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Politik

Was ist über das mögliche Grönland-Abkommen bekannt?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 19, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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FAQ

Stand: 19.09.2026 • 13:02 Uhr

Im Streit um US-Ansprüche auf Grönland scheint sich eine Einigung zwischen den USA, Dänemark und Grönland abzuzeichnen – in Form eines gemeinsamen Abkommens. Was darüber bekannt ist – und worin die Brisanz im Streit um die Insel liegt.

Grönland soll Teil der USA werden – auf diesen Plan hatte US-Präsident Donald Trump seit Ende 2025 wiederholt und in immer schärferem Ton gedrängt. Trotz vehementen Widerstands aus Grönland, Dänemark und der EU.

Doch nun könnte ein gemeinsames Abkommen zwischen den USA, der dänischen und der grönländischen Regierung einen Schlussstrich unter den Streit ziehen. Ein Überblick über die bislang bekannten Punkte der Vereinbarung und ein Rückblick auf den Konflikt, der sich auch für die NATO und das Verhältnis der EU zu den USA zur Belastungsprobe entwickelt hatte.

Was beinhaltet das mögliche Abkommen?

Über konkrete Inhalte der Vereinbarung ist bislang recht wenig bekannt. Vor allem Dänemark und Grönland äußerten sich bisher zurückhaltend zur Ausgestaltung eines möglichen Abkommens.

US-Präsident Donald Trump verkündete hingegen auf seinem Nachrichtendienst Truth Social bereits, den USA werde mit dem Abkommen „die dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland gewährt“. Die USA dürften fortan tun, was immer nötig sei, um die Insel zu verteidigen. Zudem dürften „Feinde“ der USA künftig keine militärischen Stützpunkte mehr auf Grönland errichten, wenn die US-Regierung dies nicht ausdrücklich genehmigt habe. Auch „sensible Investitionen“ in Grönland sollen laut Trump die Genehmigung durch sein Land erfordern. Was genau zu solchen Investitionen zählt, ließ der US-Präsident offen.

All diese Aussagen Trumps sind bisher weder von der dänischen, noch von der grönländischen Regierung bestätigt. In einer gemeinsamen Mitteilung zeigte sich Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen zunächst allgemein überzeugt, dass das Abkommen „unsere gemeinsame Sicherheit in der Arktis und im Nordatlantik stärkt und deshalb auch gut für die NATO und Europa ist“. Auch der dänische Außenminister Lars Løkke äußerte die Hoffnung, dass mit dem Abkommen eine langanhaltende Unsicherheit endlich beendet werden könnte.

Frederiksen betonte, mit der geplanten Vereinbarung werde die Souveränität und territoriale Integrität des dänischen Königreichs und das Recht des grönländischen Volks auf Selbstbestimmung anerkannt. Diesen Punkt, auf den sowohl Dänemark als auch Grönland während des Streits mit den USA immer wieder gedrängt hatten, rückte auch der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen in den Fokus. „Das Abkommen erkennt Grönlands Interessen und unseren Platz in der internationalen Zusammenarbeit an. Es nützt uns allen“, schrieb er beim Kurznachrichtendienst X.

Ist das Abkommen schon in trockenen Tüchern?

Auch hier unterscheiden sich die Sichtweisen. Laut Trump ist die Vereinbarung bereits besiegelt. Dänemark hingegen stellte in Aussicht, dass das Abkommen erst im Rahmen der UN-Generalversammlung in der kommenden Woche unterzeichnet werden solle. Und danach müsse es zudem noch vom dänischen Parlament abgesegnet werden. Erst dann könne es in Kraft treten.

Worum drehte sich der Streit um Grönland?

Neu ist der Streit um die Insel nicht. Schon während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident äußerte Trump die Idee, Grönland kaufen zu wollen. Ende des vergangenen Jahres erneuerte Trump seine Gebietsansprüche auf Grönland und erhöhte dabei den Druck. Notfalls würden die USA ihren Anspruch auch militärisch durchsetzen.

Zur Begründung der US-Ansprüche führte Trump immer wieder die Sicherheitsinteressen der USA an. Er behauptete, Feinde der USA – vorrangig Russland und China – wollten Grönland unter ihre Kontrolle bringen und Dänemark hätte diesen Bestrebungen nichts entgegenzusetzen.

Was machte den Streit so brisant?

Die einstige dänische Kolonie Grönland gehört bis heute zum dänischen Königreich. Allerdings ist die Insel schon seit Jahrzehnten weitgehend autonom. Innenpolitische Entscheidungen trifft die grönländische Regierung selbst, bei der Außen- und Verteidigungspolitik bleibt aber ein gewisser dänischer Einfluss.

Trumps Drohungen beinhalteten nicht nur, Grönland zum US-Staatsgebiet zu machen – ohne Zustimmung der dortigen Bevölkerung. Sie richteten sich somit auch gegen Dänemark, das wie die USA Teil der NATO ist. Der Grönland-Streit entwickelte sich damit auch zu einer Belastungsprobe für das transatlantische Verteidigungsbündnis.

Wie reagierten Grönland, Dänemark und andere Staaten auf die US-Ansprüche?

Die grönländische Bevölkerung lehnt es mit deutlicher Mehrheit ab, dass ihre Insel Teil der USA wird. Das verdeutlichte eine Umfrage der Meinungsforschungsagentur Verian, die im Januar dieses Jahres veröffentlicht wurde. Das Ergebnis: Rund 85 Prozent der Befragten sprachen sich gegen eine US-Zugehörigkeit aus. Knapp die Hälfte der Teilnehmenden der Umfrage befürworteten stattdessen eine vollständige Unabhängigkeit Grönlands, allerdings äußerten 45 Prozent der Grönländerinnen und Grönländer auch Bedenken, mit der völligen Unabhängigkeit von Dänemark könnten wirtschaftliche Einschnitte einhergehen.

Dänemark lehnte die US-Forderungen kategorisch ab, betonte die Autonomie der Insel und dass Grönland unter keinen Umständen zum Verkauf stehe. Eine Sichtweise, der sich auch die EU anschloss. Mehrere EU-Staaten, darunter auch Deutschland, kritisierten Trumps Ansprüche auf Grönland. Trump drohte daraufhin all jenen EU-Staaten, die sich gegen seine Pläne stellten, mit Strafzöllen.

Was bedeutet das Abkommen jetzt für Grönland?

Das ist bisher noch völlig unklar – auch weil zu Inhalten der Vereinbarung noch nichts offiziell vorliegt.

Während des Streits hatte Trump wiederholt in Aussicht gestellt, die militärische Präsenz der USA auf der Insel stärken zu wollen. Aktuell unterhält das US-Militär auf Grönland eine Militärbasis: die für Raketenabwehr und Radarüberwachung wichtige Pituffik Space Base im Nordwesten der Insel, die den US-Streitkräften ihre Überlegenheit im Weltraum sichern soll. Trump sprach mehrfach über die Idee, ein Raketenabwehrsystem namens „Golden Dome“ auf der Insel zu errichten, die beim Angriff eines Feindes wie Russland direkt in der Flugbahn möglicher Raketen mit Ziel USA liegen könnte. Ob mit dem möglichen Abkommen aber tatsächlich konkrete Schritte auf Grönland einhergehen, ist noch ungewiss.

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