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Fälle steigen, Impfquote sinkt: Droht den USA ein größerer Masern-Ausbruch?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 27, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Fälle steigen, Impfquote sinktDroht den USA ein größerer Masern-Ausbruch?

In den USA gibt es in diesem Jahr so viele Masern-Fälle wie schon seit Langem nicht mehr. (Foto: Julio Cortez/AP/dpa)

Die Masern sind zurück in den USA: Mehr als 2700 bestätigte Masernfälle verzeichnet die Seuchenschutzbehörde CDC bis Ende August – deutlich mehr als im Vorjahr. Auch zwei Todesfälle gibt es bereits. Ein Problem ist die sinkende Impfquote im Land.

In den USA steigt die Zahl der Masernfälle auf einen neuen Rekordwert. Der Bundesstaat Pennsylvania meldet zudem die ersten beiden Todesfälle in diesem Jahr. Es waren dort die ersten Masern-Toten seit 35 Jahren. Seit 2024 steigen die Fallzahlen landesweit, während die Impfquote sinkt. Droht dem Land ein neuer großer Ausbruch wie zuletzt Anfang der 1990er Jahre? Ein Überblick:

Wie groß ist der aktuelle Ausbruch – und wo findet er statt?

Die USA erleben derzeit viele parallele und miteinander verbundene Ausbrüche. Bis Ende August 2026 registrierte die Seuchenschutzbehörde CDC mehr als 2700 bestätigte Masernfälle in 45 Bundesstaaten sowie Washington, D.C. In diesem Jahr sind 36 neue Ausbrüche hinzugekommen. Allerdings werden 94 Prozent aller Fälle einem einzigen Ausbruchsgeschehen zugerechnet.

Aktuell verschiebt sich das Geschehen stark in Richtung des US-Bundesstaates Pennsylvania: Dort waren bis 25. August 393 Fälle in 28 Countys bestätigt, wobei Lancaster County ein Schwerpunkt ist. Bei der CDC-Aktualisierung vom 21. August kamen bundesweit 211 Fälle binnen einer Woche hinzu, besonders viele davon aus Pennsylvania und Ohio.

Wer ist am stärksten betroffen?

Der Ausbruch betrifft überproportional Kinder und Jugendliche. Nach einer Auswertung der aktuellen CDC-Zahlen durch CIDRAP entfallen 66 Prozent der Fälle auf Kinder und Jugendliche, 19 Prozent auf Kinder im Alter bis fünf Jahre. Rund 94 Prozent der Erkrankten sind entweder ungeimpft oder ihr Impfstatus ist unbekannt. Das CDC fasst „ungeimpft“ und „unbekannt“ in seiner schnellen Lageberichterstattung zusammen. Rund sieben Prozent der Erkrankten werden derzeit im Krankenhaus behandelt. 2025 waren 243 Hospitalisierungen und drei Todesfälle gemeldet worden.

Die ersten beiden Masern-Todesfälle der USA im Jahr 2026 traf zwei Menschen im Lancaster County in Pennsylvania. Beide waren nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums ungeimpft. Alter und weitere persönliche Angaben veröffentlicht die Behörde nicht.

Sind die Fallzahlen 2026 außergewöhnlich hoch?

Ja. 2026 ist bereits das schlimmste Masernjahr in den USA seit 1991. Allerdings traten Masern in den vergangenen Jahren immer wieder in Clustern auf: Mal gab es Jahre mit mehr als 1200 Fällen (2019), dann wieder Jahre mit knapp über 50 Fällen (2023). Allerdings hat sich die Größenordnung nach 2024 geändert – bereits 2025 waren es landesweit mehr als 2000 Fälle, Ende August 2026 sind schon mehr als 2700 Fälle gemeldet worden.

Der historische Vergleich relativiert diese Größenordnung: Zuletzt kam es zwischen 1989 und 1991 kam es in den USA zu einem größeren Masernausbruch. An seinem Höhepunkt 1990 wurden rund 27.800 Fälle registriert. Insgesamt gab es rund 55.000 Fälle und 123 Todesfälle.

