Die Internationale Walfangkommission hat in Australien über die weltweiten Bestände beraten. Auf ein großes Schutzgebiet konnten sich die Mitglieder nicht verständigen – dafür aber auf andere Maßnahmen.
Das geplante Schutzgebiet im Südatlantik wäre mehr als doppelt so groß gewesen wie die USA. Doch es ist erneut gescheitert. Sie sei sehr enttäuscht, sagt die Meeresbiologin Franziska Saalmann von Greenpeace, die bei den Verhandlungen im australischen Hobart vor Ort war. Es fehlten nur vier Stimmen für die nötige Dreiviertelmehrheit.
Die Walfanglobby auf der anderen Seite bestehe auch aus vielen karibischen und afrikanischen Staaten, sagt Saalmann – weil dort Gelder aus Japan hinflössen, erklärt sie.
Datenaustausch zu Walstrandungen
Japan hat die Internationale Walfangkommission 2019 verlassen. Trotz eines weltweiten Moratoriums, das den Walfang verbietet, halten Norwegen, Island und Japan an der kommerziellen Jagd fest. Die Länder argumentieren, Wale müssten grundsätzlich nutzbar sein. Die Bestände bestimmter Arten seien groß genug, um eine begrenzte Jagd zu verkraften. Und Walfleisch stehe in ihren Ländern traditionell auf dem Speiseplan.
Eine Einigung aller Mitglieder gab es bei der Konferenz im australischen Hobart bei Walstrandungen. Hier soll der Datenaustausch international verbessert werden – also wann, wo und wie es zu einer Strandung kam. Ziel ist, Walstrandungen besser zu verstehen und in Zukunft möglichst zu verhindern.
Schiffsrouten sollen angepasst werden
Bei Kollisionen von Schiffen und Walen sterben jedes Jahr Tausende Tiere, besonders Großwale. Hier haben die Delegierten eine Resolution verabschiedet, die darauf abzielt, dass unter anderem Schiffsrouten angepasst werden, erklärt Meeresbiologin Saalmann.
Hotspots, an denen viele Wale vorkommen, bekannte Nahrungsgebiete oder Fortpflanzungsgebiete sollen demnach umschifft werden. „Ansonsten kann auch ganz simpel die Reduzierung der Geschwindigkeit dazu beitragen, dass weniger Wale gerammt werden“, sagt sie.
Beifang soll verringert werden
Dazu wurde eine Resolution verabschiedet, die den Beifang von Kleinwalen und Delfinen in Fischernetzen verringern soll. Sie geraten oft mit in die Netze, wenn Fischer auf der Jagd nach sogenannten Schwimmblasen sind, einem inneren Organ des Fisches, das ihm hilft zu schweben.
In Asien werden sie in der traditionellen Medizin eingesetzt und zu hohen Preisen verkauft, erklärt Mona Schweizer, Biologin der Tierschutzorganisation ProWildlife. Bei bestimmte Arten ließe sich damit im Kilopreis mehr erzielen als mit Gold, sagt sie. „Da stehen schon entsprechende finanzielle Interessen dahinter.“
Klimaschutz als Reizwort
Die Resolution solle Druck auf die Länder ausüben, Maßnahmen zu ergreifen und den Handel mit Schwimmblasen bestenfalls zu verbieten. Die Gespräche mit den USA seien nicht einfach gewesen, sagt Schweizer. Worte wie Klimawandel oder Treibhausgase hätten gestrichen werden müssen, damit es zu einer Annahme der Resolution durch die USA kommen konnte.
Die Schweiz hatte bereits am Mittwoch eine von ihr selbst eingebrachte Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen überraschend zurückgezogen – noch bevor die bereits angesetzte Arbeitsgruppe über Änderungen am Text verhandeln konnte. Über 100.000 Delfine und Kleinwale würden jährlich durch gezielte Jagd getötet – denn das Moratorium für kommerziellen Walfang gelte nur für Großwale.
Daran werde sich nun auch weiterhin nichts ändern, kritisiert Saalmann von Greenpeace. Damit sei eine große Chance vertan worden.
Resolutionen nicht rechtlich bindend
Die Resolutionen der Walfangkommission sind rechtlich nicht bindend. Sie geben aber politische Empfehlungen und können Druck auf die Mitgliedstaaten ausüben.
Gegründet wurde die Internationale Walfangkommission 1946, mit dem Ziel, den stark industrialisierten Walfang zu regulieren und die Bestände zu erhalten. Der Organisation gehören inzwischen 89 Staaten an.

