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Schmerzen und negative Gefühle: Mehrheit der Jugendlichen befürwortet Social-Media-Verbot

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 27, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Schmerzen und negative GefühleMehrheit der Jugendlichen befürwortet Social-Media-Verbot

27.08.2026, 13:52 Uhr Von Max Patzig
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Viel am Handy: Über ein Drittel (36 Prozent) der befragten Teenager sind drei Stunden oder länger in sozialen Netzwerken aktiv. (Foto: IMAGO/Frank Sorge)

Jugendliche verbringen viel Zeit mit Youtube, Snapchat, Instagram und Co. Dass das nicht immer gut ist, wissen viele von ihnen selbst. Sie fordern deshalb mehr Unterstützung – und auch ein Verbot kommt für mehr als die Hälfte infrage.

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen befürwortet ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. In einer repräsentativen Umfrage unter 12- bis 17-Jährigen geben 8 Prozent an, dass soziale Medien generell für Heranwachsende verboten werden sollten. Weitere 47 Prozent sprechen sich für ein Verbot bis zu einem bestimmten Alter aus, welches sie frei wählen durften. Im Durchschnitt entscheiden sich die Betroffenen für eine Altersgrenze von 14 Jahren. Lediglich 39 Prozent sagen, dass Social Media nicht verboten werden sollte. Die übrigen 6 Prozent antworten mit „Weiß nicht“. Mädchen plädieren öfter als Jungen (60 vs. 52 Prozent) für ein Verbot. Bei den Altersgruppen waren vor allem 16- und 17-Jährige dafür (68 Prozent). Insgesamt wurden 1400 Jugendlich befragt.

„Social Media hat für Jugendliche viele positive Aspekte: Austausch mit Freundinnen und Freunden, Inspiration und Zugang zu wichtigen Informationen“, sagt Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, die die Studie in Auftrag gegeben hat. „Gleichzeitig sind sie sich aber auch der Schattenseiten bewusst, wie Fake News, Cybermobbing und anderen Inhalten, die mental belasten. Hier müssen wir als Gesellschaft Lösungen finden, Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu schützen.“

Der Krankenkassen-Chef berichtet von „negativen Auswirkungen auf das mentale Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen“ bei intensiver Nutzung der Apps und Plattformen. Zu den Folgen exzessiver Nutzungsdauer (über vier Stunden am Tag) gehören laut der TK-Studie schlechte Laune (49 Prozent der Befragten), ein Gefühl von Unsicherheit und Zweifel (41 Prozent) sowie Unzufriedenheit mit sich selbst (40 Prozent). 38 Prozent der Jugendlichen geben zudem an, unter Schlafproblemen zu leiden. Von Kopfschmerzen oder Migräne sprechen 37 Prozent der Teenager, während ein knappes Drittel (30 Prozent) von Muskelverspannungen und Rückenschmerzen berichtet. 22 Prozent geben zudem an, unter gereizten Augen zu leiden.

Je kürzer die Teenager in sozialen Netzwerken sind, desto seltener werden diese negativen Gefühle und körperlichen Beschwerden festgestellt. Nur ein Fünftel (20 Prozent) der Jugendlichen, die weniger als eine Stunde pro Tag in sozialen Netzwerken aktiv sind, berichten etwa von Unsicherheit und Zweifel. Probleme beim Schlafen werden nur von 11 Prozent der sporadischen Social-Media-Nutzer gemeldet. Das sind weniger als ein Drittel Betroffene im Vergleich zu denen, die vier Stunden oder länger im Netz surfen.

Die Jugend nutzt soziale Netzwerke überwiegend in einem moderaten Rahmen: 11 Prozent verbringen maximal eine Stunde auf den Plattformen, 27 Prozent eine bis zwei Stunden. 26 Prozent der Befragten sind zwei bis drei Stunden aktiv. Knapp ein Fünftel (19 Prozent) verbringen drei bis vier Stunden und 17 Prozent vier oder mehr Stunden pro Tag auf Social Media. Am meisten wird Youtube genutzt (71 Prozent sind täglich oder fast täglich dort), gefolgt von Tiktok (58 Prozent) und Instagram (57 Prozent). Die Hälfte (50 Prozent) nutzt Snapchat (fast) täglich, 22 Prozent Roblox.

Soziale Medien tun 80 Prozent der Befragten gut

1 Prozent der Jugendlichen sagt, Social Media tue ihnen „gar nicht gut“. Weitere 13 Prozent geben an, es tue ihnen „eher nicht so gut“. Der Großteil hat hingegen keine Probleme mit sozialen Netzwerken: 65 Prozent sagen, Instagram, Tiktok und Co. tue ihnen „eher gut“, 15 Prozent sprechen sogar von „sehr gut“. Damit das so bleibt, ergreifen viele Teenager Schutzvorkehrungen. Über ein Drittel (37 Prozent) entfolgt oder blockiert bestimmte Profile, mehr als jede und jeder Vierte (28 Prozent) schaltet die App-Benachrichtigungen aus. 26 Prozent legen handyfreie Zeiten ein, während 25 Prozent das Smartphone auch mal zur Seite packen. 24 Prozent der Befragten geben zudem an, dass sie Beiträge melden, die sie für fake oder unangemessen halten.

