30 Grad im Klassenzimmer sind keine Seltenheit. Hitze erschwert die Konzentration und kann für Kinder gesundheitlich problematisch werden. Doch viele Schulen sind auf hohe Temperaturen noch nicht ausreichend vorbereitet.
Das neue Schuljahr an der Helmholtzschule in Frankfurt startet mit hohen Temperaturen. „Es ist manchmal schwer, sich zu konzentrieren“, sagt Abiturient Norman Eßer. Seine Klassenkameradin Julia Schröter ergänzt, vor allem im dritten Stock sei der Unterricht anstrengend: „Das geht schon sehr in den Kopf.“
Die 1912 gegründete Schule wird derzeit thermisch saniert. Schuldirektor Gerrit Ulmke erklärt jedoch, dass die Maßnahmen vor allem auf Energieeinsparungen im Winter abzielten. Für die Temperaturen im Sommer brächten sie wenig. In den Klassenräumen seien 30 Grad keine Seltenheit. Darunter leide nicht nur die Konzentration der Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Technik: Überhitzte Serverräume führten teilweise dazu, dass Computerunterricht ausfallen müsse. Ulmke spricht sich deshalb für den zeitweisen Einsatz von Klimaanlagen aus.
Kinder besonders gefährdet
Während ältere Schülerinnen und Schüler vor allem unter der Belastung leiden, kann Hitze für jüngere Kinder auch gesundheitlich problematisch werden. „Bis etwa zum 14. Lebensjahr können Kinder Wärme noch nicht so gut über das Schwitzen abgeben wie Erwachsene“, erklärt Kinderarzt Christof Wettach, Co-Leiter der Arbeitsgruppe Pädiatrie bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG).
Dadurch geraten sie schneller in Hitzestress. Und der Unterricht sei ohnehin ab 26 Grad Raumtemperatur schwierig, weil dann die Konzentration abbaue. Wettach hat an einem Musterhitzeschutzplan für Schulen mitgearbeitet, der im Juni vorgestellt wurde. Zu den Empfehlungen gehören beispielsweise mehr Schattenplätze und der Verzicht auf Sportunterricht ab einer Raumtemperatur von 35 Grad. In besonderen Fällen könne auch Distanzunterricht von zu Hause aus sinnvoll sein.
Kurzfristige Hilfe, langfristiger Umbau
Viele Schulen reagieren bereits auf die zunehmende Hitze. Sie verkürzen den Unterricht, verlegen Stunden ins Freie oder bringen Hitzeschutzfolien an Fenstern an. Auch mobile Klimageräte kommen vereinzelt zum Einsatz. Sie sind jedoch wegen ihres hohen Energieverbrauchs und der verwendeten Kühlmittel umstritten.
Kirsten Schultheis-Schauer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen hält dennoch kurzfristige Maßnahmen für unverzichtbar: Klimageräte seien zwar keine dauerhafte Lösung, bei extremer Hitze derzeit aber oft die einzige Möglichkeit, Unterricht in erträglichen Bedingungen aufrechtzuerhalten.
Langfristig fordern sowohl die GEW als auch die Allianz Klimawandel und Gesundheit mehr Investitionen in hitzeresistente Schulgebäude. Dazu zählen gedämmte Dächer, außenliegende Jalousien, moderne Fenster, zusätzliche Schattenflächen und entsiegelte Schulhöfe.
Wer zahlt den Hitzeschutz?
Für solche Maßnahmen sind vor allem Städte und Kommunen zuständig. Wie hoch die Kosten bundesweit ausfallen werden, lässt sich derzeit nicht beziffern, sie dürften jedoch in die Milliarden gehen. Die hessische Landesschülervertretung fordert deshalb ein vom Land finanziertes Hitzeschutzprogramm für Schulen. Viele Kommunen könnten die notwendigen Investitionen allein nicht stemmen.
Besonders betroffen ist Frankfurt, wo Hitzetage bereits heute überdurchschnittlich häufig auftreten. Beim Amt für Bau und Immobilien arbeitet inzwischen eine eigene Arbeitsgruppe zum Thema Hitzeschutz. Künftige Bauprojekte sollen entsprechende Maßnahmen von Anfang an berücksichtigen.
Kinderarzt Wettach sieht das Thema inzwischen stärker im öffentlichen Bewusstsein: „Ich habe noch nie so viele Gespräche über Hitze, Hitzeschutz und den nötigen Klimaschutz geführt wie heute. Ich glaube schon, dass sich etwas bewegt.“
