deren aktuellen Strategien entspräche und unter anderem auf einem klaren Verständnis der geopolitischen und militärischen Realitäten beruhe, schrieb Colby.
Aus der im Januar vorgelegten neuen Verteidigungsstrategie von Präsident Trump geht hervor, dass die USA zwar weiter fester Bündnispartner der NATO und damit Verbündeter der Europäer sein wollen, aber ihre Prioritäten in der Verteidigung ihres Heimatlandes und der Abschreckung Chinas sehen.
Im Frühjahr hatten Trump und Hegseth bereits einen US-Truppenabzug auch aus Deutschland angekündigt und damit für Aufsehen in den möglicherweise betroffenen Kommunen gesorgt.
Dabei gab es widersprüchliche Angaben, die Rede war zeitweilig von mindestens 5.000 (von derzeit etwa 39.000 Soldaten) Soldaten, die angeblich in sechs bis zwölf Monaten aus Deutschland abgezogen werden sollten. Zudem stoppte Washington die geplante Stationierung von Langstrecken-Marschflugkörpern in Deutschland.
