Was tun, um die Lieferketten für Industrie und Handel auch bei Niedrigwasser aufrechtzuerhalten? Transporte könnten verlagert werden – auf die Straße und auf die Schiene. Ein konkretes Hilfsangebot kam von der Deutschen Bahn.
Die Hitzewelle hat weite Teile Deutschlands weiter fest im Griff – mit massiven Folgen für die Menschen, aber auch für Wirtschaft und Handel. Die Deutsche Bahn hat nun Hilfe angeboten, um die Folgen des Niedrigwassers auf Deutschlands Flüssen abzumildern: Die Tochter DB Cargo könnte ad hoc rund 400 Güterwagen zusätzlich mobilisieren, signalisierte deren Vorstandschef Bernhard Osburg bei einem Treffen von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) mit seinen Länderkollegen.
Bilger betonte nach dem Treffen den akuten Handlungsbedarf: Die Wasserstände von Rhein und Donau blieben vorerst sehr niedrig. Deshalb müsse die Politik jetzt pragmatisch handeln. Bilger verwies auf bereits umgesetzte Maßnahmen wie Ausnahmen beim Sonntagsfahrverbot für Lkw. Ziel sei es, Lieferketten und Produktionsprozesse möglichst aufrechtzuerhalten und ein Ausweichen auf Straße und Schiene zu erleichtern.
Der Vorsitzende der Länder-Verkehrsminister, Bayerns Ressortchef Christian Bernreiter (CSU), verteidigte die Ausnahmen beim Sonntagsfahrverbot für Lkw: Es sei richtig, dass mehrere Länder bereits das Sonntagsfahrverbot für Lkw vorübergehend ausgesetzt haben. Zwar gebe es noch keine Lieferengpässe, aber die Politik müsse jetzt für mehr Flexibilität im Güterverkehr sorgen, so Bernreiter.
Bahn könnte auch langfristig helfen
Nach Einschätzung der DB Cargo kann die Bahn auch hier helfen: Man könne in den nächsten Monaten bis zu 500 weitere Güterwagen für ein langfristiges Vorhaltekonzept gegen Niedrigwasser bereitstellen, hieß es. Dessen Finanzierung wäre zu klären. Kurzfristig seien mit Güterzügen bis zu 100 Binnenschiffe zu ersetzen, langfristig rund 200. Ein einziger Güterzug könne wegen höherer Umlaufgeschwindigkeit bis zu zehn Binnenschiffe ersetzen.
Debatte über Ausbau von Flüssen
Um die Schiffbarkeit von Deutschlands Flüssen langfristig zu gewährleisten, setzt Verkehrsminister Bilger auch auf einen Ausbau und eine Vertiefung der Wasserstraßen: „Wenn wir wollen, dass Güter verlagert werden von der Straße auf die Wasserstraße, dann muss Vertrauen in die Binnenschifffahrt bestehen“, sagte er dem Sender ntv. „Deswegen können wir es uns nicht erlauben, regelmäßig mit so gravierenden Niedrigwasserproblemen konfrontiert zu sein.“ Zur Klimaanpassung gehöre an einigen Stellen ein Ausbau der Wasserstraße. Auf ökologischen Ausgleich werde man dabei sehr achten.
Widerspruch kam bereits aus dem Bundesumweltministerium. „Eine reine Vertiefung von Flüssen kann keine Antwort sein, sondern es braucht einen stärkeren Umbau unserer Flüsse oder wieder Rückbau – weg von Kanälen hin zu natürlichen Flüssen mit mäandernden Flussarmen, mit Flussauenlandschaften, die das Wasser in der Fläche halten“, erklärte Umweltminister Carsten Schneider.
