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Startseite»Politik»Kreditkarten-Schulden: Der Alltag der Amerikaner läuft auf Pump
Politik

Kreditkarten-Schulden: Der Alltag der Amerikaner läuft auf Pump

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 16, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.09.2026 • 13:36 Uhr

Nicht nur die Staatsschulden der USA sind enorm – auch viele Verbraucher sind angesichts hoher Lebenshaltungskosten im Minus. Viele jüngere Amerikaner haben hohe offene Kreditkarten-Rechnungen.

Von Melanie Böff, ARD Finanzredaktion, zzt. New York

„Wie soll ich nur aus diesem Loch wieder herauskommen?“ Das dachte Hector Gomez, als er mit einem flauen Gefühl im Magen auf seine Kreditkarten-Abrechnung blickte: 21.000 Dollar Schulden. „Das erste Gefühl war Ungläubigkeit, das zweite Angst“, sagt er rückblickend. Nach einer Scheidung stand er nicht nur alleine da, sondern auch mit einem enormen Berg an Kreditkarten-Schulden.

Damit ist Gomez nicht allein. Die privaten Haushalte in den USA haben laut der Federal Reserve Bank of New York rund 18,8 Billionen Dollar Schulden – verteilt auf Hypotheken, Auto- und Studienkredite sowie Kreditkarten.

Der mit Abstand größte Teil davon sind Hypotheken. Die Autokreditschulden waren zuletzt auf Rekordniveau und auch die Kreditkarten-Schulden steigen. Zuletzt lagen diese bei rund 1,26 Billionen Dollar in den USA, das entspricht offenen Kreditkarten-Rechnungen von im Schnitt 6.600 Dollar pro Kreditkarteninhaber.

Bei vielen Amerikanern läuft der Alltag auf Kredit

Ted Rossman von der Non-Profit-Schuldnerberatung Money Management International sagt, immer mehr Menschen suchten Hilfe, um ihre Schulden loszuwerden. Vielen US-Amerikanerinnen und Amerikanern fehle offenbar ein finanzieller Puffer.

Unsere Klienten haben jeden Monat im Schnitt eine Lücke von etwa 300 Dollar im Haushaltsbudget.

Ted Rossman, Schuldnerberater

Zu ihm kommen Betroffene mit wachsenden Schuldenbergen. Wer zum ersten Mal bei Rossman in der Beratung sitzt, hat im Schnitt um die 40.000 Dollar Kreditkarten-Schulden. „Über Kreditkarten-Schulden zu sprechen, fällt schwer“, sagt er.

Leicht hingegen ist das Schuldenmachen: Das liegt auch an der Kreditkarten-Kultur in den USA, die sich gänzlich von der in Deutschland unterscheidet. Anders als in Deutschland ist es in den USA wichtig, überhaupt seine Kredithistorie aufzubauen. Wer einen Kredit nutzt, diesen zuverlässig zurückzahlt, verbessert den eigenen credit score – und kommt in Zukunft leichter und günstiger an neues Geld.

„Kreditkarten-Schulden sind oft mit dem Stigma verbunden, man habe sich unverantwortlich verhalten“, sagt Ted Rossman. Aber in Wirklichkeit gehe es meistens um ganz alltägliche Ausgaben für Arztrechnungen, Benzin, Lebensmittel, Auto- und Hausreparaturen.

Inflation belastet

Denn das Leben ist teuer geworden in den USA. Die Inflation hält sich hartnäckig, die hohen Lebenshaltungskosten lassen Einzelhandelsumsätze zurückgehen. Gleichzeitig boomen Billigläden. Erst vor kurzem hat der deutsche Discounter-Riese Aldi in New York am Times Square eine Filiale eröffnet – der Hype darum war immens.

Auch Hector Gomez nutzte die Kreditkarte für Lebensmittel, Hundefutter, den Waschsalon und Restaurantbesuche. Er bezahlte abwechselnd mit drei verschiedenen Kreditkarten für den gemeinsamen Alltag, weil seine Frau während der Corona-Pandemie ihren Job verloren hatte.

