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Startseite»Politik»Waldbrände in Südeuropa – warum Löschen allein nicht mehr reicht
Politik

Waldbrände in Südeuropa – warum Löschen allein nicht mehr reicht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 29, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.07.2026 • 09:17 Uhr

Extreme Hitze, ausgetrocknete Böden, starker Wind: Im Süden Europas wüten derzeit Waldbrände. Forschende warnen, dass solche Ereignisse durch den Klimawandel häufiger werden – und suchen nach Wegen, die Risiken zu minimieren.

Von Katharina Wilhelm, HR

Es sei ein ungleicher Kampf, den viele Einsatzkräfte derzeit gegen die Flammen kämpfen, sagt Forstwissenschaftler und Feuerökologe Alexander Held vom European Forest Institute (EFI): „Der kieferndominierte Südhang in Spanien, in dem es auch noch zehn Grad wärmer ist als vor 20 Jahren, da stehen sie wie im Boxring als normaler Mensch einem Mike Tyson gegenüber.“

Die Feuer erreichten dabei oft eine Dimension, bei der selbst gut ausgerüstete Einsatzkräfte an ihre Grenzen gelangten. Für ihn sei eigentlich schon ein „Wendepunkt“ erreicht, an dem man sich fragen müsse, ob man mit der Feuerbekämpfung, wie man sie bislang plane und immer wieder aufstocke, auf dem richtigen Weg sei.

Klimawandel verlängert die Feuersaison

Dass Waldbrände in Europa zunehmen, hängt eng mit der Erderwärmung zusammen. Höhere Temperaturen führen dazu, dass mehr Wasser verdunstet und Böden sowie Vegetation stärker austrocknen. Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erklärt, dass sich dadurch auch die Feuersaison verlängert. Sie beginne früher im Jahr und reiche weiter in den Herbst hinein. Das Zeitfenster, in dem Brände entstehen können, werde damit immer größer.

„Die meisten Brände werden zwar durch Menschen und ihre Unachtsamkeit ausgelöst, der Klimawandel schafft aber zunehmend Bedingungen, wo aus einem Funken der nächste Waldbrand entsteht.“

Menschen verursachen die meisten Brände

Als Ursache von Waldbränden spielt der Mensch eine zentrale Rolle. „Wir gehen davon aus, dass der Großteil tatsächlich menschengemacht ist“, sagt Anja Hofmann-Böllinghaus von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), die auch im EU-Projekt TREEADS zu Waldbränden forscht.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums waren im vergangenen Jahr 27 Prozent der Waldbrände in Deutschland auf Fahrlässigkeit zurückzuführen. Rund jeder fünfte Brand wurde vorsätzlich gelegt.

Besondere Herausforderungen gibt es etwa in Brandenburg. Dort befinden sich in vielen Waldgebieten noch Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden. „Diese Munition macht die Brandbekämpfung sehr schwierig, weil man sich nicht nähern darf“, sagt Hofmann-Böllinghaus. In Gohrischheide im Landkreis Meißen hat sich im vergangenen Jahr Munition selbst entzündet und zu einem Brand geführt. Die Deutsche Umwelthilfe fordert schon länger, die Altmunition trotz der hohen Kosten zu räumen.

Technik soll Brände früher erkennen

Um Waldbrände frühzeitig zu entdecken, setzen Forschende und Behörden zunehmend auf neue Technologien. Drohnen werden bereits zur Beobachtung eingesetzt. Zudem soll Künstliche Intelligenz dabei helfen, Rauch oder andere typische Muster schneller zu erkennen.

Auch die Europäische Union baut ihre Vorsorge aus. Für die aktuelle Saison wurden zusätzliche Feuerwehrkräfte, Löschflugzeuge und Hubschrauber bereitgestellt. Zudem entsteht in Zypern ein neues Zentrum für die Waldbrandbekämpfung.

„Es gibt keine Zukunft ohne Feuer“

Für Feuerökologe Held greift der Fokus auf die Brandbekämpfung allerdings zu kurz. Entscheidend sei, die sogenannte Brandlast zu verringern, also trockenes Gras, Sträucher oder abgestorbenes Gehölz, die einem Feuer als Brennstoff dienen.

Eine Möglichkeit sei die Beweidung schwer zugänglicher Flächen durch Ziegen oder andere Weidetiere. Diskutiert werden zudem kontrollierte, präventive Feuer. Dabei werden unter sicheren Bedingungen kleinere Brände gelegt, um brennbares Material gezielt zu reduzieren. Solche Verfahren wurden von indigenen Gemeinschaften in Australien oder Nordamerika über Jahrhunderte angewandt und werden dort inzwischen wieder verstärkt genutzt.

„Wir müssen uns eingestehen, es gibt keine Zukunft ohne Feuer“, sagt Held. Die Frage sei deshalb nicht, ob Landschaften brennen, sondern unter welchen Bedingungen. Und wie groß die Brände werden können. Kirsten Thonicke gibt zu bedenken, dass so ein Vorgehen sehr eng im lokalen Kontext abgestimmt werden muss, zum Beispiel weil „die Rauchentwicklung zu starke Gesundheitsrisiken für die umliegende Bevölkerung bedeutet.“

Mischwälder können helfen

Auch die Zusammensetzung der Wälder spielt eine Rolle. Thonicke plädiert dort, wo es ökologisch möglich ist, für einen Umbau von Nadelbaum-Monokulturen hin zu artenreicheren Mischwäldern. Laubbäume speichern mehr Feuchtigkeit und können die Ausbreitung von Feuer erschweren. Dadurch sinkt das Risiko, dass sich Bodenfeuer zu besonders gefährlichen Kronenbränden entwickeln. Allerdings seien auch solche Wälder bei extrem intensiven Bränden nicht geschützt.

Im Mittelmeerraum stoße der Waldumbau zudem an natürliche Grenzen. Dort seien viele Ökosysteme an Trockenheit und Feuer angepasst. Wichtiger sei es deshalb, den Unterwuchs und andere leicht entzündliche Vegetation zu managen.

Deutlich mehr verbrannte Flächen erwartet

Wie stark die Gefahr künftig zunimmt, daran arbeitet das PIK gerade. Nach Angaben von Thonicke deutet eine neue Studie, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll, darauf hin, dass die Waldbrandgefährdung in Europa selbst dann steigt, wenn das 1,5-Grad-Ziel eingehalten wird. Je nach Region könnten die verbrannten Flächen um 25 bis 100 Prozent zunehmen. In einer Welt mit drei bis vier Grad Erwärmung wären die Folgen noch deutlich gravierender, sofern Prävention und Brandbekämpfung nicht massiv ausgebaut werden.

Aus Sicht der Forscherin braucht es deshalb eine europäische Strategie, die über die reine Feuerbekämpfung hinausgeht. Dazu gehörten Waldumbau, Aufklärung, Risikomanagement und gemeinsame Standards für die Prävention. Denn mit zunehmender Hitze und Trockenheit dürfte die Frage nicht mehr sein, ob Europa künftig häufiger Waldbrände erlebt, sondern wie gut sich Gesellschaft und Landschaften darauf vorbereiten.

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