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Startseite»Politik»US-Senat stoppt Gesetz – Kryptowährungen unter Druck
Politik

US-Senat stoppt Gesetz – Kryptowährungen unter Druck

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 16, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.09.2026 • 14:37 Uhr

Ein US-Gesetz zur Regulierung von Kryptowährungen ist im Senat gescheitert. Das ist eine Niederlage für Donald Trump und setzt die Kurse unter Druck. Der Bitcoin fällt zeitweise unter 75.000 Dollar.

Der Bitcoin steht schon seit geraumer Zeit unter Druck. Von seinem Höchststand im Oktober 2025 ist die wohl bekanntest Kryptowährung weit entfernt. Damals lag der Bitcoin bei 120.000 Dollar, danach halbierte er sich bis August 2026 nahezu. Die Stabilisierung Anfang September auf zeitweise über 82.000 Dollar wurde gestern abrupt beendet.

Der Bitcoin-Kurs fiel zeitweise auf unter 75.000 Dollar. Auch andere große Kryptowährungen gaben nach. Ether verlor zeitweise mehr als fünf Prozent, XRP sogar rund zehn Prozent.

Was steckt dahinter? Für Verkaufsdruck sorgte am Dienstag eine Abstimmung im US-Senat. Die Abgeordneten sollten den Weg für den sogenannten „Clarity Act“ freimachen. Das Gesetz soll erstmals einen umfassenden bundesweiten Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte in den USA schaffen.

Doch dafür kam nicht genügend Unterstützung zusammen. In einer Verfahrensabstimmung votierten 49 Senatorinnen und Senatoren dafür, 50 dagegen. Die notwendige Mehrheit von 60 Stimmen wurde deutlich verfehlt. US-Präsident Donald Trump und ​seine Republikaner haben damit im Kongress ‌eine empfindliche Niederlage erlitten.

Rückschlag für die Krypto-Branche

Der „Clarity Act“ gilt als eines der wichtigsten politischen Vorhaben der US-Kryptobranche. Mit dem Gesetz sollten unter anderem Zuständigkeiten zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Rohstoffaufsicht CFTC klarer geregelt werden. Für Unternehmen der Branche hätte das mehr rechtliche Planungssicherheit bedeuten können.

Das Scheitern der Abstimmung ist allerdings zunächst vor allem ein politischer und regulatorischer Rückschlag. Der Handel mit Kryptowährungen wird dadurch nicht beendet. Auch die bestehenden Aufsichtsregeln bleiben bestehen. Unklarer ist dagegen, wann es in den USA zu einem umfassenderen und dauerhaften Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte kommen wird.

Millionen Dollar für Kampagne

Über das Gesetz war zuletzt vor allem zwischen Republikanern und Demokraten gestritten worden. Ein Streitpunkt waren zusätzliche Regeln für den Umgang von Regierungsmitgliedern mit Kryptowährungen und mögliche Interessenkonflikte. Laut einer von der Regierung veröffentlichten Einkommenserklärung hat US-Präsident Trump 2025 über eine Milliarde Dollar durch Krypto-Geschäfte eingenommen. Präsident Trump unterstützt das Gesetzes-Vorhaben.

Krypto-Unternehmen hatten sich ​davon mehr Rechtssicherheit versprochen. Die ‌finanzstarke Branche hatte Hunderte Millionen Dollar in Kampagnen investiert, um das Vorhaben voranzubringen. „Das tut weh“, schrieb Brad Garlinghouse, Chef des Kryptounternehmens Ripple, nach der Entscheidung.

Starker US-Arbeitsmarkt dämpft Zinshoffnungen

Die politische Unsicherheit trifft auf ein ohnehin angespanntes Marktumfeld. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed).

Die jüngsten Arbeitsmarktdaten fielen deutlich stärker aus als in den Monaten zuvor. Im August entstanden in den USA 162.000 neue Arbeitsplätze. Im Juli waren es lediglich 21.000 gewesen. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent.

Bitcoin reagiert stärker auf Zinsänderungen

Für die Finanzmärkte sind solche Daten wichtig, weil ein robuster Arbeitsmarkt der Notenbank mehr Spielraum bei der Zinspolitik gibt. Anleger müssen damit rechnen, dass die Zinsen länger hoch bleiben könnten. Das kann insbesondere Anlagen belasten, die als risikoreicher gelten – zum Beispiel Kryptowährungen.

Der Bitcoin-Kurs wird inzwischen stärker als früher von solchen Erwartungen beeinflusst. Die zunehmende Verzahnung mit den traditionellen Finanzmärkten – unter anderem über börsengehandelte Bitcoin-Fonds – hat die Kryptowährung für viele institutionelle Anleger zugänglicher gemacht.

„Bitcoin wird inzwischen stark wie ein klassisches Risk-on-Asset gehandelt und reagiert entsprechend empfindlich auf Veränderungen der Zins- und Liquiditätserwartungen“, sagt Florian Sondershausen, Krypto-Experte bei der Haag Sondershausen Consulting GmbH.

Fed-Entscheidung im Blick

Die Federal Reserve berät am heute über ihre weitere Geldpolitik. Erwartet wird, dass sie den Leitzins erhöhen könnte, um die durch steigende Energiepreise angefachte Inflation abzuschwächen. Es geht um eine wahrscheinliche Erhöhung um einen Viertelpunkt auf die Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent.

Fed-Chef Kevin Warsh erläutert die Entscheidung im Anschluss auf einer Pressekonferenz. Eine Leitzinserhöhung wäre eine Niederlage für US-Präsident Donald Trump, der im Vorfeld abermals niedrigere Zinsen eingefordert hatte.

Damit stehen für die Kryptomärkte derzeit zwei Fragen nebeneinander: Wie entwickelt sich die US-Geldpolitik – und wie geht es mit der Regulierung von Kryptowährungen weiter?

Noch keine klare Trendwende

„Der Fall unter 80.000 Dollar allein bestätigt noch keinen neuen Abwärtstrend“, sagt Experte Sondershausen. Ebenso wenig lasse sich aus einzelnen Erholungstagen bereits eine neue Aufwärtsbewegung ableiten.

Der Bitcoin-Kurs ist im bisherigen Jahresverlauf um 13 Prozent gefallen, nachdem er bereits 2025 rund sechs Prozent nachgegeben hatte. Es war den Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge erst das vierte Verlustjahr in der Geschichte der Digitalwährung, die es erst seit 2009 gibt.

Der gescheiterte Vorstoß im Senat erhöht dabei zunächst die Unsicherheit für die Branche. Der „Clarity Act“ ist mit der Abstimmung nicht endgültig erledigt – das Vorhaben hat jedoch einen deutlichen Rückschlag erlitten.

Anleger halten sich zurück

Am Aktienmarkt warten die Anleger indes gespannt auf die Entscheidung der Fed. Der DAX lag am Mittag leicht im Plus. Etwas Unterstützung kommt von den zuletzt wieder gesunkenen Ölpreisen, wenngleich es keine wirklichen Fortschritte bei der Lösung der Konflikte im Nahen Osten gibt. Gleichzeitig halten sich die Anleger vor der Zinsentscheidung mit neuen Käufen eher zurück.

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