Ich dachte, dieses Geld wäre praktisch unendlich verfügbar.

Zinsen lassen Schuldenberg schnell wachsen

Aber seine Schulden wurden mehr und mehr. „Ich habe immer die Mindestrate bezahlt, aber eigentlich bin ich damit keinen Schritt vorangekommen“, sagt er. Möglich macht das die revolvierende Kreditkarte, die in den USA weit verbreitet ist. Sie funktioniert anders als in Deutschland. Hierzulande sind Debitkarten und sogenannte Charge-Kreditkarten verbreitet, bei denen der Saldo am Monatsende komplett vom Girokonto abgebucht wird.

Bei revolvierenden Kreditkarten kann monatlich auch nur ein Mindest- oder Teilbetrag gezahlt werden. Amerikaner können ihre Schulden also in die kommenden Monate mitnehmen, ohne sie komplett abzubezahlen. Der Schuldenberg wird also nicht nur höher, sondern auch in die Länge gezogen.

Die Zinsen werden zusätzlich zu einem großen Problem. Im Durchschnitt liegen Kreditkartenzinsen bei rund 21 Prozent – können aber auch deutlich darüber liegen, wie bei Gomez. Er zahlte knapp 30 Prozent Zinsen auf seine Kreditkarten-Schulden.

Raus aus der Schuldenspirale

„Sie machen es dir leicht, an das Geld zu kommen, aber sie erklären dir nicht, wie du aus dieser Situation wieder herauskommst.“ Er sagt selbst, er habe damals nicht verstanden, wie Zinsen funktionieren und keinen richtigen Haushaltsplan gehabt.

Gomez hat sich schließlich Hilfe von einer Schuldnerberatung geholt. Dort versuchen die Berater, bessere Rückzahlungskonditionen bei Banken und niedrigere Zinsen auszuhandeln. Das gelang auch in seinem Fall. Seine Zinsen halbierten sich von knapp 30 auf 15 Prozent. So war der Anfang dafür gemacht, vom Schuldenberg runterzukommen. Hector Gomez behält seitdem genau den Überblick über seine Einnahmen und Ausgaben.

Immer mehr junge Menschen suchen Hilfe

Wenn Ted Rossman aus seiner Beratungspraxis erzählt, wird eines besonders deutlich: Es kommen mehr Menschen mit höheren Schulden – und sie werden immer jünger. Die GenZ ist laut Rossman die am schnellsten wachsende Klientengruppe seiner Schuldnerberatung. „Im vergangenen Jahr ist die Nachfrage nach unserer Beratung in dieser Altersgruppe um 35 Prozent gestiegen.“

Junge Menschen starten in einer Phase von extrem hohen Lebenshaltungskosten ins Arbeitsleben, müssen aber erstmal häufig mit niedrigen Einstiegsgehältern zurechtkommen. Wer noch einen Studienkredit abbezahlen muss, hat weniger Geld zum Leben – entweder wird dann mit der Kreditkarte überbrückt oder mit Anbietern von „buy now, pay later“ („kauf jetzt, zahle später“).

Die Gehälter halten nicht Schritt mit den Lebenshaltungskosten

Laut Rossman haben seine jungen Klienten im Schnitt 20.000 Dollar an Kreditkarten-Schulden und anderen ungesicherten Darlehen. In vielen Fällen kommt ein Studienkredit von im Schnitt 35.000 Dollar obendrauf. Eine große finanzielle Belastung zum Start ins Arbeitsleben. „Bei vielen Amerikanern haben die Gehälter mit den steigenden Lebenshaltungskosten nicht Schritt gehalten – besonders bei den jüngeren Erwachsenen“, sagt der Schuldnerberater. Es bleibt wohl viel zu tun für Rossman.

Drei Jahre harte Arbeit und Disziplin haben sich bei Hector Gomez offenbar gelohnt – heute ist er 35 Jahre alt, arbeitet als Projektmanager – und ist nach eigenen Angaben inzwischen schuldenfrei.

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Dr. Heinrich Krämer
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