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Startseite»Nachrichten»Wahlkampfauftakt in Brasilien: Lula und Bolsonaros Sohn werben um weibliche Wählerschaft
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Wahlkampfauftakt in Brasilien: Lula und Bolsonaros Sohn werben um weibliche Wählerschaft

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 17, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Wahlkampfauftakt in BrasilienLula und Bolsonaros Sohn werben um weibliche Wählerschaft

Lula strebt seine vierte Amtszeit an. (Foto: IMAGO/Brazil Photo Press)

In wenigen Monaten wählt Brasilien ein neues Staatsoberhaupt. Präsident Lula und der Sohn von Ex-Präsident Bolsonaro starten als aussichtsreiche Kandidaten in den Wahlkampf. Beide wollen wichtige Wählergruppen für sich gewinnen.

In Brasilien haben die Spitzenkandidaten mit Großveranstaltungen den Präsidentschaftswahlkampf eröffnet. Der linksgerichtete Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und sein aussichtsreichster Herausforderer, der Rechtspolitiker Flávio Bolsonaro, stimmten ihre Anhängerschaft in ihren Hochburgen auf die Wochen bis zum Urnengang am 4. Oktober ein. Beide Präsidentschaftskandidaten haben insbesondere die weibliche Wählerschaft im Land umworben.

Der 80-jährige Lula strebt seine vierte Amtszeit an. „Solange ich lebe, werde ich nicht zulassen, dass die Rechte zurückkehrt“, begründete der Kandidat der Arbeiterpartei (PT) im städtischen Stadion von Sao Bernardo do Campo sein erneutes Engagement, wie auf dem Livestream von „TV O Povo“ zu hören war. Der Ort der Kundgebung war bewusst gewählt. An dem Industriestandort südlich von Sao Paulo hatte Lula einst als Metallarbeiter von Volkswagen gearbeitet und 1979 als Gewerkschaftsführer einen Streik angeführt.

„Ich danke den Arbeitern und Arbeiterinnen dieses Landes, die irgendwann geglaubt haben, dass jemand wie sie mehr für sie tun kann als jemand, der anders ist als sie“, sagte der ehemalige Fabrikarbeiter. Lula versprach, die Sozialprogramme der Regierung fortzusetzen, und kündigte an, geschlechtsspezifische Gewalt sowie das organisierte Verbrechen zu bekämpfen.

In seiner Ansprache unterstrich er die Rechte der Frauen, die 53 Prozent der 158 Millionen Wähler in Brasilien ausmachen und bei dem engen Rennen um die Präsidentschaft den Ausschlag geben könnten. Jungen müssten „von Kindesbeinen an lernen, dass ein Mann nicht besser als eine Frau ist“, betonte Lula. „Sie müssen lernen, dass wir gleich sind.“ First Lady Rosangela „Janja“ da Silva stellte in ihrer Rede die Frauenrechte in den Mittelpunkt und beteuerte an ihren Mann gerichtet: „Wir sind die Mehrheit und wir werden Dich wieder wählen.“

Konkurrent Bolsonaro attackiert Lula

Herausforderer Bolsonaro wählte für seine Auftaktveranstaltung den Copacabana-Strand von Rio de Janeiro. Dort hatte bereits sein Vater, der wegen versuchten Putschversuchs zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilte Ex-Präsident Jair Bolsonaro, größere Menschenmengen versammelt. „Ich weiß, ich sehe aus wie er“, sagte der 45-jährige Präsidentschaftskandidat vor mehreren Tausend Anhängern über seinen Vater. „Aber es ist schwer, Pelés Sohn mit Pelé zu vergleichen“, fügte Bolsonaro mit Blick auf die brasilianische Fußball-Legende hinzu.

Der Präsidentschaftskandidat versprach, Brasilien vor Korruption, Verbrechen, hohen Lebensmittelpreisen und steigender Staatsverschuldung zu „retten“ und „Gott, Land, Familie und Freiheit“ in den Mittelpunkt seiner Politik zu stellen. Er warf Lula vor, die Verschuldung Brasiliens erhöht, staatliche Unternehmen geschädigt und den Kampf gegen kriminelle Organisationen vernachlässigt zu haben. „Ich werde die Souveränität Brasiliens wiederherstellen“, versprach der 45-jährige Senator der Liberalen Partei (PL) mit Blick auf die Sicherheit in dem südamerikanischen Land.

Zum zentralen Wahlkampfthema Bekämpfung von Gewaltverbrechen inklusive des gegenwärtigen Rekordniveaus an Femiziden sagte Bolsonaro, Brasilien werde mit ihm „gewinnen, weil ich die Frauen dieses Brasiliens schützen werde“. Unter seiner Regierung würden Vergewaltiger von Frauen und Kindern im Gefängnis landen „und nur rauskommen, nachdem sie einer chemischen Kastration unterzogen wurden“, versicherte Bolsonaro an der Seite seiner Frau Fernanda.

Lula kämpft um neue Arbeitergeneration

Fünf Jahrzehnte nach seinen Anfängen als Gewerkschafter steht Lula jedoch vor der Herausforderung, eine neue Generation, die digital und App-basiert arbeitet, für sich zu gewinnen. Diese Arbeiter haben kaum noch Bezug zu den traditionellen Gewerkschaften, die einst das Rückgrat seiner Partei bildeten.

Der Anteil der Beschäftigten in regulären Arbeitsverhältnissen sank bis Dezember auf 38,2 Prozent, während die Zahl der über digitale Plattformen vermittelten Arbeitskräfte laut Schätzungen der Zentralbank zwischen 2015 und 2025 um 170 Prozent auf 2,1 Millionen gestiegen ist. Auch der gewerkschaftliche Organisationsgrad hat sich im vergangenen Jahrzehnt auf 8,9 Prozent nahezu halbiert. Lula erklärte, seine Partei müsse sich auf eine andere Arbeitswelt einstellen.

Die PT versucht daher, mit der Forderung nach einer kürzeren Arbeitswoche und neuen Schutzrechten für App-basierte Arbeiter zu punkten. Entsprechende Gesetzesinitiativen stecken jedoch im Kongress fest. Sie stoßen nicht nur auf den Widerstand der Technologieunternehmen, sondern auch auf Skepsis bei den zumeist jungen, männlichen Beschäftigten, die staatliche Eingriffe, einen Verlust an Flexibilität und Steuern fürchten. Umfragen zufolge verortet sich ein Großteil dieser wachsenden Wählergruppe in der politischen Mitte oder im rechten Lager. Davon könnte Bolsonaro profitieren, der sich gezielt um diese Wählerschaft bemüht.

Die Demoskopen erwarten ein knappes Rennen. Für eine eventuelle Stichwahl sieht das Meinungsforschungsinstitut „Quaest“ Lula bei 43 und Bolsonaro bei 40 Prozent. Weiteren Bewerbern werden keine Chancen eingeräumt.

Quelle: ntv.de, mwa/AFP/dpa/rts

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