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Startseite»Politik»Rekord-Niedrigwasser im Rhein belastet Binnenschifffahrt in NRW
Politik

Rekord-Niedrigwasser im Rhein belastet Binnenschifffahrt in NRW

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 1, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 01.08.2026 • 12:04 Uhr

Das Niedrigwasser im Rhein ist eine Herausforderung für die Binnenschifffahrt und eine finanzielle Belastung für Unternehmen. Welche Einschränkungen und Maßnahmen es gibt – und was die Pegelstände damit zu tun haben.

Freitagmorgen, kurz hinter Emmerich auf niederländischer Seite. Das Frachtschiff „Guus“ liegt auf dem Trockenen. Der Bug steht auf Sand, das Heck ragt leicht über die Wasserfläche hinaus. Es ist ein Sinnbild dessen, was die Wirtschaft nach historisch trockenen Wochen in diesem Sommer beschäftigt: Denn das Niedrigwasser im Rhein macht die Fahrt für die Binnenschiffe immer schwieriger.

Der Pegelstand der so wichtigen Wasserstraße ist teils so niedrig wie nie zuvor gemessen. Im niederländischen Lobith erreichte er am Donnerstag den niedrigsten jemals gemessenen Wert. In Köln wurde der Pegelstand-Rekord am Freitagabend gebrochen, bis Samstagvormittag auch in Bonn, Düsseldorf und Rees. Mehr dazu hier:


  • Mehrere neue Rekord-Tiefstände am Rhein gemessen
    Pfeil rechts

Geht es so weiter, drängt sich manchem vielleicht die Frage auf, ob die Schifffahrt auf dem Rhein bald eingestellt werden muss. Doch ist das realistisch? Welche Maßnahmen werden bei niedrigen Pegelständen ergriffen? Und was sagen Pegelstände überhaupt aus? Fragen und Antworten.

Die kurze Antwort lautet: Gar nicht. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Schifffahrt auf dem Rhein komplett eingestellt wird. Das betonte Martin Wolters vom Wasser- und Schifffahrtsamt Rhein (WSA) im WDR-Interview.

Es gibt keine Sperre bei Niedrigwasserstand, anders als zum Beispiel bei Hochwasser.

Martin Wolters, Wasser- und Schifffahrtsamt Rhein

Gleiches sagt Fabian Spieß vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Allgemein gelte aber die Regel: Ein Schiff darf niemals „auf Knirsch“ fahren. Die verfügbare Wassertiefe in der Fahrrinne muss immer größer sein als der Tiefgang des Schiffes. Je nach Wasserstand gibt es also individuell berechnete Maximalbeladungen. Ob noch gefahren werden kann, entscheidet der jeweilige Binnenschiffer.

Die Industrie und Binnenschifffahrt sei auf die angespannte Lage vorbereitet, sagt WSA-Rhein-Mitarbeiter Wolters. Vorkehrungen für das Niedrigwasser werden längst getroffen. Eine Notlösung: Mehr Fahrzeuge auf dem Rhein, die jeweils weniger Ladung verschiffen.

Sinkt der zulässige Tiefgang eines Frachtschiffs, kann das bereits mehrere hundert Tonnen weniger Ladung bedeuten. Statt einer Fahrt sind dann mehrere Transporte nötig. Das dauert allerdings einerseits länger – und kostet andererseits deutlich mehr Geld.


  • Niedrigwasser: „Als Erstes spürt es die Industrie“
    Pfeil rechts

Finanziell können sich Binnenschiffer bis zu einem gewissen Grad freuen: Denn mehr Schifffahrten bedeuten für sie mitunter mehr Einnahmen. Um wirtschaftlich zu bleiben und Kosten wie beispielsweise Personal und Treibstoff auszugleichen, erheben Reedereien bei Niedrigwasser zusätzliche Gebühren. Auch reagieren sie unter anderem mit Ausweichrouten oder so genannten Kleinwasserzuschlägen.

Für Unternehmen wie den Duisburger Konzern Thyssenkrupp Steel hingegen sorgen geringere Ladungen pro Schiff für höhere Transportkosten je Tonne. Denn für die gleiche Menge an Gütern müssen mehr Schiffe und mehr Fahrten bezahlt werden.


  • Trockenheit belastet NRW-Wirtschaft
    Pfeil rechts

Trotzdem rechne es sich aktuell für die Industrie noch, sagte Marcel Beck vom Logistikunternehmen Rheincargo dem WDR. Selbst wenn Frachtschiffe ihre Kapazitäten nicht ausschöpfen könnten, hätten sie noch ein deutlich höheres Fassungsvermögen als Lkw.

Selbst da reden wir noch darüber, dass hier 20 bis 30 Lkw im Schiff drin sind.

Marcel Beck, Rheincargo

Hinzu kommt, dass es sogar niedrigwasseroptimierte Schiffe gibt. Ein Beispiel ist die „Stolt Ludwigshafen“, die vom Chemiekonzern BASF und Stolt Tankers speziell für den Rhein-Transport bei sehr niedrigen Wasserständen entwickelt wurde – mit einem breiten und hydrodynamisch optimiertem Schiffskörper sowie gewichtsoptimierter Bauweise.

Aus wirtschaftlicher Sicht lässt sich aber generell festhalten: Je länger das Niedrigwasser wie aktuell im Rhein anhält, desto mehr steigt das Risiko für weiter steigende Transportkosten, industrielle Produktionsverluste und Lieferengpässe. Zu spüren bekommen das dann auch die Verbraucher.

Sind Pegelstand und Wassertiefe das Gleiche? Das könnte man meinen, doch diese Annahme ist falsch. Es sind zwei unterschiedliche Werte, wie Prof. Boris Lehmann von der TU Darmstadt auf der Website des Science Media Center Germany erklärt: „Der Begriff Pegel bezieht sich auf den Wasserstand an einem Messpunkt oder auf das Gerät, um diesen zu messen. Der Wasserpegel entspricht nicht der allgemeinen Wassertiefe, da er nur den Wasserstand am Messpunkt widerspiegelt.“

Grafik zur Fahrrinne von Schiffen und dem Wasserpegel in Flüssen

Um den Pegelstand bzw. Wasserstand zu messen, wird am sogenannten Pegelnullpunkt angesetzt. Dieser Nullpunkt liegt nicht am tiefsten Punkt des Gewässers, der Flusssohle.

Die Wassertiefe hingegen beschreibt den Abstand des Gewässergrunds bis zur Wasseroberfläche. Die Fahrrinne, also die verfügbare Wassertiefe für Schiffe, wird geringer, wenn der Wasserstand sinkt. Schiffe müssen dann weniger laden, um ihren Tiefgang zu verringern. „Bei höheren Wasserständen ist es auch möglich, außerhalb dieser Fahrrinne zu fahren“, sagt WSA-Rhein-Mitarbeiter Wolters. Nun aber müssen die Frachtschiffe innerhalb der Fahrrinne bleiben.


  • Ein Tag mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt
    Pfeil rechts

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Martin Wolters, Wasser- und Schifffahrtsamt Rhein
  • WDR-Gespräch mit Marcel Beck, Rheincargo
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Online-Artikel des Science Media Center Germany
  • Bisherige WDR-Berichterstattung zum Niedrigwasser im Rhein

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 31.07.2026, 16:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 31.07.2026, 18:45 Uhr

Westdeutscher Rundfunk

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