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Politik

SPD-Spitzenkandidat Krach: Lieber nach vorne schauen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 17, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Porträt

Stand: 17.09.2026 • 11:10 Uhr

Der Spitzenkandidat der Berliner SPD hat ein erklärtes Ziel: Er will das Rote Rathaus für die SPD zurückerobern. Aber die Umfragen sind für nicht gerade ermutigend. Zudem gibt es Ermittlungen gegen ihn.

Wenn SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach eine Berliner Schule besucht, kann man einen Eindruck davon bekommen, in welchem Dilemma die Sozialdemokraten stecken, die in den letzten drei Jahren die Stadt als Juniorpartner der CDU mitregiert haben.

Krach ist zu Gast in der Gretel-Bergmann-Schule in Berlin-Marzahn. Die große Gemeinschaftsschule hat eine Schülerschaft, für die Schulleiter Robert Hüttner einen besonderen Betreuungsbedarf geltend macht. 20 bis 30 Prozent hätten Probleme, überhaupt verlässlich zum Unterricht zu erscheinen. Wegen familiärer Konflikte oder auch psychischer Probleme. In der Hochhaus-Gegend am Stadtrand beziehen überdurchschnittlich viele Familien Sozialleistungen.

Nur ein Drittel ausgebildete Lehrkräfte

Krach besucht in der Gretel-Bergmann-Schule eine 10. Klasse, in der heute Herr Heide unterrichtet. Herr Heide, mit schwarzer Hornbrille und weißem Polo-Shirt, hat selbst erst vor kurzem Abitur gemacht, er ist 19 Jahre alt und Lehramts-Student im dritten Semester. Dem Lehrermangel versucht die Schule mit knapp einem Dutzend Studierenden zu begegnen. Laut Schulleiter Hüttner sind nur zwei Drittel der Lehrer an der Schule ausgebildete Lehrkräfte. Zudem wünscht er sich deutlich mehr Sozialarbeiter.

Die Schulen, die Bildungspolitik, gehört zu den wenigen Feldern, in denen die Länder weitgehend selbst bestimmen können, wo es langgehen soll. Seit drei Jahren stellt zwar die CDU in Berlin die Bildungssenatorin, aber die SPD hat davor 27 Jahre lang das Ressort bestimmt. Krach, studierter Politologe, war selbst mal Büroleiter der damaligen SPD-Bildungssenatorin Sandra Scheeres.

„Es wird nicht von heute auf morgen gehen“

Berlin landet seit vielen Jahren zumeist auf den hintersten Plätzen bei den diversen Bildungs-Vergleichsstudien. Und nicht mal SPD-Kandidat Krach, bei seinem Schulbesuch in heller Sommerjacke und weißen Sneakern gekleidet, versucht die Berliner Bildungspolitik als Erfolgsgeschichte zu verkaufen. „Ich würde mich definitiv nicht hinstellen und sagen, wir haben in den letzten 20 oder 25 Jahren alles richtig gemacht. Das sage ich nicht.“

Krach verweist aber darauf, dass in Berlin mit der sogenannten Schulbauoffensive in den letzten Jahren viele Schulen grundsaniert oder neu eröffnet werden konnten. Der SPD-Politiker spricht von einem Prozess. „Das wird nicht von heute auf morgen gehen, das ist teilweise frustrierend. Und das gleiche gilt nicht nur für die Gebäude, sondern auch die Ausstattung mit ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern.“

Erfahren, pragmatisch und frisch

Im November letzten Jahres wurde Krach von der Berliner SPD auf einem Landesparteitag einstimmig zum Spitzenkandidaten gekürt. Der häufig zerstrittene SPD-Landesverband wollte mit Krachs Wahl ein unverbrauchtes Gesicht nach vorne stellen. Krach hatte zwar zwischen 2014 und 2021 Erfahrung als Berliner Wissenschafts-Staatssekretär sammeln können und dabei durchaus einige Anerkennung unter Insidern erworben; er stand damals aber nicht in der ersten Reihe seiner Partei. Und 2021 ging er zurück in seine Geburtsstadt Hannover, wurde dort Regionspräsident, eine Art Landrat für den Großraum Hannover.

Erfahren, pragmatisch und frisch – so versucht Krach die Wähler von sich zu überzeugen. Ein typischer Satz von ihm lautet, dass er nicht so sehr zurück, sondern insbesondere nach vorne schauen will. Zudem sei in Berlin auch einiges erreicht worden: „Im Wissenschaftsbereich, im Kulturbereich, wir haben 500.000 Arbeitsplätze mehr als vor 30 Jahren in der Stadt.“

Die SPD hat Krach breitflächig in der Stadt plakatiert. Etwa mit entschlossenem Blick und dem Satz: „Der Mietenwahnsinn endet jetzt.“ Der Wohnungsmangel und die steigenden Mieten sind eines der zentralen Wahlkampfthemen in der Hauptstadt. Krach verspricht einen besseren Schutz der Mieter durch ein überprüfbares Mieten-Kataster und beschleunigten Neubau. Er verweist darauf, dass in den letzten fünf Jahren 80.000 neue Wohnungen entstanden seien, darunter auch viele Sozialwohnungen.

Der Spitzenkandidat räumt aber auch ein, dass die selbst gesteckten Neubauziele von 20.000 Wohnungen pro Jahr nicht erreicht wurden. Seit 2021 stellt die SPD den Bausenator in Berlin. Auch das ein Dilemma für Krach.

SPD im Umfrage-Tief

Als Krach im Herbst letzten Jahres zum Spitzenkandidaten gekürt wurde, lag die Berliner SPD in den Umfragen bei 13 bis 16 Prozent. In der ARD-Vorwahlumfrage von Infratest Dimap vom 10.9.2026 kommt die SPD auf 12 Prozent, liegt damit auf Platz 5 der Parteien. Die Zahlen der Vorwoche (02.09.2026) zeigen auch: Nur 19 Prozent der Berlinerinnen und Berliner sind mit der Arbeit des CDU/SPD-Senats zufrieden, 77 Prozent äußern sich unzufrieden. Eine schwierige Ausgangslage für Krach und die SPD, um den zukünftigen Senat anzuführen.

Zudem sieht sich Spitzenkandidat Krach seit einigen Tagen mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover konfrontiert, die mit seiner früheren Tätigkeit als Regionspräsident in Hannover zu tun haben. Nach Angaben der Ermittler geht es unter anderem um den Anfangsverdacht der Vorteilsannahme in zwei Fällen. Krach weist alle Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Eine Regierungsmehrheit ohne Beteiligung der SPD dürfte jedenfalls kaum zustande kommen, da keine Partei ein Bündnis mit der AfD eingehen will. Laut den Umfragen könnte es nach der Wahl sowohl für eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD reichen als auch für ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD. Krach spricht sich allerdings gegen Enteignungen von Wohnungskonzernen aus, was die Linken aber zu einer Koalitionsbedingung erklärt haben.

Seit 1989, seit dem rot-grünen Senat von Walter Momper, regiert die SPD in Berlin – entweder als Bürgermeister-Partei oder als Juniorpartner. Steffen Krach und seine Sozialdemokraten haben beste Aussichten, dass es dabei bleibt. Egal wie gut oder schlecht die Partei am 20. September abschneidet.

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