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Startseite»Politik»Gold ist wieder gefragt: Zehn Prozent über Jahrestiefstpreis
Politik

Gold ist wieder gefragt: Zehn Prozent über Jahrestiefstpreis

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 10, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 10.08.2026 • 14:37 Uhr

Am Rohstoffmarkt fällt der Goldpreis mit einer deutlichen Erholung auf. Das hat vor allem mit den Zinserwartungen zu tun. Daneben zeichnen sich aber auch andere Kurstreiber ab.

Detlev Landmesser

Es tut sich was am Goldmarkt. Seit einigen Tagen zieht der Goldpreis kräftig an. Erstmals seit Mitte Juni kostet eine Feinunze (31,1 Gramm) wieder mehr als 4.300 Dollar. Seit dem Jahrestief von 3.943 Dollar Ende Juni hat sich die Notierung mit aktuell 4.340 Dollar um gut zehn Prozent erholt.

Keine Zinserhöhung im September?

Was hat diese Kursbewegung ausgelöst? Beobachter machen vor allem eine Veränderung bei den Zinserwartungen aus. Zuletzt ist die Wahrscheinlichkeit, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) schon im September den Leitzins erhöht, wieder zurückgegangen.

Noch Ende Juli waren die meisten Marktteilnehmer von einer Zinserhöhung ausgegangen. Laut dem Fed Watch Tool der Chicagoer Terminbörse CME hat der Wind aber zuletzt wieder gedreht und eine Mehrheit geht wieder von unveränderten Zinsen aus. Dazu trug auch der enttäuschend ausgefallene Arbeitsmarktbericht am Freitag bei, der die Furcht vor einem baldigen Zinsschritt der Fed zerstreute.

Noch weit unter Rekordhoch

Trotz der Erholung liegt der Goldpreis aber noch deutlich unter seinen Rekordständen von Ende Januar. Damals wurden für eine Feinunze nach einer für die Anlageklasse beispiellosen Rally fast 5.600 Dollar bezahlt.

Ende 2023 hatte eine Feinunze noch etwas mehr als 2.000 Dollar gekostet. Dann folgte, getrieben von Kriegen, Handelskonflikten, sinkenden Zinsen, der hohen Staatsverschuldung und Zentralbankkäufen der historische Anstieg.

Manchmal versagt Gold als „sicherer Hafen“

Damit hatte Gold seiner klassischen Rolle als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten entsprochen. Der Iran-Krieg seit Ende Februar zeigte jedoch, dass diese Kausalität nicht immer entscheidend ist. In manchen Phasen scheint Gold als Krisenmetall geradezu zu versagen.

Das liegt im Wesentlichen am Zusammenhang von Krisen und Zinsumfeld: Der Krieg am Persischen Golf ist das typische Beispiel einer Krise, die nicht für steigende Goldpreise spricht, sondern eher dagegen. Denn die im Zuge des Konflikts heftig gestiegenen Ölpreise heizen die Inflation an, und damit die Erwartung, dass die Zentralbanken der Welt mit Zinserhöhungen reagieren werden.

Und steigende Zinsen sind Gift für den Goldpreis, denn das Edelmetall wirft keine Zinsen ab, womit verzinste Anlagen relativ attraktiver werden. Der rapide Umschwung der Zinserwartungen erklärt zumindest einen Teil der Gold-Schwäche seit dem Frühjahr. Noch Anfang des Jahres waren die Märkte eigentlich von zwei Zinssenkungen der Fed im Jahresverlauf ausgegangen.

Zentralbanken kaufen wieder

Die Zinsperspektiven, die insgesamt weiter auf anziehende Zinsen deuten, sprechen also für die nächsten Monate nicht unbedingt für steigende Goldnotierungen. Wichtigster Faktor hier dürfte die weitere Entwicklung im Iran-Krieg sein – eine nachhaltige Entspannung würde auch den Goldpreis entlasten.

Eine wichtige Preisstütze bleiben aber die Käufe der internationalen Zentralbanken, die ihre Goldreserven kontinuierlich weiter aufstocken. Laut dem World Gold Council, der Interessenvertretung der globalen Goldförderer, haben die Notenbanken im zweiten Quartal 289 Tonnen Gold gekauft – ein neuer Rekordwert.

Allerdings sind die Daten mit gewisser Vorsicht zu genießen. Angesichts des Nachfrageeinbruchs im Zuge des Iran-Kriegs musste der Verband im Juli seine Schätzung für das erste Quartal von ursprünglich 244 Tonnen drastisch auf nur noch 57 Tonnen revidieren.

Günstige Saisonalität

Nicht unterschlagen sollte man auch die günstige Saisonalität für Gold. Statistisch gesehen waren bisher im Zeitraum von Juli bis Januar meist steigende Goldpreise zu beobachten.

Das wird oft mit der „Hochzeitssaison“ in Indien begründet, die im Herbst beginnt. Tatsächlich ist Indien der zweitgrößte Goldkonsument der Welt und ein hoher Anteil der physischen Nachfrage entfällt auf Hochzeitsschmuck. Allerdings scheint sich das Nachfrageverhalten aufgrund der seit 2024 stark gestiegenen Goldnotierungen geändert zu haben, und zunehmend wird wohl bereits vorhandener Schmuck verwendet.

Fest steht allerdings allein, dass Gold wegen der Inflations- und Zinsängste in den vergangenen Monaten nicht gut als Krisenanlage funktioniert hat und Anleger angesichts der jüngsten Erfahrungen gerade am Rohstoffmarkt mit besonders heftigen Schwankungen rechnen müssen.

DAX weiter nahe Kursrekord

Die etwas aufgehellte Zinsperspektive verhilft heute auch dem Aktienmarkt zu weiter steigenden Kursen. Bis zum frühen Nachmittag gewinnt der DAX rund 0,3 Prozent auf 24.390 Punkte, was nur knapp unter dem Rekordhoch von Freitag bei 24.445 Punkten liegt.

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