Spanien, Frankreich, Italien und nun die griechische Insel Paros: Heftige Waldbrände wüten in vielen Teilen Europas. Die Lage bei Bordeaux hat sich zuletzt stabilisiert – doch eine neue Hitzewelle bereitet der Feuerwehr Sorgen.
Weiterhin brennen in vielen Teilen Südeuropas große Flächen Wald – die große Hitze erschwert die Löscharbeiten. In der vergangenen Nacht sind erneut Feuer im Brandgebiet nahe der französischen Stadt Bordeaux an der Atlantikküste aufgeflackert. Gestern hatte es an insgesamt 14 Stellen Neuausbrüche der Flammen gegeben – mit Rauchsäulen, die kilometerweit zu sehen waren. Nach Angaben der Präfektin des Départements, Sophie Brocas, ist das Feuer weiterhin aktiv – allerdings stabilisiert.
Das heißt, die Brandfläche hat sich innerhalb der vergangenen zwei Tage insgesamt nicht nennenswert ausgedehnt, das Feuer ist jedoch nicht unter Kontrolle. Mit dem Start einer neuen Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 42 Grad fürchten die Einsatzkräfte, dass große Trockenheit und Wind den Brand wieder unkontrolliert auflodern lassen könnten. Der Wetterdienst Météo France warnte vor einem Anstieg des Waldbrandrisikos.
Tausende Feuerwehrleute im Einsatz
Um zu verhindern, dass die Lage erneut komplett außer Kontrolle gerät, roden die Einsatzkräfte Waldflächen rund um das Brandgebiet. Schneisen mit einer Gesamtlänge von 120 Kilometern wurden bereits angelegt. Freiwillige bringen Wassertanks in Position. Weiterhin seien 2.750 Feuerwehrleute, 23 Löschflugzeuge und über 1.400 Polizeikräfte im Einsatz, so Brocas. 110 Feuerwehrleute seien inzwischen im Einsatz verletzt worden.
Doch es gebe auch positive Nachrichten: Die Bewohner von drei vorsorglich evakuierten Ortschaften, die von den Flammen bislang verschont wurden, dürfen zurück in ihre Häuser.
Feuer auf Paros
Derweil ist auch auf der griechischen Insel Paros ein großer Waldbrand ausgebrochen. Die Feuerwehr auf der Kykladen-Insel ist laut der Zeitung Proto Thema seit gestern mit Dutzenden Kräften im Dauereinsatz und forderte Unterstützung von umliegenden Inseln wie Naxos und Syros sowie vom Festland an.
Insbesondere die Ortschaft Agkairia sei von den Flammen bedroht, heißt es. Die Nacht sei „schwierig“ gewesen, am Morgen habe sich die Lage allerdings verbessert, teilte der für Paros und die Nachbarinsel Antiparos zuständige Behördenvertreter, Vazeos Petropoulos, mit.
Das Feuer sei heute nicht mehr so heftig, auch wenn es noch vereinzelte Brandherde gebe, so Petropoulos. Er warnte: „Wir müssen wachsam bleiben.“ Örtlichen Behörden zufolge wurden etwa zehn Ortschaften vorsorglich evakuiert. Wie viele Bewohner oder Touristen von der Maßnahme betroffen waren, war zunächst nicht bekannt. Bisher war Griechenland in diesem Jahr weitgehend von Hitzewellen verschont geblieben.
Erfolge bei Brandbekämpfung in Spanien
In Spanien feiern die Einsatzkräfte bei der Bekämpfung mehrerer verheerender Waldbrände Erfolge. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez nach einer Sitzung des Krisenstabs in Madrid. In der Region rund um die Hauptstadt wurden bereits gestern Abend erste Evakuierungsbefehle aufgehoben. Etwa 20.000 Menschen konnten in ihre Häuser zurückkehren. Weitere etwa 14.000, die ihre Wohnungen nicht hatten verlassen dürfen, konnten wieder ins Freie, wie der Vertreter der Zentralregierung in der Region Madrid, Francisco Martín, mitteilte.
Die Löscharbeiten haben sich unterdessen zu einem Rennen gegen die Uhr entwickelt, denn der Wetterdienst AEMET hat für heute den Beginn der vierten Hitzewelle des Sommers angekündigt. Diese soll mindestens bis Sonntag anhalten.
Größtes Feuer in jüngerer Geschichte
Die Waldbrände treffen vor allem die Provinz Ávila westlich von Madrid sowie die benachbarten Regionen Madrid und Toledo. Dort verwüsteten die Flammen zusammen bisher knapp 80.000 Hektar Wald- und Buschland, davon knapp 50.000 Hektar allein in Ávila. Dieses Feuer ist damit das größte der jüngeren Geschichte Spaniens, das heißt seit Beginn der Erfassungen im Jahr 1968. Seit dem Wochenende hat sich die Ausbreitung der Brände allerdings deutlich verlangsamt.
Auch in der Provinz Castellón im Osten Spaniens brennt es weiter. Im Gebiet Vall d’Uixó erfassten die Flammen bisher rund 10.000 Hektar. Dort waren insgesamt rund 16.000 Menschen evakuiert worden, viele konnten inzwischen aber zurückkehren.
Brände auch in Italien, Portugal und der Türkei
In Italien kämpft die Feuerwehr ebenfalls gegen zahlreiche Brände. Allerdings haben die Feuer längst nicht das Ausmaß wie in Frankreich und Spanien. Betroffen sind insbesondere Regionen auf dem Festland im Süden sowie Italiens größte Inseln Sizilien und Sardinien. Auch aus Portugal wurden in den vergangenen Tagen Brände gemeldet.
In der südwesttürkischen Provinz Muğla an der Ägäis wurden nach Ausbruch eines Waldbrandes ein lokales Krankenhaus und Wohngebiete evakuiert. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu und die oppositionsnahe Agentur Anka meldeten, werde der Brand im Bezirk Seydikemer seit heute aus der Luft und vom Boden aus bekämpft. Fünf Flugzeuge, 18 Hubschrauber, 63 Löschfahrzeuge und mehr als 700 Einsatzkräfte seien in das Gebiet entsandt worden.
Mehr als 200 Menschen mussten demnach ihre Häuser verlassen. Aufgrund der starken Rauchentwicklung in der Region sei die Straße zwischen den Städten Fethiye und Antalya für den zivilen Verkehr gesperrt worden, meldete Anadolu.
Mit Informationen von Cai Rienäcker, ARD-Studio Paris.
