Trotz InflationsgefahrFed lässt unter neuem Chef Leitzins unverändert
Mit Spannung wird der Zinsentscheid der Fed erwartet, Experten halten zwei Optionen für realistisch. Nun steht fest, dass es zu keiner Veränderung kommt. Mehrere Mitglieder des zuständigen Ausschusses hätten lieber eine Erhöhung gesehen.
Die US-Notenbank fasst den Leitzins trotz anhaltender Inflationsgefahr nicht an. Die Federal Reserve (Fed) beließ ihn in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Diese Entscheidung stieß bei drei Mitgliedern des Offenmarktausschusses der Fed auf Widerspruch. Sie sprachen sich für eine Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt aus.
Von Reuters befragte Experten hatten mit einer Zinspause gerechnet, auch wenn sich der neue Fed-Chef Kevin Warsh mit Signalen zum Zinskurs bewusst zurückgehalten hatte. Die durch den Energiepreisschock infolge des Iran-Krieges befeuerte Inflation hat zuletzt zwar nachgelassen. Mit 3,5 Prozent war die Teuerung im Juni jedoch noch immer relativ hoch. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die Fed im September die Zinsen anheben wird.
„Die Währungshüter haben ungeachtet der jüngsten Eskalation der Lage im Nahen Osten vorerst die Füße stillgehalten. Die Differenzen innerhalb des Gremiums über den angemessenen geldpolitischen Kurs nehmen indes merklich zu. Schon im Juni hatten einige Notenbanker gute Gründe für eine straffere Geldpolitik gesehen“, sagte Elmar Völker von der Bank LBBW Research.
Ölpreise weiter hoch
Mit dem Wiederaufflammen des Iran-Krieges sind auch die Ölpreise weiter angestiegen, was die Gefahr sogenannter Zweitrundeneffekte erhöht. Damit ist ein Hochschaukeln von Preisen und Löhnen gemeint, womit die Inflation weiter angetrieben wird. Dies will die Notenbank unbedingt vermeiden.
Fed-Chef Warsh hat klargestellt, dass die Fed keine dauerhaft erhöhte Inflation dulden könne. Er hat sich zugleich vorgenommen, die Fed zu reformieren, und dafür Projektgruppen einberufen. Eine von ihnen nimmt dabei das Rahmenwerk der Fed zur Inflation unter die Lupe. Warsh ließ Kritik an der Arbeit der Notenbank unter seinem Vorgänger Jerome Powell anklingen, da sie die erhöhte Inflation in den vergangenen Jahren nicht in den Griff bekommen habe.