Bevor das Masernimpfprogramm 1963 ins Leben gerufen wurde, erkrankten in den USA jährlich schätzungsweise 3 bis 4 Millionen Menschen an Masern, von denen 500.000 gemeldet wurden. Von den gemeldeten Fällen starben etwa 400 bis 500.

Warum kehren die Masern in den USA zurück?

Offiziell gelten die Masern seit dem Jahr 2000 in den USA als ausgerottet. Dies bedeutet, dass das Virus seitdem nicht mehr kontinuierlich weiterverbreitet wurde. Neue Fälle traten bei ungeimpften US-Bürgern auf, die ins Ausland gereist waren und sich dort angesteckt hatten. Das Virus konnte sich jedoch nicht in den USA verbreiten, weil fast alle Menschen geimpft waren und die sogenannte Herdenimmunität einen größeren Ausbruch verhinderte.

Doch die Situation ist nun eine andere, schreibt das CDC: Die Impfquote mit dem MMR-Impfstoff (eine kombinierte Masern-Mumps-Röteln-Impfung) unter Kindergartenkindern ist gesunken und liegt nun unter dem Zielwert von 95 Prozent – zuletzt lag sie bei knapp über 92 Prozent. In einigen Gemeinden ist sei sie sogar noch deutlich niedriger. Unter einem Wert von 95 Prozent können bereits kleine Impflücken zu regionalen Ausbrüchen führen, weil Masern so extrem ansteckend sind.

„Bei einigen Krankheiten wie Masern kann selbst ein geringer Rückgang der Impfquote zu mehr Ausbrüchen führen, weil für eine Gemeinschaftsimmunität mehr als 95 Prozent der empfänglichen Personen immunisiert sein müssen“, sagte Andrew Racine, Präsident der American Academy of Pediatrics, der Zeitung „Washington Post“.

Dazu kommt laut CDC, dass weltweit die Masernaktivität zunimmt. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass eine ungeimpfte Person, die sich im Ausland mit Masern angesteckt hat, in die USA zurückkehrt.

Könnte in den USA wieder eine Masernwelle wie Anfang der 1990er entstehen?

Die mehr als 2700 Fälle in diesem Jahr sind gravierend, aber noch weit von den Fallzahlen Anfang der 1990er Jahre entfernt – und deutlich unter jenen der Jahre vor Einführung des Impfprogramms in den USA. Bleibt die Impfquote in den USA jedoch auf dem aktuellen Niveau, könnten sich die Masern langfristig wieder etablieren und endemisch werden, warnte eine 2025 im Fachmagazin „JAMA“ erschienene Modellstudie. Die Berechnungen der Forscher ergaben rund 851.300 kumulierte Masernfälle über einen Zeitraum von 25 Jahren. Bereits fünf Prozent höhere MMR-Impfquoten reduzierten das Modellergebnis auf etwa 5800 Fälle.

Wie sieht die Lage in Deutschland aus – könnte hier Ähnliches passieren?

Das ECDC meldete für Deutschland 95 bestätigte oder wahrscheinliche Masernfälle in den Kalenderwochen 1 bis 24 des Jahres 2026. Zum Vergleich: 2024 wurden dem RKI 645 Fälle und im Jahr 2025 insgesamt 234 Fälle übermittelt. 2024 war also selbst bereits ein Jahr mit einem deutlichen deutschen Masernanstieg.

Laut einer Analyse des RKI hat Deutschland das WHO-Ziel der Masern-Ausrottung bislang nicht erreicht. Ein Problem sei die rechtzeitige zweite Impfung: Für den Geburtsjahrgang 2022 hatten im Alter von 24 Monaten nur rund 78 Prozent zwei MMR-Dosen erhalten. Eine andere RKI-Auswertung zeigt, dass viele Impfungen später nachgeholt werden – im Alter von sechs Jahren lag die vollständige Masernimpfquote 2024 bei 92 Prozent, aber auch das zeigt bestehende Impflücken.

Quelle: ntv.de, kst

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