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Politik

Industrie überrascht dank Großaufträgen mit kräftigem Auftragsplus

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 6, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 06.08.2026 • 11:32 Uhr

Die deutschen Industrieunternehmen haben zuletzt mehr Aufträge an Land gezogen als erwartet. Es ist bereits der zweite Anstieg in Folge. Trotzdem bleiben Risiken für die Industrie bestehen, warnen Ökonomen.

Deutschlands Industrieunternehmen, allen voran die Maschinenbauer, haben im Juni mehr Aufträge erhalten: Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe stieg im Vergleich zum Vormonat um 3,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Es ist bereits der zweite Zuwachs in Folge.

„Die guten Auftragseingänge legen die Grundlage für eine mittelfristige Produktionsausweitung“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, mit Blick auf die heute veröffentlichten Zahlen: „Die deutsche Wirtschaft hat damit die Trendwende vollzogen und dürfte auf Sicht der kommenden Jahre wieder höhere Wachstumszahlen ausweisen.“

Zuwachs nur dank Großaufträgen

Allerdings gibt es auch zwei Wermutstropfen: So wären die Bestellungen ohne Großaufträge geschrumpft. Außerdem wurde der Mai-Zuwachs nachträglich auf 0,3 Prozent nach unten korrigiert. Zuvor hatten die Auftragseingänge im Mai bei 1,9 Prozent gelegen.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht deshalb noch keinen kräftigen Aufschwung. „All das erinnert wieder einmal daran, dass sich die deutsche Wirtschaft selbst dann nur zögerlich erholen dürfte, wenn das Öl wieder durch die Straße von Hormus fließt“, sagte Krämer. „Letztlich leiden die deutschen Unternehmen weiter unter einer schlechten Standortqualität, die die geplanten Reformen der Bundesregierung nicht wesentlich verbessern dürften.“

Niedrigwasser wird zum Risiko

Auch Jens-Oliver Niklasch, Ökonom der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), verwies auf die nach wie vor vorhandenen Risiken: „Freilich schwebt das Ölpreis-Risiko latent über allem, und mit den Pegelständen der großen Flüsse ist ein neues Abwärtsrisiko dazugekommen.“

Das Niedrigwasser auf Europas wichtigster Wasserstraße, dem Rhein, behindert seit Tagen die Binnenschifffahrt und kann Lieferketten unterbrechen, was wiederum die Produktion ausbremsen könnte.

Gerade in den am Rhein liegenden Bundesländern bezögen sehr viele Unternehmen ihre Güter, Rohstoffe und Vorprodukte über die Wasserstraße, sagte Simon Gerards Iglesias vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) im ZDF-Morgenmagazin: „Für ein Unternehmen wie BASF ist es lebensnotwendig, dass der Rhein als Wasserstraße funktioniert, wenn es 40 Prozent seiner Produkte hierüber abfertigt.“

Großaufträge im Maschinenbau

Die positive Entwicklung im Juni geht vor allem auf die deutlichen Anstiege im Maschinenbau (+12,7 Prozent) und bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (+22,7 Prozent) zurück. „In beiden Bereichen meldete eine Reihe von Betrieben Großaufträge“, erklärten die Statistiker.

Auch der Zuwachs in der Autoindustrie (+3,8 Prozent) wirkte sich positiv aus. Im sonstigen Fahrzeugbau – dazu gehören Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge – fielen die Bestellungen um 41,7 Prozent im Vergleich zum hohen Niveau des Vormonats ab. Zu Großaufträgen in diesem Bereich liegen den Statistikern zufolge bislang nur unvollständige Daten vor.

Viele Bestellungen aus dem Inland

Ausschlaggebend für die Zunahme der Aufträge war laut Bundeswirtschaftsministerium die Zunahme der inländischen Aufträge; sie stieg um 7,8 Prozent. „Starke Zuwächse bei den Investitionsgüterproduzenten dürften demnach vermutlich insbesondere in Verbindung mit öffentlichen Beschaffungen im Rahmen der Modernisierung der Bundeswehr wie auch mit Aufträgen im Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität im Zusammenhang stehen“, erklärte das Ministerium.

Die Nachfrage aus dem Ausland zeige sich ungeachtet geopolitischer Konflikte „bemerkenswert robust“ – die Auslandsaufträge legten im Juni um 0,2 Prozent zu. Dabei brachen allerdings die Bestellungen aus der Eurozone um 14 Prozent ein, während die aus dem übrigen Ausland um 10,2 Prozent zulegten.

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