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Liegt es am Umspannwerk?: Lazarett der San Francisco 49ers nimmt absurde Züge an

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 5, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Die San Francisco 49ers wollen in der kommenden NFL-Saison wieder ganz oben angreifen. Doch nach nicht mal zwei Wochen im Training Camp geht das Team in zahlreichen Mannschaftsteilen am Stock – schon wieder.

Die San Francisco 49ers sind eines der erfolgreichsten Teams der NFL mit fünf Super-Bowl-Titeln auf dem Briefkopf. Doch der letzte Triumph liegt nun auch schon drei Jahrzehnte zurück. Zuletzt stand das Team von Head Coach Kyle Shanahan seit dessen Ankunft 2017 zweimal im Super Bowl, verlor jedoch jeweils gegen die Kansas City Chiefs. Dass es nicht längst zum erneuten großen Wurf reichte, lag auch immer wieder am Verletzungspech.

Im Vorjahr schien dies aber trotz insgesamt 19 verletzter Spieler nicht ins Gewicht zu fallen. Weder der lange Ausfall von Edge-Rusher Nick Bosa (Kreuzbandriss), noch die schwere Knöchelverletzung von Superstar-Linebacker Fred Warner früh in der Saison oder der Achillessehnenriss von Tight End George Kittle im Dezember warfen das Team aus der Bahn. Vielmehr legte Shanahan seine wohl beste Saison als Coach und Play-Caller hin, um all das – und noch so viel mehr – zu kaschieren und das Team dennoch mit einer 12-5-Bilanz locker und frühzeitig in die Playoffs zu führen.

Dort allerdings war nach einer herben Klatsche beim späteren Champion Seattle Seahawks in der zweiten Runde Schluss, nachdem man immerhin Titelverteidiger Philadelphia zuvor ausgeschaltet hatte – ebenfalls eine beeindruckende Leistung, auch wenn die Eagles ihre eigenen Baustellen hatten. 2026 nun sollte alles besser werden, die verletzten Stars werden schließlich zeitnah zurückkehren, während man neue Leute im Frühjahr holte, vor allem mit dem Ziel, die Kadertiefe zu verbessern.

Lazarett schon Anfang August üppig gefüllt

Jetzt haben wir Anfang August, also rund fünf Wochen vor Saisonstart in Australien gegen die Los Angeles Rams (11. September deutscher Zeit), und das Lazarett in San Francisco ist schon jetzt üppig gefüllt. Während immerhin Bosa schon wieder trainieren kann, steht Kittle nach dem Achillessehnenriss auf der PUP List (Physically Unable to Perform). Letzteres jedoch war zu erwarten und heißt nicht, dass er es nicht doch bis zum Saisonstart zurück auf den Platz schafft, was sein erklärtes Ziel ist.

Weniger gut sieht es jedoch bei Wide Receiver Ricky Pearsall aus, der nach nur zwei Jahren in der NFL schon jetzt eine beachtliche Krankenakte vorweist. Pearsall hat sich das hintere Kreuzband gerissen und wird die Saison nach einer Operation komplett verpassen. Besonders bitter: Offenbar stammt diese Verletzung noch aus dem vergangenen Dezember und wurde erst jetzt richtig diagnostiziert. Zuvor hatte er in seinen zwei Jahren NFL unter anderem aufgrund von Oberschenkelproblemen und nach einer Schusswunde am Oberkörper kurz vor seiner Rookie-Saison 2024 nur 20 von 34 Spielen gemacht.

Damit aber nicht genug, denn mit den Neuzugängen Mike Evans (Quadrizepszerrung), Christian Kirk (Wade) und Rookie De’Zhaun Stribling (Oberschenkel) mussten gleich drei weitere Wide Receiver in den vergangenen Tagen zumindest mal im Training kürzer treten oder gänzlich passen. Die Lage im Receiving Corps ist so bedrohlich, dass man mittlerweile mit Deebo Samuel einen alten Bekannten zurückgeholt hat. Einen, den man im Vorjahr bereitwillig an die Washington Commanders abgegeben hatte.

Andernorts im Kader muss Rookie-Running-Back Kaelon Black mit Adduktorenproblemen passen, Positionskollege Isaac Guerendo steht mit einer Brustmuskelverletzung auf PUP und Edge Rusher Mykel Williams steht mit Knieproblemen ebenfalls auf PUP. Selbst die Preseason ist noch über eine Woche entfernt und schon jetzt wirkt die Personalsituation in der Bay Area äußerst problematisch.

Wer ist schuld an der Misere?

Die Frage nach der Ursache für diese erneute Verletzungsmisere muss abermals gestellt werden. Jedoch dürfte die in den sozialen Medien kursierende Verschwörungstheorie, die dem Umspannwerk neben dem Trainingsgelende in Santa Clara/Kalifornien und etwaiger elektromagnetischer Felder die Schuld gibt, wirklich nur eine solche sein. General Manager John Lynch wies die Idee schon vor Monaten von sich, zumal auch unabhängige Test keinen anderslautenden Befund erbrachten.

Was ist es also dann? Hier wird das Zeigen mit Fingern schwierig, da mehrere Erklärungen denkbar sind. Sind es Trainingsmethoden oder -intensität? Der Rasen wird es nicht sein, denn im Levi’s Stadium liegt Naturrasen, ebenso auf dem Trainingsplatz. Ist der Physiostaff das Problem? Dieser wurde in den vergangenen Jahren nicht großartig verändert. Vielmehr verbesserte man sogar die Krafträume im Trainingskomplex. Bleibt also nur übermäßiges Pech als Erklärung? Wohl kaum, denn rien statistisch würde sich dies über die Zeit ausgleichen, doch hatten die Niners 2024 sogar noch mehr Spieler auf der Verletztenliste (27).

Somit rückt der Fokus auf die Spieler selbst. Hier fällt auf, dass die 49ers Stand jetzt den im Schnitt zweitältesten der NFL aufbieten (28,67 Jahre). Und ein Großteil der Spieler, die jetzt schon wieder verletzt sind, hatten in den vergangenen Jahren schon die Tendenz, sich häufiger mal zu verletzen. Gerade Evans plagte sich in den vergangenen paar Spielzeiten bei den Tampa Bay Buccaneers immer mal wieder mit Problemen am großen hinteren Oberschenkelmuskel herum – im Vorjahr kam dann auch noch ein Schlüsselbeinbruch dazu. Insgesamt verpasste er dann neun der 17 Spiele.

Auch ein Kirk war in den vergangenen Jahren arg gebeutelt und absolvierte für die Jaguars und Texans nur 33 von 51 möglichen Spielen seit Beginn der Saison 2023. Pearsall war selten fit und mit Linebacker Dre Greenlaw holte man sich nun auch noch einen potenziellen Leistungsträger zurück ins Boot, der zehn Spiele seit Saisonstart 2024 gemacht hat. Der rote Faden scheint klar: man setzt häufig genug auf Spieler, die per se eher anfällig für Verletzungen sind, teilweise wusste man dies auch schon vor deren Verpflichtungen.

Entsprechend ist es kein Fluch oder ominöse Magnetfelder, die für die Vielzahl an Verletzungen sorgen, sondern womöglich einfach eine zu naive Kaderplanung. Damit ist es erneut an Kyle Shanahan, etwaige – und erwartbare – planerische Defizite im Laufe der Saison zu kaschieren.

Verwendete Quelle: ntv.de

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