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Startseite»Nachrichten»NRW: Erneute Korruptionsvorwürfe gegen Gefängnis
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NRW: Erneute Korruptionsvorwürfe gegen Gefängnis

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Diebstähle gegen AusgangErneute Korruptionsvorwürfe gegen Gefängniswärter in NRW

Die Justizvollzugsanstalt Euskirchen rückt zum zweiten Mal in den Fokus der Ermittler (Foto: picture alliance/dpa)

Er will Weihnachten bei seiner Familie verbringen, dafür soll er klauen. Ein Gefängnisinsasse sagt aus, dass Vollzugsbeamte ihn zu Diebstählen von Luxusartikeln anstifteten und im Gegenzug Vergünstigungen anboten. Es sind nicht die ersten Vorwürfe dieser Art gegen Mitarbeiter der JVA Euskirchen.

Ein 52-jähriger Angeklagter hat vor dem Düsseldorfer Amtsgericht ausgesagt, von Gefängniswärtern zu Ladendiebstählen angestiftet worden zu sein. Er sei zu den Taten aufgefordert worden, sagte der vorbestrafte Dieb. Im Gegenzug seien ihm offener Vollzug und Ausgang über Weihnachten in Aussicht gestellt worden.

Der 52-Jährige wurde heute zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung wegen Diebstahls verurteilt. Die Staatsanwältin hatte eine 18-monatige Haftstrafe beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

„Ich hatte mich in der JVA Euskirchen gewundert, dass andere schon viel früher in den offenen Vollzug durften als ich“, sagte der Angeklagte. Er habe einen Zellengenossen gefragt und dieser habe ihm dann erklärt, wie es laufe.

„Ich wollte über Weihnachten bei meiner Familie sein“

Nach Aussage des Angeklagten hat ihm unter anderem ein Abteilungsleiter der JVA Euskirchen erklärt, er könne sich Vergünstigungen auch ohne Geld verschaffen. Er habe teure Parfums und Sonnenbrillen der Marken Gucci, Prada und Ray-Ban verlangt.

„Ich wollte über Weihnachten 2025 und Neujahr bei meiner Familie sein“, sagte der Angeklagte. Daher habe er sich darauf eingelassen. Für seine Diebestour habe er am 22. November 2025 mehrere Stunden Ausgang bekommen. Prompt sei er an dem Tag in einem Düsseldorfer Kaufhaus beim Diebstahl einer Luxus-Sonnenbrille im Wert von 252 Euro erwischt worden. Ein Schaden sei dabei nicht entstanden, sagte die Richterin.

Vor Gericht gab der Angeklagte noch vier weitere Diebstähle zu, „bei denen ich nicht erwischt wurde.“ Davon seien drei Auftragstaten gewesen. In Köln war er auch erwischt worden und steht dort deshalb in der kommenden Woche vor Gericht. Der gelernte Schweißer muss noch bis Dezember 2027 eine andere Haftstrafe verbüßen.

Korruptionsvorwürfe gegen JVA sind bekannt

Auf Anfrage bei der zuständigen Bonner Staatsanwaltschaft sagte Staatsanwalt Jonas Stallkamp, ihm seien die Vorwürfe gegen die Vollzugsbeamten bekannt. Dabei sei der Name des Angeklagten bislang nicht aufgetaucht. Anfang Mai waren Korruptionsvorwürfe gegen Justizvollzugsbeamte im Gefängnis von Euskirchen bekanntgeworden, als Polizei und Justiz mit einer Razzia die Justizvollzugsanstalt und Wohnungen durchsuchte.

Die Ermittlungen richten sich gegen acht Justizvollzugsbeamte. Sie stehen im Verdacht, als Gegenleistung für das Gewähren von Hafterleichterungen Vorteile angenommen zu haben. Ermittelt wird auch gegen drei ehemalige Häftlinge der JVA. Den Inhaftierten sollen demnach im Gegenzug für Zahlungen oder vergleichbare Vorteile verschiedenste Lockerungen des Vollzugs gewährt worden sein, wie etwa Ausgang und Hafturlaube, oder aber Informationen über anstehende Kontrollen.

Auch anderen JVA-Mitarbeitern wird Bestechlichkeit vorgeworfen

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Gefängnis in Nordrhein-Westfalen im Fokus von Korruptionsvorwürfen steht und bereits das zweite Mal, dass der JVA Euskirchen unter anderem Bestechlichkeit ihrer Vollzugsbeamten vorgeworfen wird. Bereits im Mai wurden Ermittlungsverfahren gegen Bedienstete der JVA eingeleitet, die mutmaßlich Gefangenen gegen monatliche Zahlung an sie „Abos“ anboten, um vor anstehenden Kontrollen durch sie zu warnen.

In der JVA Rheinbach wurden bei Razzien Mitte Juli Kokain und Amphetamine in den Privatwohnungen von Gefängnismitarbeitern gefunden. Die Bediensteten sollen gegen Geld Handys und Drogen für Gefangene in das Gefängnis geschmuggelt haben. Wegen der mutmaßlichen Bestechung ermittelte die Polizei bereits seit 2024.. Die verdächtigten Justizbediensteten wurden suspendiert und NRW-Justizminister Benjamin Limbach kündigte umfassende Maßnahmen an.

Auch in Willich laufen Korruptionsermittlungen gegen zwei Vollzugsbeamte. Gegen sie wird wegen des Verdachts des Drogenhandels und der Bestechlichkeit ermittelt, Mitte Juli gab es Durchsuchungsmaßnahmen in der JVA Willich 1, woraufhin Ermittlungen eingeleitet wurden.

Quelle: ntv.de, kaz/dpa

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