Als Nervfaktor bezeichnet mehr als jeder Zweite (57 Prozent) zu viel Werbung in den Apps. 52 Prozent fühlen sich von gefälschten Bildern und Fake News gestresst, 35 Prozent von Mobbing und Beleidigungen. Ein knappes Drittel (31 Prozent) beklagt sich über Bilder oder Videos, die es gar nicht sehen will, beispielsweise von Gewalt. 36 Prozent sagen, sie verbringen ungewollt zu viel Zeit auf den Plattformen.

Gründe, die Plattformen und Apps dennoch zu nutzen, gibt es einige: 77 Prozent der Teenager sagen, sie haben dort Spaß. 75 Prozent nutzen sie zum Zeitvertreib bei Langeweile, während 64 Prozent mit Freundinnen und Freunden in Kontakt bleiben. Zwei von fünf (42 Prozent) holen sich Inspiration, beispielsweise für Sport, Essen oder auch Reisen. Gut jeder dritte Nutzer und Nutzerin (36 Prozent) behält Influencer im Blick.

Viele der 12- bis 17-Jährigen wünschen sich Unterstützung, um Social Media gut und sicher nutzen zu können. Sie wollen etwa Videos zu Gefahren auf den Plattformen (48 Prozent), besonders geschulte Ansprechpersonen in der Schule (46 Prozent), Workshops zum Beispiel in der Schule (42 Prozent) oder leicht erreichbare Hilfsangebote, beispielsweise per Chat oder Telefon (36 Prozent). Auch die eigenen Eltern nehmen die Jugendlichen in die Pflicht. 43 Prozent sprechen sich für mehr Gespräche über soziale Netzwerke mit ihnen aus.

„Verbot nur letzte Konsequenz“

„Ein pauschales Social-Media-Verbot, um Kinder und Jugendliche vor den Risiken im Netz zu schützen, greift aus unserer Sicht zu kurz“, sagt TK-Chef Baas. „Wir leben in einer digitalen Welt – damit Kinder und Jugendliche langfristig gesund mit Social Media umgehen können, ist Medienkompetenz entscheidend.“ Dem schließt sich Lilli Berthold, die stellvertretende Generalsekretärin der Bundesschüler*innenkonferenz, an: „Viele Jugendliche schaffen es nicht von allein, ihren Social-Media-Konsum zu reduzieren. Ein Social-Media-Verbot sollte aber nur die letzte Konsequenz sein. Viel wichtiger ist die nachhaltige Förderung der Medienkompetenz durch Eltern und Schule.“

Lehrer sollten fortgebildet werden, auch regt Berthold neue Schulfächer an, um die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu erhöhen. Ein weiteres Mittel sei ihrer Ansicht nach, die Medienkompetenz der Eltern zu steigern. „Auf alle Fälle sollte man mit den Betroffenen, den Jugendlichen sprechen“, sagt Berthold. Dies könnte schließlich auch eine Pleite wie in Australien verhindern, wo ein Social-Media-Verbot faktisch gescheitert sei. Jugendliche fanden dort Wege, das Verbot zu umgehen.

Facebook führt Zeitlimit ein – „guter Schritt“

Der Krankenkassen-Chef ergänzt, dass „auch die Anbieter in die Pflicht genommen werden müssen, jugendgerechte Versionen ihrer Plattformen anzubieten – zum Beispiel ohne Werbung und ohne suchtfördernde Algorithmen“. Verbote für Anbieter seien etwa auch bei anderen Suchtsubstanzen wie Alkohol und Tabak üblich, sagt Baas. Die Plattformen einzuschränken, sei in der bisherigen Debatte jedoch zu kurz gekommen.

In den USA verpflichtet sich der Facebook-Konzern Meta, zu dem auch Whatsapp und Instagram gehören, das Suchtpotenzial seiner Plattformen von nun an abzumildern. Am gestrigen Mittwoch schloss der Konzern einen milliardenschweren Vergleich, um einen laufenden Prozess frühzeitig zu beenden. Bestandteil der Einigung sind ein voreingestelltes Zwei-Stunden-Limit pro Tag für Nutzerinnen und Nutzer unter 18 Jahren sowie eine nächtliche Zugangssperre. „Das ist ein guter Schritt“, findet Baas. „Das könnte die EU auch beschließen.“ Doch Deutschland solle nicht darauf warten, dass die Europäische Union aktiv werde. „Wir können und sollten eigene Mechanismen etablieren.“

Valentin Dander von der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur empfiehlt, die „Mediennutzung junger Menschen zu Hause interessiert und kritisch zu begleiten“. Es sollten gemeinsam Regeln in Bezug zu sozialen Medien ausgehandelt werden. „Ebenso wichtig ist es, Social-Media-Plattformen bewusst zu wählen“, sagt der Pädagoge. „Und schließlich braucht es attraktive, kreative und soziale Freizeitgestaltung – nicht nur in digitalen Räumen.“

Quelle: ntv.de

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