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Deutsche Wirtschaft mit Mini-Wachstum | tagesschau.de

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 30, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.07.2026 • 11:56 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg zuletzt minimal gewachsen. Zuvor hatten bereits die jüngsten Konjunkturdaten wie Industrieaufträge, Produktion und Exporte nach oben gewiesen.

Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von April bis Juni um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt heute nach einer ersten Schätzung mitteilte.

„Die Zahlen sind inklusive der Aufwärtsrevision für das erste Quartal besser als gedacht“, sagte Jens-Oliver Niklasch, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Es ist bereits das dritte Plus in Folge: Im Schlussquartal 2025 reichte es zu einem Wachstum von 0,3 Prozent, in den ersten drei Monaten 2026 zu einem Plus von 0,4 Prozent.

Daten zeigen nach oben

Zuletzt hatten die jüngsten Konjunkturdaten bereits alle nach oben gewiesen. Industrieaufträge, Produktion, Exporte, Baugenehmigungen und Einzelhandelsumsatz zogen jeweils an. In der Industrie sind die Auftragsbücher mittlerweile so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn der Statistik 2015. Auch die Reichweite des Auftragsbestands liegt mit 8,9 Monaten auf Rekordniveau.

Der Bundesbank zufolge könnten die deutsche Exporteure davon profitiert haben, dass ihre internationalen Wettbewerber – vor allem in Asien – stärker von Engpässen bei Vorprodukten betroffen waren. „Alles in allem scheint die Stimmung schlechter zu sein als die Lage. Die Befürchtungen hinsichtlich der Auswirkungen des Konflikts am Persischen Golf haben sich bislang als nicht stichhaltig herausgestellt“, so Analyst Niklasch.

Stimmung in Unternehmen zuletzt verbessert

Gestützt wird die Konjunktur auch von der Politik. Sie steckt Milliarden in Infrastruktur und Rüstung. DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater betont: „Eine richtige Aufbruchstimmung hat das Reformpaket der Bundesregierung noch nicht hervorgebracht, es ist trotzdem ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Wohl auch deshalb hat sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft im Juli bereits den dritten Monat in Folge aufgehellt, wie das ifo Institut bei seiner Umfrage unter 9.000 Managern aller Branchen herausfand. Das Barometer liegt mit 86,6 Zählern allerdings immer noch deutlich unter dem unmittelbar vor Ausbruch des Iran-Kriegs im Februar erreichten Wert von 88,5 Punkten.

„Die deutsche Wirtschaft ist bereit, Schwung aufzunehmen“, sagt ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe. „Für die Gesamtwirtschaft zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend ab.“ In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich laut ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser die Erholung denn auch fortsetzen.

Risiken für die Konjunktur bleiben

Große Risiken bleiben allerdings. So ist der Iran-Konflikt in den vergangenen Tagen wieder aufgeflammt und hat den Ölpreis zeitweise über die Marke von 100 Dollar je Fass getrieben. Die Konjunktur dürfte deshalb auch im zweiten Halbjahr unter den hohen Energiepreisen leiden. „Für den weiteren Konjunkturverlauf in der positiv gestarteten zweiten Jahreshälfte kommt es insbesondere auf die Entwicklung im Nahen Osten an“, so Philipp Scheuermeyer, Konjunkturexperte bei der Förderbank KfW.

Hinzu kommen hohe US-Zölle und die zunehmende Konkurrenz durch China, etwa bei Autos und Maschinen. Auch das Niedrigwasser am Rhein kann Experten zufolge die deutsche Wirtschaftsleistung drücken. „Insgesamt könnten die Effekte stark genug sein, um das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozent zu dämpfen“, sagte Ökonom Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

Für das Gesamtjahr sieht es deshalb mau aus: Die meisten Experten rechnen nur mit einem Wachstum von etwa einem halben Prozent. Erst für 2027 sind die Prognosen optimistischer. Dann soll ein Plus von deutlich mehr als einem Prozent drin sein.

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