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Startseite»Politik»Warum Paare ihre Kinder von Leihmüttern in Mexiko austragen lassen
Politik

Warum Paare ihre Kinder von Leihmüttern in Mexiko austragen lassen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 30, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.07.2026 • 17:51 Uhr

Auch Paare aus Deutschland nutzen das Angebot: In Mexiko ist das Geschäft mit Leihmüttern hochgradig kommerzialisiert. Doch es gibt keine einheitliche Rechtslage, und das birgt Gefahren für Leihmütter und Wunscheltern.

Von Christina Moebus, ARD Mexiko-Stadt

Carey Nañez strahlt über das ganze Gesicht, als sie auf ihrem Handy Fotos von Eva und Kalea zeigt; den Zwillingen, die sie für ein Paar aus den USA ausgetragen hat, das selbst keine Kinder kriegen konnte. Drei Jahre sind die Kinder jetzt alt. Persönlich gesehen hat Nañez sie das letzte Mal im Alter von drei Monaten.

„Es freut mich zu sehen, dass sie glücklich sind, dass es den Mädchen gut geht“, sagt die Mexikanerin. Hin und wieder bekommt sie Fotos von den Kindern. Vom Strand. Von Geburtstagen. An Weihnachten. Über eine Facebook-Anzeige ist die 27-Jährige darauf gekommen, sich als Leihmutter anzubieten.

Agenturen und Kliniken in Mexiko nutzen Social-Media-Plattformen für die Akquise, werben mit umfassender medizinischer, rechtlicher und psychologischer Betreuung. Ein paar Klicks und Gesundheitschecks im Krankenhaus später war der Vertrag unterschrieben. Auch die Wunscheltern standen schon in den Startlöchern.

Etwa 20.000 Euro für die Leihmutter

Heute übt Nañez Kritik an der Agentur: „Die Agentur hat gesagt, dass ich die Eltern vorher kennenlernen würde. Tatsächlich habe ich sie bis zur 8. Woche nie gesehen“, berichtet sie. „Da konnte man den Herzschlag des Kindes beim Ultraschall hören. Der Arzt hat kurz per Videocall bei der Mutter angerufen und ihr gesagt, dass es zwei Kinder sind und nicht nur eins.“

Umgerechnet etwa 20.000 Euro hat Nañez für die Leihmutterschaft erhalten. Das Geld investierte sie in Therapien für ihren kranken, eigenen Sohn.

Leihmutterschaft ist ein globales Geschäft. In vielen europäischen Ländern ist es verboten, für Fremde zu kommerziellen Zwecken Kinder auszutragen. Das verlagert den Kinderwunsch vieler Paare ins Ausland.

Auch Deutsche „bestellen“ Babys in Mexiko

Vivian Günther zählt stolz auf, aus welchen Ländern sie Kundinnen und Kunden hat. Ihre Agentur „Babygest“ in Mexiko-Stadt vermittelt Leihmütter – auch an Deutsche, etwa 15 pro Jahr. Dafür zahlen sie – zum Beispiel bei einer In-Vitro-Befruchtung – umgerechnet 50.000 Euro.

Dass Babys als Ware behandelt würden, weist die Rechtsanwältin zurück. Leihmütter würden nicht willkürlich ausgesucht: „Ich glaube, dass ein Verfahren ethisch durchgeführt werden kann – die Leihmutter darf zum Beispiel nicht alleine von einer Leihmutterschaft leben und sie muss bestimmte psychologische und soziale Kriterien erfüllen“, sagt Günther. „Wenn das garantiert ist, dann finde ich nicht, dass wir hier von einer Kommerzialisierung reden.“

Auch wenn die Schwangerschaft und die Leihmuttervermittlung ethisch korrekt ablaufen, ein Problem bleibt in Mexiko: die unsichere Rechtslage. Das sagt auch Veronica Esparza, Anwältin bei der mexikanischen Frauenrechtsorganisation GIRE.

Bei Verbot „wandert alles auf den Schwarzmarkt“

„Wir haben eine sehr fragmentierte Rechtslage, in der jeder Bundesstaat eigenständig befugt ist, zivil und familienrechtliche Fragen zu regeln“, erklärt Esparza. „In manchen Bundesstaaten wurde Leihmutterschaft geregelt, während in anderen es ausdrücklich verboten ist. Das führt natürlich zu einer großen Unsicherheit.“

Das Ergebnis: Bei der legalen Anerkennung der Elternschaft sind Leihmütter und Wunscheltern in Mexiko von der Gunst einzelner Richter abhängig.

Auch Leihmutter Carey Nañez musste eine Behörden-Odyssee über sich ergehen lassen. Der Richter erkannte die DNA-Proben wochenlang nicht an. Trotzdem ist sie weiter Befürworterin von Leihmutterschaften. „Die Lösung besteht nicht darin, es zu verbieten, sondern es zu regulieren und so zu gestalten, dass jeder, der es tun möchte, dies auf sichere Weise machen kann“, findet Nañez. „Ich glaube, wenn Regierungen etwas verbieten, wandert alles auf den Schwarzmarkt, ins Verborgene.“

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