App trotzt Heidenau-BeschlussStolpersteine werden in App digital
Heidenaus Nein zu neuen Stolpersteinen sorgt bundesweit für Empörung. Nun werden die Erinnerungszeichen der Stadt digital gesichert – als Zeichen gegen einen Angriff auf die Erinnerungskultur.
Als Reaktion auf den Umgang in der sächsischen Kleinstadt Heidenau mit Stolpersteinen zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus hat Schleswig-Holsteins Landesbeauftragter für politische Bildung die bisherigen fünf Stolpersteine des Ortes in eine App aufgenommen. „Der Beschluss des Stadtrates mit Stimmen von CDU und AfD ist ein bewusster Angriff auf unsere Erinnerungskultur“, sagte Christian Meyer-Heidemann.
Mit der App „Stolpersteine Digital“ können Nutzende mit der Kamera ihres Mobiltelefons Stolpersteine scannen und dadurch Biografien der Menschen abrufen. Meyer-Heidemann sprach von einem bewussten Zeichen. „Wir bieten an, auch zukünftige Stolpersteine digital in unserer App zu veröffentlichen, sollten diese nicht vor Ort in Heidenau verlegt werden dürfen.“
Nach Angaben von Meyer-Heidemann wird die App „Stolpersteine Digital“ in Kooperation mit weiteren Landeszentralen für politische Bildung betrieben und von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Neben Schleswig-Holstein sind Stolpersteine aus Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Sachsen-Anhalt in der App zu finden. Anfang November werde sie auf Hessen, Rheinland-Pfalz, Brandenburg und das Saarland ausgeweitet, sagte der Landesbeauftragte.
Empörung groß
In Heidenau sollen künftig im öffentlichen Straßenraum keine Stolpersteine mehr zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Der Stadtrat hat einen entsprechenden Antrag von AfD und CDU beschlossen. Die Entscheidung löste bundesweit Kritik aus. CDU-Bundesbildungsministerin Karin Prien sprach von einem Skandal.
Die Erinnerungsform der Stolpersteine gibt es bereits seit den 90er Jahren – und inzwischen in vielen europäischen Ländern. Die in der Regel spendenfinanzierten kleinen Steine werden am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort von Opfern des Nationalsozialismus verlegt, deren Namen und Lebensdaten stehen auf einer Messingplatte auf der Oberseite der Steine. In dem fraktionsübergreifenden Beschlussantrag gemeinsam mit dem „Bündnis Oberelbe für mehr Demokratie“ hatten Vertreter von AfD und CDU gefordert, solche Stolpersteine „im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich“ künftig abzulehnen. Stattdessen soll es einen zentralen Gedenkort auf einem Friedhof geben.
